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|  Fotos: Brigitte und Gerhard Schmid
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254. DCC Gemeinschaftsfahrt „Sizilien“
Vom 20. April bis 18. Mai 2009
Fahrtleitung: Richard Barnett und Hannelore Garbers
19. April 2009
Wir beginnen die Anfahrt nach Leifers, dem Treffpunkt unserer Sizilienreise, schon heute gegen 10.30 Uhr und wol-len nach einer gemütlichen Anreise morgen dort eintreffen. Heute ist mein Geburtstag und da genieße ich es, mich ganz entspannt über die Alpen kutschieren zu lassen! Das Wetter ist schön, unterwegs können wir die verschiedens-ten Stufen des Frühlings bewundern – schon Bäume mit Blüten und Blättern im Allgäu, Restwinter auf dem Fernpass (auf den Bergen liegt noch ganz viel Schnee), im Inntal weht wieder ein laues Lüftchen und bunte Blumen verspre-chen den Frühling. Dann kommen wir auf den Reschenpass und dort ist der Reschensee zum Teil noch zugefroren! Im Vinschgau fahren wir durch die riesigen Apfelplantagen und je tiefer wir kommen, desto mehr blühen sie. Kurz vor Meran sind die Hänge links und rechts der Straße ein rosa Blütenmeer. Da in unserer Reiserichtung kaum Verkehr ist, kommen wir so flott voran, dass wir schon gegen 17.30 Uhr und nicht erst am nächsten Tag auf dem Campingplatz Steiner in Leifers eintrudeln. Etliche Teilnehmer der Sizilienreise sind auch schon auf dem Platz und haben sich eingerichtet. Von Richard und Hannelore, mit denen wir nun schon das dritte Mal reisen, werden wir herzlich begrüßt. Den Abend verbringen wir gemeinsam mit den bereits anwesenden Mitreisenden im Restaurant und so kann man sich schon ein wenig bekannt machen. Die Vorfreude auf die Reise ist groß und wir sind gespannt, was wir alles erle-ben werden!
1. Tag – Montag, den 20. April 2009
Nachdem wir gut ausgeschlafen und gefrühstückt haben, machen wir einen kleinen Bummel durch Leifers. Leider gibt es dort nur eine Hauptstraße, durch die sich der gesamte Verkehr zwängt, so dass wir unseren Ausflug ziemlich schnell beenden und den Rest des Tages bis 17.30 Uhr, dem offiziellen Beginn der Reise, lieber mit Faulenzen verbringen. Das Wetter ist heiter bis wolkig, Richard geht mit seiner Leiter von einem Fahrzeug zum Anderen und klebt „dunkel-grüne Punkte“ auf denen eine Nummer und das Ziel unserer Reise aufgedruckt sind. Hannelore verteilt bunte Wimpel und ich befestige unseren am Schlafzimmerfenster neben den zwei anderen von der Baltikum- und Skandinavienreise. Jeder bekommt eine Holzwäscheklammer mit seinem Namen, die von nun an gut sichtbar angeklammert werden soll! Um 17.30 Uhr findet die offizielle Begrüßung durch Richard und Hannelore im Campingplatzrestaurant statt. Richard erklärt einige wichtige Dinge zum Ablauf der Reise, verteilt eine Liste mit der Gruppeneinteilung und die Fährtickets werden ausgegeben. Nach so viel geistiger Nahrung wird nun auch die für den Magen serviert: Hirtenmakkaroni, Salat vom Büfett, Puten-schnitzel mit Champignons und Reis und als krönender Abschluss „Heiße Liebe“ (Vanilleeis mit heißen Himbeeren). Der Anfang unserer Reise ist schon einmal gut gelungen und so setzen sich danach die einzelnen Gruppen noch zu-sammen, um sich ein wenig zu „beschnuppern“. Nach einer Plauderrunde, bei der wir uns allerdings nicht auf einen „Gruppenführer“ einigen können, denke ich, dass es passen wird – der Norden wird sich gut mit dem Süden und der Mitte Deutschlands ergänzen.
2. Tag – Dienstag, den 21. April 2009
Start für unsere Gruppe – die Nr. 2 – ist 10.15 Uhr. Heinz fährt heute als Erster, alle anderen brav hinterher. Bei Trento geht es auf die Autobahn. Das Wetter ist ganz ordentlich, heiter bis wolkig, und wir kommen gut voran. In Mantua fahren wir von der Autobahn ab, danach auf etwas holpriger Straße an Sabbioneta vorbei (eine Besichti-gung scheitert, da wir keinen brauchbaren Parkplatz finden) bis Parma. In den kleinen Orten, die wir passieren, fallen mir die schönen, alten Friedhöfe auf. Dort steht ein Mausoleum neben dem anderen, viele sind richtig groß und schön gestaltet. Dort haben die Toten vielleicht sogar mehr Platz als zu Lebzeiten. Wir überqueren den Po, der breit, braun und träge unter uns fließt, und fahren vor Parma durch die Zahlstelle auf die A 1. Leider nicht durch den richtigen Schalter, Klaus und Marianne sind vor uns im Tele-Pass Schalter, bekommen natürlich kein Ticket und wir müssen auch durch (hinter uns steht schon ein italienischer LKW-Fahrer, der uns mit nicht gerade feinen Ausdrücken beschimpft!). Klaus fährt weiter und Gerd kommt auf die Idee auszusteigen, zum Au-tomaten zu laufen und ein Ticket zu ziehen. Nun sind wir gespannt, ob damit alles in Ordnung ist. Die A 15, auf die wir nach einigen Kilometern wechseln, führt uns durch eine bergige Landschaft mit dem breiten Flusslauf des Taros. Auf Passhöhe verhüllen sich die Berge in Nebelwolken, es regnet und ist kalt. Trotzdem ma-chen wir eine Kaffeepause und gestärkt geht es weiter an Pisa vorbei (in der Ferne können wir den berühmten „Schiefen Turm“ sehen) bis zur Mautstelle in Livorno. Hier gibt es keine Probleme – Klaus wird schon „erwartet“ und muss nur die normale Gebühr zahlen und wir haben ja ein Ticket, das wir zum Zahlen hineinreichen können. Gegen 19.10 Uhr erreichen wir den Fährhafen. Dort gibt es eine Hafenkneipe, in der wir unseren Hunger mit Spagetti - Bolognese stillen, ein gutes Glas Rotwein bekommen und bis zur Einschiffung gegen 22 Uhr zusammensitzen. Alle Wohnmobile dürfen „Camping an Bord“ machen und bekommen Strom, den Wohnwagenfahrern wird dies verwehrt, obwohl es eigentlich für alle bestellt war. Trotz aller „Überredungsversuche“ von Hannelore lässt sich der „Verladechef“ nicht erweichen, die Wohnwagenfahrer müssen zum Übernachten in eine Kabine – basta! Eigentlich möchten wir das Auslaufen des Schiffes miterleben, aber nachdem es um 1 Uhr immer noch am Kai ver-täut ist (planmäßige Abfahrt 23.59 Uhr) gehen wir doch lieber ins Bett und verschlafen die ersten Stunden auf See.
3. Tag – Mittwoch, den 22. April 2009
Die See ist wohl ganz ruhig, wir schlafen jedenfalls sehr gut und wachen erst kurz vor 9 Uhr auf. Da wir Frühstücks-gäste erwarten (Kurt und Edelgard) müssen wir uns beeilen, um mit der Morgentoilette und den Frühstücksvorberei-tungen fertig zu werden. Wir denken jedoch nicht daran, dass die „Kabinenschläfer“ keinen Türöffner für unser Deck haben, aber irgendwie gelingt es nach und nach allen „Asylanten“, sich Zugang zu verschaffen, so dass niemand den Tag ohne Frühstück beginnen muss. Danach machen wir einen kleinen Rundgang auf dem Schiff. Obwohl das Wetter schön ist, steht auf dem Sonnendeck nicht ein einziger Stuhl. Und das Personal ist zudem auch nicht besonders freundlich, so dass wir uns bald wieder in unser Wohnmobil zurückziehen. Gegen 14 Uhr nimmt der Seegang zu und es beginnt etwas heftiger zu schaukeln. Gerade richtig für ein Mittagsschläfchen, also aufs Ohr legen – und zwar auf das rechte. Das hilft gegen Seekrankheit, die meinen Mann schon einige Male erwischt hat. Seit dem Ablegen in Livorno hat er um beide Handgelenke ein Akupressurband und das hilft ihm diesmal tatsächlich! Nach 2 Stunden wird es wieder ruhiger, wir gönnen uns einen Tee und Gebäck, gehen danach noch einmal aufs Deck und sehen im Hintergrund schon die Bergketten von Sizilien, verhüllt in tief hängende, dunkle Wolken.
Um 18. 15 Uhr legen wir im Hafen von Palermo an, fahren von Bord und in ein Verkehrschaos hinein, das wohl nie-mand außer Richard und Hannelore so erwartet hat! Dazu schüttet es wie aus Kübeln, es ist wie in einem schlechten Film. Links, rechts, dazwischen, davor, einfach von überall her drängen sich die Autos hupend durch die Straßen. Rollerfahrer flitzen dazwischen herum, Ampeln werden nicht beachtet oder sind gar nicht erst in Betrieb. Und wir fahren mittendrin mit, wohin wissen wir nach einiger Zeit nicht mehr so genau. Ist das die Rushhour in Palermo? Nein, es soll immer so sein. Unser Navi spinnt, zeigt uns jedoch wenigstens, auf welcher Straße wir fahren und so können wir uns nach ein paar falschen Runden wieder einloten und sehen plötzlich ein Verkehrsschild zur A 29 nach Trapani! Puh, geschafft! Wir lassen das Getümmel hinter uns und finden schließlich auch den Campingplatz auf der Isola delle Femmine, direkt am Meer. Gegen 20.30 Uhr trudeln wir ein, glücklich, die-sem Verkehrsinferno entronnen zu sein. Auch der Regen lässt langsam nach und morgen soll es schon wieder besseres Wetter geben!
4. Tag – Donnerstag, den 23. April 2009
Beim Aufwachen sehe ich durch das Dachfenster in einen blitzblauen Himmel, ein paar Zweige vom Olivenbaum wiegen sich davor im leichten Morgenwind. Ja, so stelle ich mir Sizilien vor und das Aufstehen macht richtig Spaß. Um 9 Uhr holt uns ein Bus zu unserem ersten Ausflug nach Monreale ab. Es ist gar nicht weit, aber wir müssen wie-der durch Palermo fahren. Dort herrscht das gleiche Verkehrschaos wie gestern, nur das Wetter ist besser und wir sitzen im Bus und lassen uns fahren, ganz stressfrei und zurückgelehnt. Monreale schmiegt sich auf 300 m Höhe an einen Berg. Als erstes besichtigen wir mit unserer Reiseleiterin den Normannendom, die größte Kirche in Sizilien.
6.300 qm goldunterlegte Mosaiken schmücken die Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert und stellen die Geschichten aus dem alten und neuen Testament dar. Danach besuchen wir den Kreuzgang des ehemaligen Benediktinerklosters. Er wird von 228 paarweise angeordne-ten Säulen getragen, von denen keine einer anderen gleicht!
