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Klaus Obruzeit
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Nachlese zur 253. DCC Gemeinschaftsfahrt Normandie/Bretagne Mai/Juni 2009
Dass dunkle Regenwolken tief über dem Cpl. im heimeligen Eifel-Städtchen Monschau hängen, lässt uns hoffen: im Laufe der Reise kann das Wetter nur besser werden – und es wird!
Mit grundsätzlichen Empfehlungen zur Routenbeschreibung versehen und liebevoll gestalteten Identifikationsschildchen am Pullover, folgen 10 Mobil- und 6 Caravan-Einheiten dem Fahrtleiterpaar in gebührendem Abstand zur ersten Etappe (153 km) über die Autobahn nach Brüssel. Einzeln oder in selbst gebildeten Grüppchen. Einer von den Heiermanns gewählten und wie WIR finden, sehr angenehmen Reise-Variante: jeder kann, keiner muss.
Aus meteorologischen Gründen findet die erste lange Tafel zum näheren Beschnuppern nach gemeinschaftlichem Möbelrücken unter einem Vordach statt. Aber die dunklen Wolken halten dicht. - Bei selbst gebrautem Kaffee und von der Fahrtleitung reichlich spendierten Kuchenvariationen erläutert die Platzchefin, dass Camping Druivenland (Traubenland) seinen Namen aus der Region ableitet, in der drei Ortschaften tatsächlich Wein (in Gewächshäusern) anbauen und verarbeiten.
Besichtigungstermine im Europa-Parlament sind exakt geplant. Trotzdem müssen wir zwischen himmelstürmenden Glastürmen 1 Stunde vor dem Eingang warten, werden dann nach elektronischer Sicherheitskontrolle aber durch eine sehr informative Führung bis in den Parlamentsaal entschädigt. Die 27 Mitglieds- Landesflaggen bilden eine farbenfrohe Kulisse für das obligatorische Gruppenfoto, made by Peter Heiermann. Die anschließende kurze Busfahrt führt uns durch Brüssels aufstrebenden gläsernen Business-Bezirk, weiter zum Atomium, vorbei an der königlichen Residenz und zu einem Fremdenführer, der uns per pedes durch die kuschelige Altstadt schleust, natürlich auch über den Großen Platz und zum Manneken Piss. Ein kurzfristig arrangiertes gemeinsames Abendessen in Overijse beschließt den Tag.
Die zweite Etappe (284 km) zur franz. Grenze, vorbei an Lille und Richtung Calais bringt keine wirklichen highlights. Ziel ist der kleine Campingplatz in Sangatte am Ärmelkanal: unter uns der Eisenbahntunnel, vor uns der Fährverkehr zur britischen Insel, bei klarem Wetter sind die Kreidefelsen im 30 km entfernten Dover schemenhaft zu erkennen. Wer nicht bereits ab vier (!) Uhr Baguette beim Dorfbäcker geholt hat, wird später frei Haus mit frischen Backwaren beliefert.
Erster Zwischenstopp an der Opal-Küste ist Cap Blanc-Nez: für höhere Fahrzeuge ist der Parkplatz, wie oft in Frankreich, durch Querbalken blockiert, wir müssen uns gemeinschaftlich arrangieren. - Steile Kreidefelsen begrenzen die endlosen grünen Ackerflächen, 134 m unter uns glitzert das Wasser des Ärmelkanals in verschiedenen Blaufarben.
Weniger spektakulär ist der zweite Stopp am Cap Gris-Nez. Die verbale Prügelei mit einem besonders engagierten belgischen Busfahrer um eine freie Parkfläche beenden wir (als die Klügeren) durch unseren Rückzug. Rechts der Atlantik, links endloses hügeliges Bauernland, geht’s weiter vorbei an den Seebädern der Belle Epoque. Hinter Wimereux ragt dort, wo 1805 Napoleon seine Truppen für die Invasion Englands sammelte, die Säule der Großen Armee 53 m in den Himmel. Wir überschreiten die Grenze zur Normandie und erreichen nach 168 km als heutiges Etappenziel das lebhafte Camping Municipal in Le Tréport.
Den Himmelfahrts-Busausflug mit einem Schnäpschen für die Herren und einem Süßen für die Damen unterbrechen wir in der „La Cité Souterraine de Naours“. Das im 9. Jh. entstandene, 35 m tief in den Kreideboden gegrabene Höhlensystem bot im Laufe der Jahrhunderte mehrfach bis zu 3.000 Personen Schutz gegen Angreifer. Im 2. Weltkrieg diente es u.a. Rommel als Befehlszentrale. Zur Mittagspause in Amiens lädt ein rustikales Lokal unmittelbar neben Frankreichs größter Kathedrale Notre Dame. Als „Nachtisch“ liefert die Fremdenführerin fachliche Erklärungen zur prachtvollen Fassade und den überwältigenden Innenraum. Abschließende Entspannung bringt eine gemütliche Kahnfahrt über schmale Kanäle zwischen blühenden Gärten (Hortillonnages) in einem einstigen 300 ha großen Sumpfgebiet.
Den Stadtbummel durch Le Treport beginnen wir mit einem gemeinsamen Mittagessen direkt am Hafen mit seinen bunten Fischerbooten. Wenige Stunden später wird durch den gewaltigen Tidehub das Hafenbecken trocken gefallen und nur noch ein schmales Rinnsal sein. Ein besonderes Vergnügen bereitet die Einladung der Fahrtleitung zur gemeinsamen nostalgischen Karussellfahrt mit Blick auf Kieselstrand, Leuchtturm und Steilküste. Kostenlos und do-it-yourself bringt uns der kürzlich wieder eröffnete Schrägaufzug durch einen Felstunnel auf die Terrassen der 100 m hohen Felsklippe. Herrlich, der weite Blick über Stadt und Meer, insbesondere bei dem schönen Sonnenwetter. Beim Abstieg besuchen wir noch die Kirche Èglise St.-Jaques aus dem 14.Jh.
Die Karawane zieht weiter: bis Dieppe noch entlang der Küste, dann landeinwärts durch Weideland mit weißen Kühen und gelegentlich kleinen Wäldchen. Bei Duclair erreichen wir die Seine und kurz danach die Ruine der einst großartigen Abtei von Jumièges aus dem 7. Jh. Die Pont de Brotonne bringt uns ans südliche Seine-Ufer. Ganz aus Beton und mit einer Spannweite von 320 m war sie bei Fertigstellung 1977 Weltrekord. Durch den Laubwald Forét Brotonne und normannische Dörfer mit typischen Fachwerkhäusern kommen wir ins Dep. Calvados und nach Cormeilles. Die Bedeutung der vor zahlreichen Häusern stehenden lustigen Figuren kann uns niemand erklären. Noch einige blühende Apfelplantagen, dann stehen wir vor der Einfahrt zum Castel Camping Le Combier bei Moyaux (170 km). Eine super gepflegte Anlage im Schlosspark unter Apfelbäumen mit kleinem Pool und typischem Taubenturm.
Zum Ausflug nach Etretat bringt der Bus uns zunächst an den Fuß der Pont de Normandie, die wir im Gänsemarsch zu Fuß überschreiten: 900 m Spannweite, 59 m über der Seine – bei herrlichem Wetter ein tolles Erlebnis. Auf der Ziegenfarm Le Valaine lernen wir nach kurzweiliger Demonstration am lebenden Objekt die erstaunlich vielfältigen Milchprodukte (einschl.Pralinen!) kennen. Nach einem opulenten Picknick bringt der Bus uns ans Tagesziel Étretat. Nur mühsam schleust der Ortspolizist den dichten Verkehr durch die engen Straßen des einstigen Fischerdorfes. Entspannung am Kieselstrand ist angesagt oder schweißtreibender Aufstieg zur steilen Kalkklippe mit phantastischem Blick über den Ort und auf die 70m hohe Nadel neben dem ins Meer ragenden Torbogen (wegen des Gegenlichtes leider nicht besonders fotogen).