Am Rande des Städtchens blicken wir von einer „Terrasse“ auf die Stadt und den Golf von Palermo hinunter, lang-sam kommt so richtige Urlaubsstimmung auf.
Es bleibt noch eine Stunde Zeit um durch die kleine Stadt zu bummeln, zu schauen, ein Eis zu essen, einen Cappuc-cino zu trinken und etwas einzukaufen. Dann bringt uns der Bus wieder zum Camping-platz zurück. Nun wird es schnell gemütlich! Unter Olivenbäumen stehen bald etliche Tische und Stühle, Kaffee wird gekocht, Gebäck serviert und wir setzen uns zusammen und stoßen auf Waltrauds Geburtstag an.
Schon im Bus haben wir ihr ein Ständchen gesungen, nun gibt es noch eine kleine Feier. Es ist so gemütlich, dass die Runde auch noch bei Dunkelheit im Kerzenschein zusammen sitzt. Den Rotwein gibt es aus Sprudelflaschen (der Wirt vom kleinen Laden auf dem Platz verkauft ihn aus dem Fass), jeder hat sich etwas zum Essen besorgt (Pizza aus der Schachtel) und Sigrid spendiert kleine Brote mit Schinken und Käse. Zwischendurch habe ich probiert, im Sanitärgebäude warm zu duschen. Da ich meine Duschmarke aber in den fal-schen Schlitz gesteckt habe, kam und kam kein warmes Wasser. Die Duschkabinen sind halb im Freien (Außentem-peratur 15 Grad) und es war nicht besonders angenehm! Obwohl ich mein Missgeschick zur Warnung bekannt ge-macht habe, sind noch einige andere genauso dämlich wie ich gewesen und mussten auch alle ohne warmes Was-ser auskommen. Ja, das war nun unser erster Tag auf Sizilien, morgen wagen wir uns wieder nach Palermo hinein (aber mit dem Bus!)
5. Tag – Freitag, den 24. April 2009
Lag es etwa am guten Rotwein vom Fass, der gestern Abend reichlich geflossen ist oder an den kühlen Temperatu-ren von heute morgen (12 Grad), dass jemand zum Duschen die Unterhose anbehalten hat (ein Name wird hier nicht genannt!)? Aber um 9 Uhr sind alle startklar und warten auf den Bus, der uns in die Stadt bringen soll. Die Sonne scheint, es wird langsam wärmer, und unser Bus kommt erst nach 30 Minuten Wartezeit. Er stand im Stau (ja, was auch sonst?), aber danach klappt alles wie am Schnürchen. Als erstes führt uns Conchetta – unsere Guide in Palermo – in den Palazzo dei Normanni, in dem das Parlament sei-nen Sitz hat. Leider ist heute dort eine Sitzung und der Einlass noch schleppender als sonst. Nach einer halben Stunde Wartezeit auf den Stufen einer Treppe dürfen wir eintreten.
Die größte Kostbarkeit ist hier die Capella Palatina aus dem 12. JH, die über und über mit Goldmosaiken ge-schmückt ist. Weiter geht es durch die Altstadt zur Kirche San Giovanni degli Eremiti, in der man auch heute noch einzelne Bautei-le von ehemaligen Moscheen sehen kann. Auch hier bewundern wir prächtige Mosaiken und Gemälde, ein kleiner Teil stammt noch aus arabischer Zeit.
Nach einer „Cappuccinopause“ bringt uns der Bus zur Kathedrale, ein riesengroßes Kirchenschiff auf einen schönen, großen Platz. Dort werden die Sarkophage der Staufenkaiser Roger II, Heinrich VI und Friedrich III aufbewahrt. Alle haben ihren Anteil an Siziliens Geschichte gehabt und Conchetta weis und erzählt uns sehr viel. Irgendwann muss ich meinen „Knopf im Ohr“ ausschalten, in meinem Kopf summt und brummt es vor lauter Zahlen und Geschichten, es geht nichts mehr hinein.
Ein kleiner Spaziergang führt uns über den arabischen Markt. Das ist wieder etwas für die Sinne, das Obst leuchtet in allen Farben, die Gewürze duften herrlich, es gibt Nüsse, Gemüse, Fleisch, Käse und Fisch zu kaufen. Alles sieht sehr appetitlich aus und fast jeder kauft irgendetwas Lecke-res ein.
Wir kommen zum Platz am Teatro Massimo, dem Opernhaus von Palermo, das vor 10 Jahren aufwendig renoviert wurde und nun wieder zu den führenden Musiktheatern Europas zählt. Nun dürfen wir ausschwärmen und unseren Hunger und Durst stillen. Wir landen in einer kleinen „Fressgasse“, in der sich viele kleine Lokale hintereinander reihen. Leider erwischen wir nicht das Beste, der gemischte Salat ist mickrig aber teuer, mein bestelltes Schnitzel wird erst serviert, als wir schon zahlen wollen und gehen müssen. Motorroller zwängen sich durch die enge Gasse und die Tische hindurch, aber das ist wohl auf Sizilien normal und wir erleben es noch viele Male.
Nun wollen wir noch auf den Monte Pellegrino hinauf. Auf schmaler Serpentinstraße geht es mit dem Bus auf das „schönste Vorgebirge der Welt“ (nach Goethes Meinung vor vielen Jahren). Es ist wirklich sehr hübsch und die Aussicht auf Palermo und die Bucht ist grandios. Ganz oben ist Rosalia (die Schutzpatronin von Palermo) als Standbild in einer Felsengrotte zu besichtigen. Sie ist ganz in blaues Licht gehüllt und ruht noch einmal als lebensgroßes Mädchen aus Marmor in einem gläsernen Schrein, umgeben von funkelnden Steinen.
Bei der Abfahrt nach Mondello, dem mondänen Badeort von Palermo, in dem alle Reichen ein Ferienhaus besitzen, haben wir nochmals einen herrlichen Blick auf den Ort, das türkisfarbene oder dunkelblaue Meer, den schönen Sandstrand und die erste Badeanstalt Siziliens, ein auf Stelzen gebautes Jungendstilgebäude, das wunderschön renoviert ist und ein Nobelrestaurant beherbergt. Gegen 17.30 Uhr sind wir zurück auf dem Campingplatz, ziemlich „erschlagen“ von der Fülle der schönen Gebäude. Aber während unserer Fahrt konnten wir auch das andere Palermo sehen – verfallene Ruinen aus dem 2. Weltkrieg, restaurierungs- und renovierungsbedürftige Häuser mit bröckelnden Fassaden und absturzgefährdeten Balkonen, eine Menge Schmutz und Dreck.
Aber morgen ist ein Ruhetag vorgesehen, da können wir unseren Akku wieder aufladen!
6. Tag – Samstag, den 25. April 2009
Heute darf sich jeder „selbst beschäftigen“. Es ist Feiertag auf Sizilien, so dass in Palermo alle Läden geschlossen sind und ein Einkaufsbummel nicht infrage kommt. Das schont wenigstens den Geldbeutel! Der Strand direkt am Campingplatz ist felsig und nicht besonders attraktiv, man muss schon etliche hundert Meter bis zum nächsten Ort laufen, um einen Sandstrand zu finden. Da die Sonne aber aus einem wolkenlosen blauen Himmel scheint und die Temperatur bis zum Nachmittag auf 27 Grad steigt, nehmen doch einige Mutige ein Bad im kühlen Meer. Bei mir ist jedoch nach einem langen, späten Frühstück „Liegestuhlliegen und Lesen“ im Schatten der alten Olivenbäume angesagt. Am Nachmittag entsteht ein Boulewettbewerb, „verbissen“ wird um jeden Zentimeter gekämpft. Gegen 19 Uhr treffen sich alle bei Uli, der seinen Grill angefeuert hat. Jeder bringt Stühle, Tisch, Grillgut, Getränke und Salat mit, in so einer lockeren Atmosphäre lernt man sich schnell besser kennen. Zum Sonnenuntergang traben einige zum Strand. Die Sonne versinkt spektakulär in einer Wolkenbank über dem goldglänzenden Meer, die schroffen Felsenberge am Horizont umrahmen eindrucksvoll die Szene. Die letzten Strah-len beleuchten hellgolden kleine gezupfte Wölkchen am Himmel. Das ist wirklich ein schönes Bild zum Abschluss unseres ersten Ruhetages!
7. Tag – Sonntag, den 26. April 2009
Um 9 Uhr fahren wir heute als erste Gruppe los. Auf der Autostrada A 29 in Richtung Segesta geht es vorbei an klei-nen Orten zwischen Meer und Straße, die viel hübscher und gepflegter sind als das bisher Gesehene. Die Häuser sind umgeben von Büschen, Bäumen und Palmen, die Namen klingen wie Urlaub – Carini, Terrasini .............. Wir fahren entlang der Küste, links eine felsige Gebirgskette und rechts der zart türkisblaue Golfo die Castellamare mit kleinen sandigen Buchten. Im Landesinneren wird es noch grüner, Olivenhaine, Weingärten und Zitronenplantagen säumen unseren Weg. Im-mer wieder überqueren wir riesige, lange Brücken mit fantastischen Ausblicken, am Straßenrand blühen große gelbe Mimosensträucher. Nach etwa einer Stunde Fahrt kommen wir in Segesta an. Auf einem Hügel thront ein mächtiger, griechischer Tem-pel aus dem 5. JH v. Chr., der die Jahrhunderte ziemlich gut überstanden hat. Aber erst einmal brauchen wir einen Parkplatz für unsere Fahrzeuge. Heute ist Sonntag und auch noch ein Tag, an dem die Besichtigung der Anlage keinen Eintritt kostet, so dass sehr viele Einheimische diese Gelegenheit nutzen. Es ist ein ziemlich chaotisches Durcheinander. Busse, Autos, Wohnwagen und - mobile stehen ohne ersichtliches System kreuz und quer herum, aber irgendwie bringen wir die Autos auch noch unter. Danach bringt uns ein Shuttlebus auf einen kleinen Höhenzug, dort gibt es einige restaurierte Teile der ehemaligen Siedlung und ein großes Anfiteatro aus dem 3. JH v. Chr. zu besichtigen. Der Rundblick von hier oben ist fantastisch und reicht bis zum Golf von Castellamare!
Es geht zurück zum Parkplatz, und von dort führt ein Fußweg auf den Tempelhügel hinauf. Dieser herrliche Bau ist vermutlich nie ein Heiligtum der Griechen gewesen und wurde nie zu Ende gebaut. Er ist mit seiner Länge von 61 m und den 36 riesigen Säulen auch heute noch sehr eindrucksvoll.
Die Zeit reicht noch für einen „schnellen“ Cappuccino und ein Gebäck, dann räumen wir den Parkplatz für die nächsten Besucher. Weiter geht es auf der Autobahn nach Selinunte. Der Campingplatz dort hat eigentlich nur “Abstellplätze“ für uns pa-rat, aufgereiht stehen wir dicht nebeneinander, dazwischen nur ein paar Olivenbäume. Die Zweige wedeln in die Eingangstür herein und ich muss mich erst einmal gärtnerisch betätigen.