Auf der Heimfahrt lernen wir noch die Pont de Tancarville, die dritte der mächtigen Seine-Brücken kennen. Auch die tief hängenden Wolken können uns den Besuch im malerischen Honfleur nicht vermiesen. Nach dem Aussichtspunkt mit der Kapelle Notre Dame von 1600 lassen wir uns im endlosen Touristenstrom durch das Sankt-Katharinen-Viertel mit seinen zahllosen Galerien treiben bis zur gleichnamigen Holzkirche aus dem 15.Jh. Rund um das alte Hafenbecken buhlen nahtlos aneinander gereihte Restaurants unter denkmalgeschützten Fassaden um Gäste.
Am Abend ziehen wir, in feinen Zwirn gehüllt, auf Einladung der Chefin zum Abendessen in das kleine gemütliche Schloss. Die bei Kerzenschein festlich gedeckte Tafel im holzgetäfelten Speiseraum – ein ganz besonderes Erlebnis, gekrönt durch den abschließend von „schlossherrlicher“ Hand persönlich servierten Calvados.
Zum morgendlichen Schnürlregen passt, dass der Busunternehmer die bestätigte Reservierung verpennt und wir sprichwörtlich im Regen stehen. Als safty-car führt Madame unsere Fahrgemeinschaften im Formel-1-Tempo eines Regenrennens über die Autobahn und zum Parkplatz-Suchspiel nach Rouen. – Die Führung in der gotischen Kathedrale fällt dem Termindruck zum Opfer. Aber nach dem wieder schmackhaften Mittagessen in uriger Umgebung finden wir noch Gelegenheit, mit/ohne Schirm durch die prachtvolle Altstadt zu bummeln – bis zum Alten Markt mit der modernen Kirche zum Gedenken an die Heilige Jean d’Arc, die hier 1431 auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Die Rückfahrt nehmen wir über den kleinen Ort Le Bec-Hellouin mit landestypischen Fachwerkhäusern und der in eine Parkanlage gebetteten Abbaye Notre-Dame du Bec. Nach Besichtigung der beeindruckend schlichten Kirche offeriert der Klosterladen mancherlei Geist- und Gaumenfreuden.
Den sonnigen Ruhetag nutzen wir als Putz- und Flickstunde, zum Faulenzen unter Apfelbäumen oder für einen Bummel durch das pittoreske Moyaux. – Die spontan arrangierte Besichtigung einer Calvados-Brennerei mit den obligatorischen Kostproben führt zu den üblichen reichlichen Einkäufen. Die Pflicht ruft, wir ziehen weiter nach Martragny/Bayeux (139 km). Erster Zwischenstopp an der Basilika von Lisieux mit den Reliquien der heiligen Therese.
Nur 10 km weiter, in St. Desir besuchen wir den ersten der insgesamt sechs deutschen Soldaten-Friedhöfe in der Normandie. Rote Sandsteinkreuze tragen die Namen von 3.735 Gefallenen. Unmittelbar daneben ein Commonwealth-Friedhof für 597 Soldaten. Die mittelalterliche Schlossruine Chateau de Crevecoer mit rekonstruierten Hofgebäuden gibt uns Gelegenheit, die Füße ein wenig zu vertreten.
Anschließend erwartet uns Beuvron-en-Auge, angeblich eines der schönsten Dörfer in Frankreich. Den Bummel zwischen blumengeschmückten Fachwerk-Fassaden beschließen wir mit einem Café Noir im Schatten der alten Markthalle (heute ein Sternerestaurant). Fachwerkhäuser, Apfelbäume und Kühe auf saftigen Weiden begleiten uns Richtung Orne-Mündung. Wir kommen in den Bereich der alliierten Landungsküsten. Auf den Wiesen beim Dorf Ranville landeten am 6. Juni 1944 um 0.05 Uhr die ersten britischen Fallschirmjäger im Rücken der deutschen Verteidigungslinien, zeitgleich bei Bénouville die ersten drei (von insgesamt 3.500) HORSALastensegler zur Eroberung der strategisch wichtigen Brücke über den Kanal von Caen. Das Pegasus-Museum erinnert an diese mitentscheidenden Ereignisse und zeigt neben einem nachgebauten HORSA-Glider auch die demontierte damalige Original-Straßenbrücke.
20 km weiter, bei Courseulles-sur-Mer plätschert das Meer friedlich gegen den breiten feinen Sandstrand. Eine Bunker-Ruine ragt schräg aus der Dünenkante. Nur schwer ist zu begreifen, dass genau hier im damaligen JUNO-Sektor Menschen an den Strand stürmten und durch Maschinengewehre anderer Menschen niedergemäht wurden. Nebenan markiert ein überdimensionales Lothringer Kreuz die Stelle, an der Churchill am 12., de Gaulle am 14. und König Georg VI am 16. Juni 1944 französischen Boden betraten.
Im plötzlich aufziehenden Seenebel tasten wir uns an der Küste entlang, später südwärts vorbei an Bayeux und zum Schloss-Camping Martragny - wieder eine gepflegte Anlage rund um das Herrenhaus aus dem 18.Jh. Im Morgennebel brechen wir auf nach Bayeux, um noch ungestört die weltberühmte „Tapisserie de Bayeux“ genießen zu können: ein 8o m langes und 50 cm breites Stoffband, das in 58 gestickten Bildern eindrucksvoll die Überfahrt und Eroberung Englands 1066 durch William the Conquerer schildert. Strahlender Sonnenschein begleitet uns anschließend beim Besuch der besonders schönen gotischen Kathedrale (11.Jh.) und während des Bummels durch die vom Krieg weitgehend verschont gebliebene und durch die Alliierten als erste befreite mittelalterliche Stadt. An vielen Fassaden wird durch Flaggen die bevorstehende Feier zum 65. Jahrestag des D-Day 1944 vorbereitet. 50 Seiten umfasst das offizielle Programmheft – einschl. Besuch des US-Präsidenten. Vor dem –mal wieder ausgezeichneten- Mittagessen besuchen wir in einem Park noch die Tafel mit dem Text, den General de Gaulles nach seiner Rückkehr 1944 von hier an das französische Volk gerichtet hat.
Heute feiern wir das Bergfest. Die Fahrtleitung hat herrliche Leckereien –in fester und in flüssiger Form- vorbereitet. Nach dem Besuch der Schlossherrin gibt’s noch mancherlei Ehrungen incl. einer hübsch gestalteten Urkunde für die „Brückenwanderer“. – Ein sehr gelungener Abend!
Am nächsten Morgen nehmen wir gern die Einladung der Schlossherrin zu einer kleinen Führung durch das Herrenhaus an - und erleben eine kurzweilige Demonstration ihres liebevoll eingerichteten privaten Refugiums. Das Küsten-Städtchen Arromanches hat bei den Landeoperationen eine ganz besondere für den Erfolg mitentscheidende Rolle gespielt: im aufwendig ausgestatteten Landungs-Museum demonstriert uns ein Führer ohne Ressentiments und in fast akzentfreiem deutsch anhand großer Modelle die unglaubliche strategische und technische Leistung, schwimmende Kaianlagen über den Kanal zu schleppen und innerhalb weniger Tage den zu seiner Zeit weltweit größten Hafen zu bauen, der monatelang für den gesamten Nachschub für die kämpfenden Truppen verantwortlich war – bei 7 m Tidehub! Als lebende Demonstration liegen noch heute einige der damaligen Beton-Schwimmkörper vor der Küste.
Die „Gegenseite“ erleben wir wenig später auf den Klippen mit weitem Blick über das Meer: vier in Beton gegossene deutsche 150 mm Batterien – verrostet, aber so, als seien sie gestern verlassen worden. …. und eine der erschütternden Folgen dieses kriegerischen Wahnsinns ist der größte deutsche Soldatenfriedhof im Friedenspark La Cambe. Allein hier ruhen 21.139 von insgesamt 77.960 in der Normandie gefallenen deutschen Soldaten. Mit einem Blumengruß gedenken wir der zig-tausend meist junger Menschen, die im II. Weltkrieg ihr Leben verloren.