Etwas später bringt uns ein kleines, buntes Bähnchen durch den Ort zum Eingang der Ausgrabungsstätte, dem Tempelfeld. Das Gelände ist riesengroß und wir steigen um in Elektrokarren, die uns zu einem in den 50er Jahren wieder aufgebauten Tempel bringen. Hier beginnt unsere Führung durch Europas ausgedehntesten archäologischen Park. Der Himmel ist in-zwischen bewölkt, vom Meer her bläst ein kalter, stürmischer Wind. Die Guide erzählt sehr gut von der Entstehung der Siedlung, wir stehen und lauschen, aber mir wird immer kälter. Leider bin ich vollkommen verkehrt angezogen (Sandalen, keine Socken, nur eine dünne Strickjacke) und wie mir geht es noch etlichen anderen aus der Gruppe. Es verstecken sich immer mehr hinter großen Steinen, um etwas Schutz vor dem kalten Wind zu haben.
Wir schauen uns den Tempel an, durch dessen imposante Säulen man einen Blick auf das aufgewühlte Meer werfen kann. Endlich geht es weiter durch eine Trümmerlandschaft, in der sich riesige Steinblöcke auftürmen. Während eines starken Erdbebens sind sie vor hunderten von Jahren übereinander auf die Erde gestürzt. Sie wirken besonders imposant, als wir zwischen die Brocken steigen (zum Umfassen einer Säule werden acht Frauen benötigt – wir haben es ausprobiert!). Ganz klein und unwichtig fühle ich mich zwischen diesen mächtigen Zeugen der Geschichte!
Über die ehemalige Prachtstraße gehen wir auf einen anderen Tempel zu. Auch hier können wir noch etliche Hinter-lassenschaften der ehemaligen Bewohner bewundern, z. B. eine Sitzbadewanne, eine Olivenöl- und eine Weinpres-se sowie viele andere Dinge.
Die Elektrokarren bringen uns zum Ausgangspunkt zurück. Dort erwartet uns schon der bunte Zug, um uns zum Campingplatz zurückzubringen. Mein einziger Wunsch wäre jetzt ein heißer Kaffee, Tee oder Kakao, aber das „Züg-le“ macht erst noch eine Rundfahrt durch den Badeort Marinella! Die Fensterläden an den Häusern, die Türen zu den Restaurants und Cafes sind geschlossen, die Saison hat noch nicht begonnen. Endlich sind wir zurück und können uns in unserem „Zuhause“ aufwärmen. Am Abend findet unser erstes gemeinsames Essen im Campingplatzrestaurant statt. Hier ist es warm und gemütlich, die Muscheln auf Reis als Vorspeise sind lecker, der Schwertfisch mit Salat vorzüglich und die Erdbeeren mit Zitro-neneis als Nachtisch ebenfalls. Dazu schmeckt uns der trockene Weißwein und die Musikzugabe von den Nachbarti-schen. Mandolinen, Gitarren und ein Sänger, der richtig gut einige Klassiker zum Besten gibt und dafür viel Beifall einheimst, runden diesen erlebnisreichen Tag und gelungenen Abend wirklich schön ab!
8. Tag – Montag, den 27. April 2009
Der Wind ist noch stärker geworden, er bläst wohl heute aus Afrika. Um 10 Uhr ist es schon 22,5 Grad warm. Wir sind heute als letzte Gruppe dran, es geht erst um 10.45 Uhr los und unsere Wohnwagenfahrer haben starke Beden-ken, bei diesem Sturm über die vielen Brücken zu fahren. Deshalb fahren wir entsprechend langsam und die Sizilia-ner überholen uns laufend – trotz Überholverbot und durchgezogener weißer Linie. Es wird wohl so sein, wie Richard schon mehrmals gesagt hat: die Verkehrsschilder dienen auf Sizilien nur zur Dekoration der Landschaft! Nach Sciacca verläuft die Straße dicht am Meer entlang, mächtige, mit weißem Schaum gekrönte Wellen rauschen an den Strand. Am Straßenrand blühen bunte Blumen in den schönsten Farben – gelb, lila, weiß und tiefdunkelrot. Orangen- und Zitronenbaumplantagen so weit das Auge reicht! Selbst im Auto duftet es berauschend nach den Blü-ten! Links der Straße bei Siculiana sehen wir einen großen Friedhof, der auf den ersten Blick wie eine Reihenhaussied-lung aussieht. Mausoleum reiht sich an Mausoleum, weiß und prächtig verziert. Gegen Mittag ist unser heutiges Ziel erreicht, der Campingplatz in San Leone. Da wir als letzte ankommen ist die Stellplatzauswahl nicht mehr allzu groß. Zu unseren Nachbarn zur Rechten ist ge-rade soviel Platz, dass Dieter seine Markise teilweise ausfahren kann, vor uns ein großer blühender Mimosenbusch, links von uns das Sanitärgebäude. Hier werden wir ein paar Tage bleiben, wir werden das Beste daraus machen. Unsere Siesta wird „gestört“, bei Karin und Martin hat die Wasserpumpe schlapp gemacht, kompetente Handwerker werden gesucht. Mit vereinten Kräften beheben Eugen, Kurt und Gerhard den Schaden – frei nach dem Motto „die Axt im Haus erspart den Zimmermann“! Am Nachmittag spazieren wir durch den Ort zum Meer. Im Hafen liegen viele kleine Boote gut vertäut, denn immer noch stürzen gewaltige Brecher an die Ufer und auf die Felsen. Vom angekündigten langen, schönen Sandstrand sehen wir heute erstmal nichts. Eine breite Promenade zieht sich am Meer entlang, bepflanzt mit Palmen, Sträuchern und Blumen, die allerdings vom Winter, der auch auf Sizilien in diesem Jahr sehr lang und kalt gewesen ist, noch ziemlich mitgenommen aussehen. Die meisten Läden und Restaurants sind auch hier noch nicht eröffnet und da es anfängt zu nieseln, beeilen wir uns, zum Campingplatz zurückzukommen.
9. Tag – Dienstag, den 28. April 2009
Unser heutiger Ausflug führt uns in das „Tal der Tempel – Valle dei Templi“. Der Linienbus bringt uns in wenigen Mi-nuten zum Eingang des Ausgrabungsgeländes, das unterhalb der Stadt Agrigento liegt. Von der einstmals stolzen griechischen Stadt Akagras sind heute wieder einige Tempel zu sehen, die alle neu aufge-baut wurden. Allein der Concordia-Tempel, der im Mittelalter als frühchristliche Kirche genutzt wurde, überstand die Jahrtausende und zählt zu den am besten erhaltenen Tempeln der gesamten antiken Welt. 34 dorische Säulen tragen noch vollständige Giebel und Gebälk. Wir schauen uns auch den Herakles-Tempel an, der im 19. JH von einem wohlhabenden Engländer z. T. wieder-errichtet wurde. Er starb wenig später völlig verarmt und ohne Dank in Agrigento. Im Park steht jetzt allerdings ein Denkmal vor seinem ehemaligen Wohnhaus. Sehr interessant ist die Stadtmauer, die die gesamte Siedlung umgeben hat und nun noch teilweise zu sehen ist. In späteren Jahrzehnten wurden Nischen hineingeschlagen und als Begräbnisstätten genutzt. Es gab aber auch noch einen anderen Friedhof, auf dem die Gräber Platz sparend übereinander angelegt worden sind. Unsere Guide erzählt uns die ganze Geschichte von Zeus, Castor, Pollux, Hera und den anderen Göttern, die Ge-schichte von der Entstehung und dem Zerfall dieser Stadt. Aber sie zeigt uns auch die Vegetation und erklärt Bäume und Pflanzen.
Da die ganze Siedlung auf einen lang gestreckten Höhenzug gebaut war, hat man von fast allen Stellen einen schö-nen Ausblick auf die Umgebung. Hinter dem Badeort San Leone ist das türkisblaue Meer zu sehen, das heute wieder friedlich im Sonnenschein glitzert. Oberhalb von dem Tempelgelände erhebt sich Agrigento auf der Spitze eines Hü-gels, es scheint nur aus Hochhäusern zu bestehen.
Den Nachmittag kann nun jeder selbst gestalten – entweder noch das Museum besuchen, sich die Altstadt von Agrigento anschauen oder mit dem Bus zum Platz zurückfahren. Wir entscheiden uns, den Besuch der Altstadt auf morgen zu verschieben und nutzen das schöne Wetter zum Faulenzen!
10. Tag – Mittwoch, den 29. April 2009
Inge aus Langeoog hat Geburtstag und alle bringen ihr ein Ständchen! Sie bedankt sich mit Rotwein und Gebäck bei uns, so dass es ganz beschwingt weiter gehen kann. Mit dem Staubsauger wird „Hausputz“ gemacht, die Mimosenbäume stäuben alles gelb ein. Aber unser „Haus“ ist klein und wir sind ganz schnell damit fertig. Das Wetter ist schön sonnig, 23 Grad zeigt das Thermometer, wir steigen in den überaus klapprigen Linienbus Nr. 2 und fahren nach Agrigento hinauf. Einen Busbahnhof gibt es hier z. Zt. nicht, alles ist ei-ne große Baustelle. Irgendwo wird gehalten und wir steigen aus. Auf der Via Atenea, der Hauptstraße von der Altstadt, steigen wir immer höher, vorbei an vielen kleinen Boutiquen mit sehr hübschen Sachen, kleinen Lokalen mit wenigen Tischen auf der Straße und Häusern mit z. T. sehr schönem Fassadenschmuck, Torbögen und Innenhöfen. Leider ist das Meiste in einem sehr schlechten baulichen Zustand, viel ist total zerfallen.
An höchster Stelle der Stadt steht der Dom, in dem man durch einen gläsernen Boden auf interessante Ausgrabungen blicken kann. Als ich nur noch ein paar Meter davor bin, wird das Licht ausgemacht, der „Küster“ ruft „chiuso“ und fordert uns ziemlich unwirsch auf, die Kirche zu verlassen. Na, dann eben nicht!
Irgendwie finden wir die Abfahrstelle der Linie 2 wieder und die eigentlich kurze Fahrt zum Campingplatz dauert nun doch 45 Minuten, da es einen Unfall mit einem Roller gegeben hat und die Polizisten alles in Ruhe aufnehmen müs-sen. Basta!
11. Tag – Donnerstag, den 30. April 2009
Durch eine frühlingsfrische, hellgrüne Landschaft bringt uns der Reisebus heute als erstes nach Enna. Sanfte Hügel, die sich faltenförmig auftürmen, werden hin und wieder von einer bizarren Felsspitze gekrönt. Dazwischen Wiesen mit gelben Margariten, rotem Mohn, lila, pink und blauen Blumen, der Frühling auf Sizilien zeigt sich in seiner ganzen Pracht. Etwas weiter wechseln sich Oliven- und Mandelbaumhaine mit kleinen Eukalyptuswäldchen ab, Schafe und Kühe weiden auf den Wiesen. Saftig grüne Weizenfelder überziehen die Hügel. Aus dem Weizen wird nach der Ernte der bekannte. gute Hartweizengrieß gemacht, den man für die Pasta braucht! Die Häuser sind von Weingärten umgeben, in denen sicher auch manch guter Tropfen entsteht. Noch 4 Wochen, dann ist der Frühling vorbei und die ganze Pracht wird gelb und trocken sein. Hoch oben, 1.000 m ü. M., sehen wir Enna liegen, der Bus schleicht auf enger Serpentinstraße den Berg hinauf. Hier erwartet uns Guiseppa, die uns heute betreut. Als erstes gehen wir zum Dom, der von außen eher unscheinbar ist, im Inneren aber mit Gemälden und Kunstwerken aus allen Epochen geschmückt ist. Der Ort wird von einem Castello mit 6 erhaltenen Türmen gekrönt. Auf einen können wir hinauf und die Mühe, die 90 ausgetretenen Stufen hinaufzusteigen, wird von einem fantastischen Rundblick belohnt. Enna liegt im Zentrum Siziliens und in alle Himmelsrichtungen kann man weit über das Land in die Ferne schauen. Im Nordosten ist der Ätna zu sehen, die obere Hälfte mit Schnee bedeckt und die Spitze in Wolken gehüllt. Ich bin ganz beeindruckt, so riesengroß und majestätisch habe ich ihn mir nicht vorgestellt!
Der Busfahrer bringt uns wieder souverän über die Serpentinen hinunter und weiter nach Piazza Armerina, wo wir die Villa Romana besichtigen werden. Sie liegt in einem Tal und ist zum Weltkulturerbe ernannt worden. Erst 1929 wurde der Landsitz aus dem 3./4. JH n. Chr. wiederentdeckt: 3.500 qm Fußbodenmosaiken, verteilt auf Wohn-, Schlaf- u. Esszimmer, Bäder und Flure, erwarten uns! Die Archäologen sind sich nicht einig, wer diese Villa einst erbaut hat, egal – die Überreste sind einfach begeisternd! Jagdszenen, Wagenrennen, Göttergestalten, Tiere und natürlich die berühmten „Bikinimädchen“ in wunderschönen Farben verzieren die einzelnen Räume, an allen Ecken und Enden wird fleißig weiterrestauriert. Auch die Überdachung, die aus Glas und Metall ist und die Räume im Sommer wie ein Gewächshaus aufheizt, wird durch eine Holzkonstruktion ersetzt. Noch lange ist nicht alles freigelegt, aber das, was wir schon sehen können, ist wunderschön und imposant.
Unsere Guide, die die Führung sehr gut und humorvoll gemacht hat, entlässt uns nun zu einer Kaffee- und Pizzapause, und danach geht es zurück zum Campingplatz.
Nach einer kleinen Erholungspause treffen sich alle im Restaurant zu einem gemeinsamen Abendessen. Etwas skeptisch erwarten wir das Menü (am Montag bestand das Fleischmenü aus Spagetti mit Tomatensauce sowie einem kleinen Würstchen mit 1 Cocktailtomate!), aber heute kann wirklich niemand meckern: Nudeln mit Gemüse und Käse als Vorspeise, dann gegrilltes Fleisch, Würstchen und Kartoffeln, grüner Salat und als Nachtisch ein Biskuitkuchen, Obst (Birnen, Äpfel und Mandarinen) sowie 1 Espresso. Nun sind alle „pappsatt“ und hoffentlich glücklich über diesen gelungenen Tag!
12. Tag – Freitag, den 1. Mai 2009
Wieder gibt es einen Tag zum Ausruhen. Das Wetter ist sonnig, ein paar leichte Wolken stören uns nicht, denn die Temperatur liegt zwischen 22 und 24 Grad, so dass jeder die Zeit genießen kann. Gegen 12 Uhr wird die „faule Gesellschaft“ plötzlich aktiv – Tische und Stühle werden in einer langen Reihe auf der Wiese zwischen den Wohnwagen aufgestellt und eingedeckt. Als ich gegen 13 Uhr meine Hilfe zum Karottenschälen- oder raspeln anbiete, heißt es: Alles ist schon fertig! Ja, sind etwa die „Heinzelmännchen von Köln“ zum Werkeln da gewesen? Jetzt warten wir nur noch auf die gebratenen Hähnchen, die Richard bestellt hat und die „verspäten“ sich ein biss-chen – gegen 14.30 Uhr werden sie aber „einfliegen“. So kann man noch etwas lesen oder miteinander „schwätzen“. Sigrid lernt bei unseren „Stricklieseln“ gerade das Stri-cken und nimmt eifrig Maschen auf. Eine lange, gemütliche Tafel, leckere Hähnchen auf den Tellern, dazu Karotten- und grüner Salat mit diversen Saucen machen satt und glücklich. Mehrere Flaschen mit dem „Geist der Heimat“ kreisen in der Runde und ihr Inhalt ist gut für die Verdauung!
Danach hat Hannelore ein Ratespiel als „Intelligenztest“ parat. Es werden die Namen von Märchen gesucht, die humorig umschrieben sind. Attraktive Preise winken den Gewinnern! Der 1. Preis – ein 3-teiliges Reiseset, der 2. Preis – ein orientalisches Menü und der 3. Preis – ein Weinabend für 2 Personen! Wer möchte da nicht Sieger werden und alles rätselt eifrig mit (na ja, einige schreiben auch vom Nachbarn ab!). Die Freude und Gaudi ist bei allen Teilnehmern und natürlich erst recht bei den Gewinnern groß, die ihre Preise in Empfang nehmen – 3 Plastiktü-ten in verschiedenen Größen, eine Packung Reis und eine große Zwiebel! Noch lange sitzen wir beisammen, einige spielen Karten, andere stricken oder palavern miteinander und es sieht so aus, als ob sich heute alle pudelwohl fühlen und mit diesem Ruhetag zufrieden sind.
13. Tag – Samstag, den 2. Mai 2009
Wieder ist der Himmel blau! Ja, wenn Engel reisen.......... Heute geht unsere Reise weiter nach Catania. Die erste Hälfte der Strecke sind wir vorgestern schon einmal mit dem Bus gefahren. Unterwegs sehen wir wieder die Rennstrecke (Klein-Monza?), etliche Motorradfahrer drehen dort ihre Runden. Kurz nach Enna können wir den Ätna wieder erahnen, seine Schneefelder verschmelzen mit den Wolken. Die Landschaft ist immer noch hügelig, Felder, Wiesen und Weinplantagen wechseln sich ab. Wildblumen blühen in allen Farben, rosa, pink und rot, dunkellila, blau und gelb, dazwischen wachsen dekorative Gräser. Auf einem Parkplatz macht unsere Gruppe Rast – endlich haben wir Frauen Zeit, um ein Sträußchen sonnengelber Margeriten zu pflücken. Gegen Mittag erreichen wir unser Ziel, den Campingplatz in Catania, ohne uns in dieser großen Stadt zu verfahren. Er liegt direkt am Meer, einige Meter über dem Wasser, das türkisgrün an die schwarzen Lavafelsen plätschert. Wir erwischen wieder den Stellplatz direkt neben WC und Waschhaus (haben wir das abonniert?), bauen aus 3 Wohnmobilen eine kleine Wagenburg, so dass auch noch ein Innenplatz zum Aufstellen von Tisch und Stühlen bleibt. Als ich etwas später noch einmal die Treppe hinunter ans Meer gehe, sehe ich Gudrun weit draußen schwimmen – na, die hat Mut!
14. Tag – Sonntag, den 3. Mai 2009
Ein wunderschöner Ausflugstag erwartet uns: Um 9 Uhr geht es per Bus zuerst nach Noto, das soll die schönste Barockstadt auf Sizilien sein. Im Bus singen wir heute gleich 2 Geburtstagskindern ein Ständchen – Roswitha und Hans-Joachim. So fahren wir durch Catania, vorbei am Hafen und am ca. 20 km langen Sandstrand entlang. Hier werden die vielen Strandbäder gerade auf die Saison vorbereitet. Die Landschaft wird bergiger, auf der rechten Seite sehen wir ein lang gestrecktes Tafelgebirge mit vielen Schluch-ten, durch die kleine Flüsse zum Meer streben. Vor Siracusa ist das Land wieder besonders fruchtbar, große Orangen-, Zitronen- und Olivenplantagen sind zu sehen, auf den riesigen Kartoffelfeldern wird schon geerntet. Es geht erst einmal an Siracusa vorbei, nach 20 km sind wir in Noto. In einem kleinen Park steigen wir aus, es ist richtig schön warm und so sucht manch einer schon den Schatten der großen Bäume. Durch die Porta Reale betreten wir die Hauptstraße der Stadt, die rechts und links von goldgelben, hübschen Sandsteinhäusern gesäumt wird. Seitdem Noto von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden ist, fließen die Gelder und es wird eifrig restauriert. Wir sehen sehr schön verzierte Balkone, einen neben dem anderen, eine ganze Straße entlang. Auch der Dom, der über viele Treppen zu erreichen ist, gefällt mir gut. Die Häuser sind alle Anfang des 18. JH im sizilianischen Barockstil wiederaufgebaut worden, nachdem ein starkes Erdbeben die ganze Stadt zerstört hatte. Wir sitzen noch bei einem Cappuccino an einem kleinen Tischchen in der Hauptstraße, als unter ohrenbetäubendem Lärm die ganze Armada von Motorradfahrern vorbeidonnert, die sich vor der Porta Reale versammelt hatte. Uns „stinkt“ das, aber so ist das auf Sizilien: der fahrbare Untersatz ist heilig, die Hupe das wichtigste Teil am Ge-fährt, geparkt wird auch noch in dritter Reihe quer, Einbahnstraßen dürfen grundsätzlich in beiden Richtungen befahren werden und das sizilianische Verkehrssystem – sofern es denn überhaupt eines gibt – ist nichts für deutsche Autofahrerseelen.
Aber heute sind wir ja mit dem Bus unterwegs und der bringt uns sicher nach Siracusa. Über eine Brücke betreten wir die Altstadt, die auf der Insel Ortigia liegt. Nachdem wir die Überreste eines Apollo-Tempels angeschaut haben, stürzen wir uns in das Menschengetümmel, das sich durch die engen Altstadtgässchen schiebt. Auf dem Platz vor dem Dom ist eine riesige Menschenmenge versammelt, das St. Lucia-Fest wird gefeiert. St. Lucia ist die Schutzpatronin der Stadt und ihre goldene Statue wird in einer Prozession durch die Straßen getragen. Tau-ben steigen auf, eine Musikkapelle spielt, von Pferdefuhrwerken werfen mittelalterlich gekleidete Frauen und Männer Beutel mit einem Gebäck in die Menge. Das soll die Errettung der Stadt von einer Hungersnot symbolisieren. Zum Schluss wir die heilige Lucia wieder in ihre Kirche getragen und ein Gottesdienst beginnt. Wir besichtigen den Dom, der über einen Athene-Tempel gebaut worden ist. Die mächtigen Säulen des Tempels aus dem 5. JH. V. Chr. sind noch gut zu erkennen, alles ist miteinander verschmolzen und ineinander integriert.
Weiter geht unser Spaziergang zur Süßwasserquelle, der Fonte Arethusa, die sehr hübsch nur wenige Meter vor dem Meer liegt. In ihr schwimmen Fische und wachsen Papyrusstauden.
Mit dem Bus fahren wir zum Archäologischen Park und schauen uns das griechische Theater an, in dem in jedem Sommer klassische Tragödien aufgeführt werden. Heute finden Proben statt und die Kulissen werden aufgebaut. Wir schauen ein wenig zu und bekommen einen kleinen Eindruck von dem, was in diesem einst größten Theater der An-tike gezeigt wird. Oberhalb der Sitzstufen sieht man noch die Grabkammern und eine Nymphengrotte und wir „ste-cken überall einmal unsere Nase hinein“.