Quer über die leicht hügelige normannische Halbinsel, vorbei an St.-Lo und Coutances kommen wir an die Westküste. Dabei begleiten uns streckenweise die auffälligen weißen Kilometersteine der „Voie de la Liberté“. Seit 1947 markieren sie den 1.446 km langen Weg, den der amerik. General Patton auf seinem Vormarsch von Sainte-Mere-Eglise nach Bastogne/Belgien genommen hat. Ab Granville wählen wir die schmale Küstenstraße und schlängeln uns im Pfingstverkehr durch hübsche teils enge Orte. Im flirrenden Dunst erscheint die typische Silhouette der Felseninsel des Mont Saint-Michel. Und bald nach Avranches erreichen wir unsere 6. Station Camping „Sous les Pommiers“. (154 km)
Frühes Kommen sichert freie Gassen. Zum Besuch des Klosterberges bringt der 8 Uhr-Linienbus uns in wenigen Minuten über den 1 km langen Damm, der wegen der drohenden Versandung demnächst in einer aufwendigen Baumaßnahme abgetragen werden soll. In der Morgensonne glänzt 157 m über uns auf der Kirchturmspitze der goldene Erzengel Michael - der vor 1.300 Jahren den Bischof von Avranches animierte, eine Kapelle auf der Felseninsel zu bauen.
Mit dem um diese Zeit noch überschaubaren Besucherstrom krabbeln wir zahllose steile Stufen aufwärts zur West-Terrasse. Als Belohnung winkt ein grandioser Blick über die im Augenblick trocken gefallene 500 km2 große Bucht. 18 km weicht das Wasser bei Ebbe zurück, bevor es nach 6 Stunden mit unglaublichen 25 km/h und einem Tidehub bis zu 15 m zurückkehrt. Von der Abteikirche führt die Reiseleiterin uns durch die schneckenförmig um den pyramidenartigen Granitfelsen gestaffelten Gebäude abwärts. „Unten“ sind die Gassen, Balkone und Parkplätze inzwischen prall gefüllt. Jährlich besuchen 31/2 Mio. Touristen den Felsen mit nur 31 ständigen Bewohnern. Für uns hält die Reiseleitung ein salzig/süßes Crepes-Essen in zünftiger Umgerbung bereit, natürlich mit dem dazugehörigen Cidre.
Der Busausflug in die Korsarenstadt St-Malo bringt uns schon ’mal kurz in die Bretagne. Nach geschichtlichem Exkurs geht’s im Gänsemarsch über die massige Ringmauer. Links die wieder aufgebaute, 1944 zu 80% verwüstete Stadt, rechts der weite Blick über das Meer mit seinen hier besonders starken Gezeitenströmen: 13,5 m beträgt der Tidehub. An das wieder hervorragende Mittagessen mit Meeresblick genießen wir noch eine kleine Stadtrundfahrt per Bimmelbahn und den obligatorischen shopping- Bummel.
Erster Zwischenstopp auf der Weiterfahrt ist das weltweit einzige Gezeiten-Kraftwerk, das mit seinem tief unten im Damm liegenden Turbinen die starke Ebbe- und Flut-Strömung nutzt. Bretonisches Fachwerk, kleine Wälder und weiße Kühe auf fetten Weiden begleiten uns quer über die Halbinsel ans nächste Ziel in Carnac (234 km).
Schon wieder erwartet uns eine „surprise“, diesmal in Form einer XXL-Pizza, frisch aus dem Ofen und schmackhaft.
Den nächsten Tag nutzen wir zum Streifzug durch die Welt der Menhire: 3.000 dieser bis heute rätselhaften Steine verteilen sich über ca. 400.000 m2 – die weltweit größte vor schätzungsweise 4.000 Jahren aufgestellte Ansammlung.