Etwas zum Hören gibt es im antiken Steinbruch unterhalb des Theaters. Es nennt sich das „Ohr des Dionysios“ und ist eine riesige Höhle, 23 m hoch und 65 m tief. Sie wurde einst von Sklaven aus dem Kalkstein gehauen. Im weiteren Parkgelände ist ein riesiger Altar zu sehen. Hier wurden zu Ehren von Zeus 400 Stiere geopfert und anschließend bei einem Fest vom Volk fröhlich verspeist. Es gibt noch viel mehr zu sehen, aber wir müssen zum Bus zurück. Kaum sitzen wir, beginnt es zu regnen. Aber da wir Glückskinder sind, hört es bei der Ankunft auf dem Campingplatz auch schon wieder auf. Der Tag ist noch nicht beendet – zuerst treffen wir uns alle bei Roswitha zu einem kleinen Geburtstagsumtrunk und gehen danach in das Campingplatzrestaurant, um gemeinsam zu Abend zu essen. Wieder ist ein schöner Tag vorbei, wir haben viel gesehen und erlebt. Morgen werden wir Catania erkunden!
15. Tag – Montag, den 4. Mai 2009
Wir sind alle frohgelaunt und munter und lassen uns mit dem Bus in die City von Catania fahren. Als erstes schauen wir zusammen mit Domenica (unserer Guide) den Dom an. Davor, auf der Piazza Duomo, steht der Brunnen mit dem alten, römischen Elefanten aus Lavagestein. Er wurde bei einem der vielen Erdbeben und Vulkanausbrüchen, die die Stadt immer wieder zerstörten, verschüttet. Die Stadt ist jedes Mal wieder aufgebaut worden und auch der Elefant wurde ausgegraben, im Brunnen aufgestellt und muss seitdem einen ägyptischen Obelisken tragen. Die Reste eines alten Amphitheaters sind zu sehen und auch das Monument von Vincenco Bellini. Die lange, schnurgerade Einkaufsstraße, die Via Etnea, wird von vielen schönen Barockbauten flankiert, die z. T. aus Lavasteinen gebaut sind. Auch die Pflastersteine der Gehwege sind größtenteils aus schwarzer Lava. Wer nun genug „Kultur“ gesehen hat, erfreut sich auf dem Fischmarkt an den vielen Ständen mit den verschiedensten Fischen. Fische, die ich nicht kenne: kleine, 3 – 4 cm lange durchsichtige „Fädchen“ mit Augen, die in einer großen Schüssel zappeln oder rote, silbrige, große und kleine exotische Fische, lebende Schnecken, die im „Schneckentempo“ aus ihren Körben kriechen und noch viel, viel mehr. Alles wird von den Händlern lautstark angepriesen und laufend mit Wasser besprüht. Und da alles superfrisch ist, riecht es hier gar nicht unangenehm nach Fisch!
Dahinter sind die Tische mit frischem Obst und Gemüse, Fleisch und Geflügel, Käse und Gewürzen appetitlich aufgebaut und so mancher schleppt große Tüten mit zum Campingplatz. Im Bus riecht es auf der Heimfahrt ganz intensiv nach Knoblauch – der ist auch nicht importiert, sondern ganz frisch auf Sizilien geerntet! Den Nachmittag verbringt jeder nach Lust und Laune – ich habe wieder einige beim Schwimmen im Meer entdeckt. Mir ist der Einstieg über die Felsen zu unbequem und ich verschiebe mein Bad im Mittelmeer noch ein wenig. Es wird schon noch ein besserer Badeplatz kommen!
16. Tag – Dienstag, den 5. Mai 2009
Heutet erwartet uns ein schöner Ausflug, von dem Domenica schon gestern geschwärmt hat – wir fahren in die Ana-poschlucht und besichtigen die Totenstadt Pantalica. Bis kurz vor Siracusa fahren wir auf altbekannter Route, die Sonne scheint aus einem blitzblauen Himmel und Signo-ra Etna zeigt sich von ihrer allerbesten Seite: fast wolkenfrei, so dass wir heute sogar ihren Gipfel sehen können. Die Straße führt uns nun in das Tafelgebirge, sie wird eng und kurvig. Tiefe Schluchten durchschneiden das Hoch-plateau, im Bergstädtchen Ferla vollbringt unser Busfahrer eine wahre Meisterleistung. Zentimetergenau manövriert er den Bus an Balkonen und parkenden Autos vorbei und auch als uns „ein Macho aus dem Ort“ (Originalton Dome-nica) rasant entgegenprescht, bewahrt er die Ruhe. Es geht noch 11 km weiter auf dieser winzigen, schmalen Straße bis wir die ehemalige Totenstadt Pantalica erreichen.
Hier haben vor über 3.000 Jahren die Sikuler mehr als 5.000 Grabhöhlen in die steilen Felswände geschlagen, um ihre Toten zu beerdigen. Viele Höhlen sind noch zu sehen, andere mit Gestrüpp zugewachsen. Die Felswände sind löchrig wie ein Schweizer Käse. Es ist Mittagszeit und wir machen bei herrlichem Sonnenschein Picknick auf den Felsen über den Grabhöhlen.
Auf den Wiesen blühen hunderte Sorten von Wildblumen und Steingewächsen. In allen Farben tupfen sie Farbkleck-se in die grünen Wiesen und auf die hellen Felsen. Der Frühling zeigt sich uns hier in Hochform. Der Bus muss nun die gleiche Strecke wieder zurückfahren, in Ferla geht es kurzerhand ein Stückchen Einbahnstraße in falscher Richtung hinunter, da er nicht um eine allzu scharfe Kurve herumkommt. Unten im Tal halten wir bei der Anaposchlucht an und machen auf einem ehemaligen Bahndamm einen kleinen Spaziergang. Wir wandern bis zum ersten Tunnel. Die Bahnstrecke wurde im Jahre 1915 gebaut, von den Bewohnern der umliegenden Dörfer zur Fahrt nach Catania und später auch von der Industrie genutzt. Sie ist seit etlichen Jahren stillgelegt und abgebaut. Nun soll das Tal Touristen anlocken. Ich bin ein wenig enttäuscht, denn außer ein paar am Wegesrand wachsenden Orchideen ist nicht viel zu sehen. Ein kleiner Fluss plätschert zwischen Felswänden träge dahin, Macchia bedeckt den Rest des Tales. Auch heute haben wir uns mit Petrus gut abgesprochen – kurz bevor wir wieder den Bus erreichen beginnt es zu donnern, dunkle Wolken vertreiben die Sonne. Doch erst als wir abfahren fängt es an zu regnen!
Am Abend „steigt“ unser Bergfest – zuerst stärken wir uns mit einem wirklich leckeren typisch sizilianischen Abend-essen im Campingplatzrestaurant, es gibt u. a. viele kleine und große Fische, frisch aus dem Meer. Danach unterhält uns eine Gruppe sizilianischer „Hobbykünstler“ mit Musik, Tanz und Gesang. Sie zeigen uns die Tänze ihrer Heimat, singen zu Gitarrenklängen ihre fröhlichen Lieder und man merkt, mit wie viel „Herzblut“ sie bei der Sache sind. Ein Künstler hat eine fantastische Stimme und bekommt für seine Lieder besonders viel Beifall. Er kommt nicht ohne Zugaben „von der Bühne“. Zum Abschluss dürfen noch einige aus unserer Reisegruppe mit auf das Parkett und versuchen, bei den temperamentvollen Tänzen mitzutanzen. Die erste Hälfte unserer Reise ist beschwingt zu Ende gegangen und am morgigen Ruhetag können wir unseren Akku für die zweite Hälfte auftanken.
17. Tag – Mittwoch, den 6. Mai 2009
Ich werde leider allzu früh von dem rhythmischen Klappern der Klo- und Duschtüren geweckt. Der azurblaue Himmel verspricht einen schönen Tag. Aber was ist das? Handwerker rücken an, es wird laut palavert. Sie inspizieren das Sanitärgebäude und gegen 10 Uhr beginnen sie damit, direkt neben uns Stahlgerüste mit der Flexscheibe zu bearbeiten. Es stinkt, ist kreischend laut, Funken stieben durch die Gegend ..... Auf dem Dach des Sanitärgebäudes wird eine Solaranlage installiert. Da Gerhards Knie heute besonders schmerzt (es macht ihm schon während der ganzen Reise Probleme), ertragen wir diesen Ruhetag auf unserem „ruhigen“ Plätzchen mit stoischem Gleichmut. Am Nachmittag gehen Gisela und Hans-Joachim schwimmen und ich dokumentiere das ganze Manöver. Alle finden das Wasser fantastisch und so lasse ich wenigstens meine Füße hineinhängen. Peter ist vorgestern hier auf den Felsen gestolpert und hat sich seine große Zehe geprellt. Nun kühlt er seine Füße ebenfalls im Meerwasser und Waltraud leistet ihm dabei Gesellschaft.
18. Tag – Donnerstag, den 7. Mai 2009
Unser heutiger Ausflug mit der Circum Etnea – einer kleinen Bahn, die rund um den Ätna fährt – beginnt mit einer Zitterpartie. Wir warten vor dem Tor des Platzes auf den Bus, der uns zum Bahnhof bringen soll, aber er kommt nicht. Richard telefoniert aufgeregt mit allen zuständigen Leuten und erfährt, dass der Bus im Stau auf der Autobahn steht. Er setzt alle Hebel in Bewegung und nach einer halben Stunde holt uns ein Ersatzbus ab, der uns auf „Insiderwegen“ doch noch rechtzeitig am Bahnhof absetzt. Aber die ganze Eile war gar nicht nötig – unser „Zügle“ fährt sizilientypisch nicht fahrplanmäßig sondern erst eine hal-be Stunde nach der Zeit ab! Wir werden mit roten Schirmmützen ausgestattet und rumpelnd geht es los. Eine ganze Weile noch durch die Vororte von Catania, aber dann steigen wir stetig höher. Auf der rechten Seite zeigt sich Signora Etna immer wieder in ihrer ganzen majestätischen Größe. Nach links haben wir einen fantastischen Ausblick auf felsige Höhenzüge und grüne Täler. Es wechseln sich schwarze Lava-Geröllfelder mit wilder Macchia ab, dazwischen sehen wie aber auch immer wieder blühende Wiesen, Weinplantagen, Oliven- und Pistazienbäume. Durch etliche dunkle Tunnel windet sich der Zug schaukelnd höher und höher bis auf fast 1.000 m ü. M.! Nach ca. 2 Stunden Fahrt sind wir in Randazzo angekommen. Die 1 ½ Stunden Aufenthalt reichen für einen Imbiss im Cafe auf der Piazza und zu einer Besichtigung des Städtchens. Viele Kirchen (aus schwarzem Lavagestein gebaut) und Pa-lazzi zeugen von ehemaligem Reichtum, heute ist vieles ziemlich renovierungsbedürftig. Das Bähnchen bringt uns nun wieder in einer Stunde hinab bis ans Meer nach Riposto. Dort wartet schon der Bus auf uns und fährt über Staatsstraßen und durch kleine Ortschaften bis auf den Campingplatz. Den Rest des Tages darf nun gefaulenzt werden. Das kristallklare, türkisgrüne Meer lockt auch heute wieder zum Bade, Günter aus Hannover wagt es mit viel Ge-schrei. Es ist wohl doch nicht so warm, wie die kühnen Schwimmer immer behaupten! Ich bleibe deshalb lieber auf den sonnenwarmen Steinen sitzen und lausche dem Plätschern und Glucksen der Wel-len. Am Abend, als es schon fast dunkel ist, wollen wir uns den glühenden Lavafluss am Ätna anschauen und gehen auf die Fußgängerbrücke, die die Hauptstraße überspannt. Aber Signora Etna zeigt uns nur still und friedlich ihre Umris-se im letzten Tageslicht, den Lavastrom können wir nicht entdecken.
19. Tag – Freitag, den 8. Mai 2009
Das Meer glitzert silbrig im Sonnenschein, mehr als ein Dutzend Fischer sind mit kleinen Booten draußen oder ste-hen auf den schwarzen Felsen am Ufer und fangen die leckeren Fischlein, die wir vielleicht am Mittag oder Abend serviert bekommen.......... Genug Morgenidylle geschaut, jetzt steigen wir in die festen Wanderstiefel und ziehen im Zwiebelprinzip T-Shirts und Jacken übereinander, denn heute geht es auf den Ätna bis auf 2.000 m hinauf. Dort soll noch Schnee liegen und es wird wohl kalt sein. „Mongibello“, der Berg der Berge für die Sizilianer, zeigt sich von seiner besten Seite – ohne Wolken, mit kleinen Rauchfähnchen vor einem blitzblauen Himmel. Wir nähern uns ihm auf einer Serpentinstraße, die uns höher und hö-her bringt. Wir fahren an riesigen Lavafeldern vorbei, das lockere, obere Material ist tiefschwarz, das untere besteht aus silbrig-grauem Basalt. Der Ätna hat viele Nebenkrater und jedes Jahr bricht wenigstens einer aus, auch jetzt fließt seit einigen Monaten ein breiter Lavastrom langsam ins Tal hinunter. Leider können wir ihn von hier nicht sehen, er ist auf der anderen Seite des Berges. Zwischen den einzelnen Lavafeldern ist die Vegetation üppig, auf der fruchtbaren Erde gedeiht einfach alles: Wein-reben, Apfel- und Birnenbäume, Zitronen-, Orangen- und Mandarinenbäumchen. Edelkastanien, Steineichen und Ät-naginster (der gerade wunderschön knallgelb blüht) säumen rechts und links die Straße, die größtenteils beim großen Ausbruch 2002/2003 von dem rot glühenden Magmastrom niedergewalzt wurde. Auch die Restaurants und Häuser sowie die Seilbahn wurden damals Opfer des Ausbruchs, sind aber seit 2 Jahren wieder aufgebaut. Bei einem dieser neuen Restaurants halten wir. Nun besteht die Möglichkeit mit der Seilbahn noch höher hinaufzu-fahren. Einige aus unserer Gruppe probieren es aus, werden aber enttäuscht. Der Gipfel hat sich inzwischen wieder einmal in Wolken gehüllt und man kann auch von der Gipfelstation der Seilbahn nicht hinaufsehen. Dort liegt noch Schnee und so kann man nur eine kleine Runde um die Station herumgehen und die grandiose Aussicht ins Tal bis zum Meer genießen. Wir umwandern einen kleinen Krater, der vor 130 Jahren entstanden ist und bewundern ebenfalls die tolle Aussicht auf die vielen Vulkankegel im Vorland (zwei spitze Hügel nebeneinander werden „Sofia Loren“ genannt), durchstrei-fen die Souvenirläden, die hier natürlich auch nicht fehlen. Ich finde auch etwas für meine 10 Monate alten Zwillingsenkelinnen – einen frechen Pinocchio mit einer Stange zum Schieben. Es reicht noch für den obligatorischen Cappuccino und dann bringt uns der Bus auf der anderen Seite vom Ätna auf Serpentinen wieder hinunter ins Tal nach Zafferana. Direkt vor diesem Ort endete vor einigen Jahren auf wunderbare Weise ein Lavastrom, nachdem die Einwohner eine Prozession mit ihrer Heiligen um das Dorf gemacht hatten! Wir sind hier zum Mittagessen in einem landwirtschaftlichen Betrieb, es ist eine Imkerei. Wir bekommen die „Honig-ernte“ erklärt und gezeigt. Im kleinen Laden kann man viele verschiedene Sorten kaufen. Auch Olivenöl, eingelegte Oliven und Rotwein, den Etna-Rosso, sind im Angebot. Das anschließende Essen ist wirklich köstlich: Bruschietta, 2 Pastaspezialitäten, Salat mit einer Frikadelle auf einen Zitronenblatt, danach eine Fleischroulade gefüllt mit Schafskäse, Bröseln und Gewürzen. Dazu den Rotwein vom Ätna und als Abschluss 1 Probiergläschen Mandelwein mit Mandelplätzchen. Zufrieden sitzen wir nun im Bus, der uns auf einer schönen Panoramastraße am Meer entlang zum Campingplatz zurückbringt. Fazit dieses Tages: Ein wirklich beeindruckender Ausflug, der uns diesen spektakulären Vulkan ganz nahe gebracht hat (ich denke, jeder hat ein kleines Stückchen Lava in die Hosentasche gesteckt!). Jetzt kann ich verstehen, dass die Sizilianer ihn respektieren aber auch so lieben! Die Wetterprognose für morgen ist gut, der Vollmond leuchtet dick und rund am wolkenlosen Nachthimmel.
20. Tag – Samstag, den 9. Mai 2009
Heute steht Taormina auf dem Programm! Es geht mit dem Bus die Küstenstraße entlang, an hübschen Aus-sichtspunkten wird ein Fotostopp eingelegt. Eigentlich möchte man an jeder Ecke fotografieren, das Meer ist so unglaublich türkisgrün und der Himmel darüber azurblau, Signora Ätna hat auch gute Laune und pafft vergnügt kleine Rauchwölkchen in die Luft. In Aci Castello an der Zyklopen-Riviera knipsen wir die riesigen Steinbrocken, die der eifersüchtige Polyphem hier einst ins Meer geschleudert hat. Kurz vor Taormina biegen wir ins Landesinnere zur Alcantaraschlucht ab. Auf schmaler Straße, unter einer alten Ei-senbahnbrücke mit vielen hohen Bögen und noch durch ein paar kleinere Orte hindurch, sind wir bald da. Das Ganze entpuppt sich leider als ziemlicher Reinfall: Wir schauen von der Terrasse eines Restaurants auf die kleine Schlucht, in der ein Flüsschen über Steine hinwegplätschert. Man kann zwar mit einem Aufzug (Kosten 5 Euro!) die paar Meter zum Fluss hinunterfahren, aber die Zeit zu einem Spaziergang haben wir nicht. Obwohl es hier vielleicht schöner wä-re, als vor ein paar Tagen in der Anaposchlucht. Die Zeit reicht gerade noch für einen Cappuccino! Wieder zurück an der Küste werden wir auf den letzten Kilometern bis Taormina durch fantastische Ausblicke entschädigt, auch das Festland von Kalabrien ist schemenhaft zu sehen.
Nach Taormina darf unser Bus nicht hinauffahren. Auf halber Höhe steigen wir in kleinere Shuttlebusse um, die uns ins Städtchen bringen, das 200 m über dem Meer auf einer Terrasse am Berg thront. Durch ein altes Stadttor betreten wir die pittoreske Stadt. Zuerst schauen wir uns den Dom an, danach geht es in den bezaubernden Innenhof eines Palazzo mit arabischem Charakter und einem „Juliabalkon“. Der eigentliche Höhepunkt ist jedoch das Teatro Greco! Wir steigen durch die Reste des alten Theaters auf die Ränge hinauf und haben an den verschiedensten Stellen be-zaubernde Ausblicke auf den Ätna (als natürliche Bühnenkulisse), die Berge, an denen malerisch kleine Ortschaften kleben, das Meer, die blaue Grotte (ja, die gibt es hier auch) und die Badestrände. Im Theater wird gezimmert und gehämmert, denn in einer Woche beginnt die Spielzeit dieses Sommers und es werden Konzerte, Ballett- und Opernaufführungen stattfinden. Zurück in der Fußgängerzone von Taormina, die von der Porta Messina ca. 1 km bis zur Porta Catania führt, staunen wir über die vielen kleinen hübschen Gässchen mit zahlreichen Cafes und Restaurants. Die Tische und Stühle sind auf Stufen gestellt und hübsch eingedeckt. Viele Boutiquen, Antiquitäten- und Souvenirläden verstecken sich in den barocken Häusern, die ihre Balkone mit einer bunten Blumenpracht schmücken.
Nun meldet sich bei uns der Hunger und wir finden ein ganz kleines Ristorante oberhalb vom kleinen Teatro Roma. Es gibt nur einige Tische im Freien mit bunten Sonnenschirmen auf Stufen entlang der Gasse. Hier essen fast nur Sizilianer, Arbeiter kommen in ihrer Mittagspause vorbei, trinken etwas im Stehen an der kleinen Bar, palavern ein bisschen und gehen wieder. Die Pizza ist lecker und groß, dazu trinken wir ein einheimisches Bier, das sogar mir schmeckt! Noch bleibt uns etwas Zeit, um auf der Flaniermeile zu bummeln und etwas einzukaufen. Unsere Enkelchen bekommen noch einen Pinocchio-Hampelmann und kleine Züge aus Holz mit einzelnen Buchstaben auf den Anhängern mit ihren Namen. Noch ein gutes Eis, dann geht es zurück zu den Shuttlebussen. Das war also Taormina, für mich die hübscheste Stadt auf Sizilien, die ich bisher gesehen habe.