Die schmale Halbinsel Quiberon gibt sich im Westen felsig und rau, im Osten mit weißem Sandstrand. Der gleichnamige Ort an der Spitze lockt mit Badeleben vor einer kleinen Promenade. Wir lassen uns mal wieder süße Crepes/Cointreau und Cidre schmecken. In Locmariaquer besuchen wir noch den weltgrößten Menhir: 20,6 m lang, 280 to schwer, allerdings umgestoßen und in 3 Teile zerbrochen, vermutlich um Baumaterial für den daneben aufgerichteten Dolmen zu gewinnen. Wenig später endet die Straße an der Einfahrt zum 800 km2 Binnenmeer „Golfe du Morbihan“.
Auf der nächsten Etappe ostwärts erwartet uns das längste Teilstück, 338 km nach Spay/Le Mans. Dabei treffen wir streckenweise wieder auf die „Voie de la Liberté. Erster Halt ist der Friedhof in Guéhenno mit sehenswertem Kalvarienberg und Hahnsäule. Die Darstellung der Leidensgeschichte Christi stammt aus dem 15.Jh. – Parkprobleme für Gespanne gibt’s am Roche-aux-Fèes, dem 14 m langen, mit 40 to schweren Steinen bedeckten Steingrab. Noch eine Kaffeepause unter den charakterischen Arkadenhäusern in La Guerche, dann erreichen wir bald den kommunalen –nachts sehr lebhaften-Campingplatz in Spay.
Die Himmelsschleusen sind geschlossen, mit Kurs Ost starten wir zum 248 km-Teilstück via Le Mans und Orleans nach Melun. Im 17.000 ha großen Wald von Fontainebleau erleben wir den sonntäglichen Ausflugsverkehr der Pariser. Der Cpl.-Chef Luc lädt uns zur Käse-Degustation. Stolz präsentiert er in seiner Zunft-Uniform Kostproben des originalen „Le Brie de Melun“ mit dazugehörigem speziellen Bier und Wein. – Mit diesen und anderen Landesprodukten werden wir anschließend durch die Fahrtleitung reichlich beschenkt.
Nach 183 km, bei Ankunft am Etappenziel in Geraudot hat der Platzwart seine Anlage „wegen Krankheit geschlossen“. Dank Funk und Handy gelingt es unseren Hirten, sämtliche Schäfchen heil auf das nahe Ausweichquartier zu lotsen … und mit ad hoc gebackenen Waffeln à la Renate zu überraschen, einschl. Schluck. Schon wieder ’ne tolle Überraschung!
Auf dem letzten Teilstück (267 km) werden wir noch einmal drastisch mit den Folgen wahnsinniger Kriege konfrontiert: durch besondere Kilometersteine gekennzeichnet, führt die Voie sacré (Heilige Straße) von Bar le Duc nach Verdun. 1916 wurde über diese 55 km lange Piste der Nachschub an Menschen und Material nach Verdun transportiert – für hunderttausende der letzte Weg. Geschätzt 300.000 Menschenleben forderten die 10-monatigen Kämpfe auf beiden Seiten. 15.000 Kreuze stehen auf dem Gräberfeld von Douaumont, die sterblichen Überreste von vermutlich 130.000 nicht identifizierten Toten liegen in 46 Kammern des 1932 eingeweihten Beinhauses mit seinem 46 m hohen Glockenturm.
Nach total 2.338 Wohnwagen-Kilometern passieren wir die Einfahrt zum Camping Kockelscheuer Luxembourg.
Ein schmackhaftes Abendessen und Kostproben aus der Region, insbesondere süffiger Wein bis zum Abwinken, umrahmen den traditionell gelungenen Abschlussabend, garniert durch ein fleißiges Musik-Duo, mancherlei lustige Spielchen, Preisverleihungen und –unverzichtbar- die berühmte Heiermann- Tanzeinlage.
Am letzten Morgen noch ein opulentes gemeinsames Frühstück, und dann heißt es „auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal“.
…. übrigens: nur 20 km Luftlinie entfernt im Länderdreieck Luxemburg-Frankreich-Deutschland liegt das Weindorf Schengen. Dort wurde 1985 auf einem Moselschiff das sog. „Schengener Abkommen“ unterzeichnet - Synonym für unsere schrankenlosen Campingreisen kreuz und quer durch Europa. © Klaus Obruzeit 


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