21. Tag – Sonntag, den 10. Mai 2009
Nun wollen wir an die Nordküste von Sizilien, nach Oliveri. Auf der Autobahn fahren wir wieder bis fast nach Taormi-na, dann vorbei an der Alcantaraschlucht durch verschlafene kleine Ortschaften, die zum Glück noch nicht so zuge-parkt sind, so dass es keine Schwierigkeiten bei der Durchfahrt gibt. An den Hängen des Gebirges kleben an höchs-ter Stelle Dörfer, z. T. mit mächtigen Kirchen oder Kastellen. Braune Kühe streifen durch die wilde Macchia, gelber Ginster tupft Farbe hinein. Die Straße windet sich in Serpentinen den Mandrazzi-Pass hinauf und nach jeder Kurve hat man einen neuen fantastischen Ausblick in das Tal, auf Signora Ätna und wilde Schluchten. Mitten auf der Straße steht eine Kuh und schaut uns fassungslos an. Hier oben beginnt jetzt erst der Frühling, die Bäume und Frühlingsblumen blühen – so bunt, wie vor 14 Tagen in der Ebene! In Novarra di Sicilia fahren wir durch eine enge Altstadt, hier stehen und diskutieren auf den Straßen und Plätzen die Männer des Ortes und Dutzende von Motorradfahrern, die im Laufe des Tages wohl in rasanter, halsbrecherischer Fahrt die Serpentinen hinauf- oder hinunterpreschen werden, eine kleine Gruppe ist uns unterwegs schon begegnet. Unten im Tal sehen wir bald ein breites, trockenes Flusskiesbett – mitten drin ein kleines Bächlein. In der Ferne glit-zert das Meer, nun kann es nicht mehr weit sein! Kurz bevor wir ganz im Tal sind, blinkt auf der rechten Straßenseite ein Rettungswagen. Einige Motorradfahrer stehen herum und einer wird am Straßenrand verarztet. Er scheint noch einmal einigermaßen glimpflich davongekommen zu sein. Kaum sind wir an der Stelle vorbei, werden wir jedoch schon wieder von zwei anderen trotz Gegenverkehrs überholt – ein bisschen Russisch Roulette als Nervenkitzel am Sonntag? Gegen 14 Uhr sind alle auf dem Campingplatz eingetroffen, auch die andere Hälfte unserer Gruppe, die über die Au-tobahn gefahren ist. Da heute Muttertag ist (alle Mütter sind schon am frühen Morgen von Hannelore und Richard mit einem Glück-wunsch und einer Schachtel Mozartkugeln überrascht worden!) treffen wir uns zu einer gemütlichen Kaffeerunde am „langen Campingtisch“. Getränke bringt jeder mit, den Kuchen dazu stellt die „Reiseleitung“ auf die Tische. Es bleibt noch Zeit, um sich den Strand anzuschauen, er ist feinkieselig und liegt direkt „vor dem Zaun“. Das Wasser ist türkisblau und ganz klar, in der Bucht ankern viele, kleine Motorboote und gegen Abend kommen immer mehr da-zu. Im Hintergrund bilden die Berge eine einmalig schöne Kulisse, hier ist es wirklich sehr hübsch. Und was sehe ich da? Einige nehmen schon das erste Bad...............
22. Tag – Montag, den 11. Mai 2009
Ein Ruhetag, wie gemacht zum Faulenzen! Morgens fahren wir mit Peter und Eveline in den Ort und kaufen beim Fischhändler Thunfisch, den wollen wir zum Abendessen brutzeln. Dann ein paar Kapitel in meinem spannenden Buch lesen, im Schatten der Bäume dösen, ein Schwätzle“ halten – das ist Urlaub. Durch den Zaun sehe ich Karin und Ingrid vergnügt im Meer plantschen und nun treibt es mich endlich auch hinein! Am Anfang ist es noch ein biss-chen kühl, aber trotzdem ein ganz tolles Gefühl, vor so einem Panorama zu schwimmen.
23. Tag - Dienstag, den 12. Mai 2009
Ein Ausflug mit dem Schiff zu den Liparischen Inseln steht auf dem Programm. Doch erst einmal verärgert uns der Bäcker, der uns die bestellten 56 Brötchen in einer großen Tüte bringt. Nachdem einige ihre Brötchen abgeholt haben, ist die Tüte leer. Am Ende fehlen 16 Stück und Richard geht von Wagen zu Wagen, um von denen, die mehrere erhalten haben, wieder ein paar „abzuzweigen“ für diejenigen, die leer ausge-gangen sind. Die Dinger sind groß und so reichen uns auch 2 Brötchen zum Frühstück. Dann gibt es ein bisschen Gerangel beim Einsteigen in den Bus, der uns nach Milazzo zum Hafen bringen soll: Gut ein halbes Dutzend andere Campinggäste wollen auch mitfahren, obwohl der Bus von uns bestellt und auch bezahlt ist. Gut 20 Minuten vergehen, bis die Fronten geklärt sind und unsere Reiseleiterin beruhigt uns – das Schiff wartet, bis wir da sind! Das Schiff wartet wirklich, jeder versucht einen Platz „in der ersten Reihe“ zu ergattern. Das Meer ist glatt wie ein Spiegel (das beruhigt diejenigen, die leicht seekrank werden, ganz ungemein), kein Lüftchen weht und die Sonne brennt vom Himmel. Der Törn beginnt, wir fahren ein Stück an der Küste entlang, vorbei an der riesigen Festung von Milazzo, die sehr dekorativ auf einem Höhenrücken liegt. Als erste von den 7 Inselchen, die verstreut im blauen Meer liegen, steuern wir Lipari an. Zuerst sehen wir die großen, weißlich gelben Bimssteinbrüche. Sie sind nicht mehr in Betrieb seitdem die Insel zum Weltkulturerbe erklärt wurde und langsam beginnt die Vegetation wieder, sich anzusiedeln. Von hier kommt auch das glatte, schwarze Vulkangestein (Obsidiane genannt), aus dem Schmuckstücke gearbeitet werden. Wir fahren weiter bis in den Hafen von Lipari, einem quirligen Städtchen auf der gleichnamigen Insel. Viele enge, malerische Gassen mit vielen kleinen Geschäften und Cafes führen uns auf den Burgberg. Von den Aussichts-terrassen blicken wir über das Meer nach der Insel Vulcano und auf den zweiten kleinen Hafen. Danach besuchen wir das Theater und die Kathedrale, in der man eine sehr schöne Decke bewundern kann (und natürlich auch wieder die Heiligenstatue des Ortes). Die Reiseleiterin empfiehlt uns noch die in Salz eingelegten großen Kapern und wie von Zauberhand ist auch gleich eine passende Einkaufsquelle da: ein alter Mann verkauft auf der langen Treppe, die ins Städtchen hinunterführt, solche selbst eingelegten Kapern! Außerdem hat er noch selbst gehäkelte Deckchen und Mützen im Angebot, die er sehr dekorativ in einen Busch an der Mauer gehängt hat (sie sehen aus wie überdimensionale Spinnennetze). Wir bummeln weiter bis in den kleinen Hafen, den wir schon vom Burgberg aus gesehen haben, schlecken dort eine große Portion leckeres Eis und schlendern langsam zurück zum langen Hafen, vorbei an Läden mit Hüten, Kleidern, Antiquitäten, Keramik und verschiedenen anderen Dingen, die ein Tourist so braucht. Um 13 Uhr läuft das Schiff wieder aus und bringt uns nach Vulcano. Schon bevor es anlegt, riechen wir die stinken-den Schwefelgase, die die Insel umwabern. Der Vulkan der Insel stößt ohne Pause diese Schwefeldämpfe aus, aber nach relativ kurzer Zeit gewöhnt man sich daran. Nur ein paar Meter weiter wälzen sich einige Verwegene in dem Schwefelschlammbad der Insel und beschmieren sich von Kopf bis Fuß mit dem hellen, übel riechenden Schlamm Er soll 30 Grad warm und sehr gesund sein (den Badeanzug kann man hinterher entsorgen). Von unserer Truppe scheint niemand so krank zu sein, um es zu benutzen! Vor dem Schlammbad im Meer blubbern die heißen Fumaro-len an die Oberfläche und heizen das Wasser auf. Ein kleiner Spaziergang führt uns zum schwarzen Lavastrand. Dieser Sand ist natürlich extrem heiß, wenn die Sonne so scheint wie heute. Wir setzen uns in den Schatten einer kleinen Strandbar, trinken eine kühle Cola, genießen die großartige Kulisse – schwarzer Sand, türkisblaues Meer, bunte Sonnenschirme und Badende, dahinter eine bizarre Bergkette und der kahle, rauchende Vulkan. Inge und Gisela wagen sich ins Wasser, doch das Vergnügen ist recht zweifelhaft. Es gibt hier Feuerquallen und Inge macht eine sehr schmerzhafte Begegnung mit ihnen. Wir haben hier einen längeren Aufenthalt, aber der Ort ist klein und von einem Ausflug mit Elektrofahrzeugen ins Hin-terland hat die Reiseleiterin abgeraten, da sie schon schlechte Erfahrungen damit gemacht hat. So durchkämmen wir die wenigen Läden, essen und trinken eine Kleinigkeit bis das Schiff um 16.30 Uhr wieder ablegt. Es umrundet das Inselchen und fährt in eine große Felsgrotte mit der Schiffsspitze hinein. Ein bisschen Nervenkitzel muss sein und wir sind beeindruckt. Hier ist das Meer tiefblau und es wimmelt von Quallen in den schönsten Farben – rosa, rot, pink und orange. Zwischen einzeln im Meer stehenden Felsen geht es vorbei und nachdem wir ausgiebig die wunderschöne Felslandschaft bestaunt haben, nimmt es wieder Fahrt auf und bald sind wir zurück in Milazzo. Am Abend essen alle zusammen an schön eingedeckten Tischen im Restaurant auf dem Campingplatz. Der Ober ist ein wahrer Künstler – er trägt 8 Teller auf einmal und balanciert sie ohne Panne vor jeden auf den Tisch. Antipasti (verschiedene eingelegte Gemüse), kleine Makkaroni mit allerlei Meeresgetier, gefüllte Roulade mit Rosmarinkartof-feln und Erdbeeren mit Orangen in Fruchtsoße wandern nacheinander in unsere hungrigen Mägen. Es schmeckt köstlich und als wir wieder bei unseren Wohnmobil sind, bekommen wir als I-Tüpfelchen zum Abschluss dieses schö-nen Tages noch ein Feuerwerk zu sehen, das auf der anderen Seite der Bucht abgebrannt wird.
24. Tag – Mittwoch, den 13. Mai 2009
Wieder ein Tag zum Ausruhen, den wir erst einmal mit „Servicearbeiten“ beginnen – Wassertanken, Toilette entlee-ren, Boden saugen und kehren, einkaufen. Danach bleibt aber noch viel Zeit zum Baden und Spazierengehen. Eini-ge wagen sich auf den Pilgerpfad zur Schwarzen Madonna von Tinari, der aber wirklich nur mit sehr guten, festen Schuhen zu begehen ist. Hoch oben auf dem Berg liegt die Kirche, die sehr hübsch ist. Drumherum wie üblich viele Stände mit Nippes und Andenken für die Touristen. Wir machen am späten Nachmittag einen Spaziergang rund um die Dünen-Landzunge, die die schöne Bucht auf ei-ner Seite begrenzt und weit ins Meer hinausragt. Es ist ziemlich beschwerlich in dem weichen Kies zu laufen, aber ich finde einige wunderschöne rote Steine und daneben 2 kleine Geldstücke (für ein Brötchen morgen früh reicht es) und bin entschädigt für die mühsame Lauferei.
25. Tag – Donnerstag, den 14. Mai 2009
Schon ziemlich früh herrscht Aufbruchstimmung, obwohl die erste Gruppe erst um 10 Uhr losfährt. Auf der Autobahn fahren wir die Küste entlang, durch viele lange Tunnel. Zwischendurch gibt es aber immer wieder sehr schöne Ausblicke auf das Meer, über dem heute die Nebelfee Morgana ihre Schleier ausgeworfen hat. Kleine und größere Städtchen wechseln ab mit weiten Tälern mit Oliven- und Orangenhainen, blühende Oleanderbü-sche, Eukalyptusbäume und Kakteen säumen die Hänge bis zum Meer. Der Himmel bezieht sich mit Schleierwolken, aber es ist sehr warm. Nachdem alle auf dem Campingplatz angekommen sind, machen wir unseren letzten Busausflug auf Sizilien. Es ist nicht weit bis Cefalu, bald sehen wir die ersten Hotels und Häuser und ein Castello, das auf einem weit ins Meer hin-ausragenden Vorgebirge liegt. Im Zentrum erwartet uns eine Reiseleiterin, mit der wir in die Altstadt gehen. Durch enge Straßen schieben sich Fuß-gängermassen, Autos und Motorroller. Der Lärm und Gestank ist enorm und es nervt mich heute- Wir bekommen einige schöne Palazzi und den Dom gezeigt, in dem wunderschöne Goldmosaiken zu sehen sind und hören wieder die Geschichte von Roger und den übrigen Eroberern. Aber heute will einfach nichts in meinen Ohren hängen bleiben, es geht rechts rein und links raus. Sehenswert ist noch der alte Waschplatz, mitten in den Häusern. Von den Arabern sind mehrere Becken aus dem Fels gemeißelt worden, ein Bergbach liefert das frische Wasser und fließt hindurch. Bis ca. 1950 nutzten die Frauen von Cefalu dieses Waschhaus nicht nur zum Wäschewaschen sondern auch als Kommunikationszentrum! In einer kleinen Bar gönnen wir uns einen Cappuccino, der knatternde Verkehr rauscht an uns vorbei, die Gassen hinauf und hinunter (Einbahnstraße – was ist das?). Heute gibt es noch einmal ein gemeinsames Abendessen im Platzrestaurant. In meinem Kopf klopft und hämmert es, so dass ich es nicht richtig genießen kann. Meine Kopfschmerzen kommen bestimmt vom Wetterumschwung, der Wind weht wie ein warmer Fönwind von den Bergen und der Himmel ist bewölkt. Eine Tablette hilft schließlich und der Abend wird doch noch ganz nett.
26. Tag – Freitag, den 15. Mai 2009
Sizilien trägt Trauer – heute reisen wir ab! Aber bis zum Nachmittag haben wir noch Freizeit, der schöne Swimmingpool mit Meerwasser wird eifrig benutzt, die letzten Einkäufe können im Ort getätigt werden und einige fahren noch in das mittelalterliche Städtchen Pollina, das hoch oben, 760 m ü. M., auf einer Bergspitze thront. Kurz nach 17 Uhr nehmen wir die letzte Etappe nach Palermo unter die Räder. Die Autobahn dorthin verläuft fast nur durch Tunnel und über riesige Brücken, es ist ziemlich windig und der Himmel sieht gewittrig aus. Die hübsche Landschaft aus bizarren Felsformationen und größeren Wäldern und auch das Meer hüllen sich in einen bleichen Dunst. Rosa und rot blühende Oleanderbüsche und große Kakteen mit gelben Blüten säumen die Auto-bahn. Palermo erwartet uns mit dem bekannten Verkehrschaos, noch einmal dürfen wir den „abendlichen Stoßverkehr“ (höre ich jetzt Hannelore lachen?) genießen – Palermo-Feeling zum Abschied. Irgendwie schaffen es alle ohne grö-ßere Schrammen bis in den Fährhafen – erleichtert bekomme ich von unserem Kapitän sogar einen Kuss für „die gu-te Führung“! Nun heißt es warten, denn erst in ein paar Stunden dürfen wir an Bord.
27. Tag – Samstag, den 16. Mai 2009
Um 0.30 Uhr legt die Fähre ab. Wir haben diesmal einen guten Platz am Außenrand des Decks erwischt, können vom Bett aus das Auslaufen der Fähre aus dem Hafen miterleben. Nach einigen Stunden Schlaf erwarten wir gegen 9.30 Uhr unsere Frühstücksgäste und sitzen gemütlich bis 11.30 Uhr zusammen. Die Fahrt ist fast schaukelfrei und angenehm, wir lesen, essen, schlafen und bummeln über das Schiff. Die Sonne versteckt sich ein wenig im diesigen Himmel, wir sehen mehrere Inseln und die letzen Kilometer fährt der Kapitän ganz dicht am Festland entlang. Gegen 18 Uhr sind wir am Ziel und laufen in den Hafen von Livorno ein. Es geht recht flott vom Schiff hinunter und nun folgt noch eine kurze Fahrt bis nach Pisa auf den Campingplatz. Leier nehmen wir an einem Kreisverkehr die falsche Ausfahrt und machen eine unfreiwillige Stadtrundfahrt durch Pisa. Der Schiefe Turm schaut spöttisch über die Mauer und wir wissen ganz genau, dass der Campingplatz hier gleich „um die Ecke“ sein muss. Nachdem wir noch eine Tankstelle mit Bedienung gefunden haben, bekommen wir die richtige Wegbeschreibung und finden den Platz ein paar Straßen weiter. Richard hat schon auf sein letztes „verlorenes Schäfchen“ gewartet. Peter ist bei der Ausfahrt von der Fähre ein Malheur passiert, er hat eine Kurve zu eng genommen und an einem Absperrgitter gestreift. Nun hat er ein großes Loch und Dellen im Wohnwagen und Eveline hat keine Lust mehr auf einen Stadtbesuch. Die meisten Anderen machen dem Turm der Türme jedoch noch einen Abendbesuch. Es ist gar nicht weit, 10 Minuten zu Fuß. Da es schon leicht dämmerig ist, hebt sich das Ensemble Dom, Taufkapelle und Schiefer Turm auf dem Campo die Miracoli effektvoll vom hellen Abendhimmel ab. Strahlend weiß und imposant stehen die drei „Schö-nen aus Marmor“ auf dem grünen Rasen. Die meisten Touristen sind schon abgereist, viele Souvenirläden sind geschlossen und die fliegenden Händler packen auch zusammen. So können wir in aller Ruhe schauen und fotografieren. Zum Abschluss des Tages lassen wir uns in einer Pizzeria vor der Mauer eine Pizza servieren, die die beste ist, die ich auf dieser Reise gegessen habe. Der Campingplatz in Pisa ist ebenfalls erwähnenswert – die Sanitäranlagen sind sehr gut (die besten, die wir auf die-ser Reise vorgefunden haben), auch ein gut sortierter Laden und ein Restaurant gehören dazu.
28. Tag – Sonntag, den 17. Mai 2009
Zum letzten Mal singen wir heute früh unser Liedchen, Inge hat heute Geburtstag. Dann geht es los, Richtung Gardasee. Vorbei an malerischen Städten, durch die typische Toscanalandschaft mit Zypressen und zahlreichen Baumschulen, in denen in Reih und Glied die schönsten Pflanzen dieser Region wach-sen. Vorbei an großen Reisfeldern - bei Mantua überqueren wir wieder den Po, der immer noch braun, breit und träge durch die Ebene fließt – und erreichen am frühen Nachmittag den Campingplatz in Peschiera, der direkt am See liegt. Heute am Sonntag ist dort viel Betrieb und der Rundblick ist sehr schön. Im Hintergrund zeigt sich sogar der schnee-bedeckte Mt. Balon, der mich ein wenig an den Ätna erinnert. Am Abend feiert unsere Gruppe (2) Abschied auf der Terrasse des Campingplatzrestaurants. Wir sitzen oberhalb des Sees und haben einen wunderschönen Panoramablick. Die Lichter der Orte am anderen Ufer spiegeln sich im Wasser, Fackeln brennen auf der Brüstung der Terrasse und versetzen mich in eine romantische Stimmung, in der das Abschiednehmen schwer fällt. Wir machen das Beste daraus und es wird ein vergnügter und lustiger Abend.
29. Tag – Montag, den 18. Mai 2009
Die Reise ist ja auch noch nicht ganz zu Ende, eine Etappe bis nach Kramsach liegt noch vor uns. Die Gruppen ha-ben sich allerdings schon ziemlich aufgelöst, wir fahren ganz am Schluss allein los. Das Wetter ist immer noch gut, blauer Himmel und Sonnenschein begleiten uns. Bald sind wir in Südtirol, fahren durch das Etschtal und verlassen auf dem Brenner die Autobahn. Auf der alten Brennerstraße geht es durch ein hübsches Tal mit einem reißenden Bach und durch gemütliche Ortschaften. Wir blicken auf schneebedeckte Berge und frühlingsbunte Wiesen und erreichen den Campingplatz in Kramsach noch im Sonnenschein. Doch schon auf dem Weg zum gemeinsamen Abendessen beim „Toni“ müssen wir den Schirm aus-packen und kurz darauf öffnet der Himmel alle Schleusen. Aber wen stört das jetzt noch? Die Reise ist zu Ende und ein wunderbares Tiroler Bauernbüfett lädt zum Schmausen ein. Auch für eine zünftige Musik ist gesorgt, „Toni vom Brandenberg“ bringt Stimmung in die Gesellschaft. Unser „Ricardo“ hält eine kurze Re-de und fasst noch einmal kurz die Reiseerlebnisse zusammen und lobt uns sehr. Wir waren eine Supertruppe, ja, da hat er recht! Alle haben prima mitgemacht, alle haben sich miteinander vertragen und die Cliquenwirtschaft war mi-nimal ....... Peter hält im Namen dieser Supertruppe eine kleine Dankesrede für diese gelungene, supertolle Reise. Da wir so viele historische Gebäude gesehen haben, bedanken wir uns bei Hannelore und Richard mit einigen gedruckten Ex-emplaren auf Papier, die von den beiden für weitere Reisen genutzt werden können. Auch ich möchte danke sagen für diese wunderschöne Reise. Wir haben unheimlich viel „Kultur“ getankt, aber auch die Erholung kam nicht zu kurz, die Mischung war perfekt. Signora Etna, die fast die Hälfte unserer Reise auf uns herabgeschaut hat, war für mich sehr beeindruckend. Dank der guten Reiseleitung sind alle heute glücklich und zufrieden in Kramsach angekommen (halt, nicht alle – einige Mitfahrer sind noch in Italien zu einem anschließenden Urlaub geblieben oder schon aus persönlichen Gründen heimgefahren) und ich bin sicher, dass etliche auch im nächsten Jahr wieder eine DCC-Gemeinschaftsfahrt buchen werden! Zu unserem Abschiedsfest ist Frau Becker aus München angereist (und zwar mit dem Fahrrad!) und wir alle haben noch einmal sehr viel Spaß miteinander bei Musik und Tanz. Noch eine Nacht verbringen wir auf dem schönen Campingplatz, dann verabschiedet sich jeder, um die endgültige Heimreise anzutreten.
Diese Sizilienreise hat bei mir enorm viele Eindrücke hinterlassen, die ich mit diesem Reisebericht sortieren und ver-arbeiten konnte. Vielleicht hilft er Euch auch ein wenig, die gewaltigen, vielfältigen Dinge noch einmal im Geiste vor-beiziehen zu lassen und langfristig zu speichern. Er ist nach meinen persönlichen Erlebnissen und Erinnerungen entstanden, ein jeder füge seine eigenen Erlebnisse und Gedanken hinzu, so dass am Ende vielleicht alle einen per-fekten Reisebericht haben.
Nun wünsche ich weiterhin eine gute Zeit und viele unfallfreie, schöne Reisen! Bleibt alle gesund (Gerhard wurde letzte Woche am Knie operiert und es geht ihm gut) und ich hoffe, den einen oder anderen bei einer anderen DCC-Reise wieder zu treffen.
Viele liebe Grüße von
Brigitte und Gerhard Schmid 
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