Reisebericht Baltikumtour 2009
von Peter und Karla Weimar
Am Ankunftstag trafen sich die Teilnehmer in Stein bei Laboe auf dem Campingplatz Fördeblick. Die Fahraufkleber wurden angebracht und Erinnerungswimpel verteilt. Bei einem gemeinsamen Abendessen in der Gaststätte des Campingplatzes lernte man sich kennen. Es gab eine Einweisung und wir wurden in vier Gruppen mit le 4-5 Fahrzeugen/Gespannen aufgeteilt. Vor den jeweiligen Etappen fand immer am Abend zuvor eine Fahrerbesprechung statt. Die Abfahrt der Gruppen erfolgte in zeitlichen Abständen, wobei sich die Fahrleitung jeweils an die Spitze der ersten Gruppe setzte, die Reihenfolge variierte. Hatte jemand Geburtstag, was einige Male vorkam, gab es morgens ein kleines Ständchen und man prostete sich zu. Nach einer herrlichen Schifffahrt bei schönstem Wetter vorbei an Fehmarn, Rügen und der polnischen Küste, erreichten wir Klaipeda (Memel), nun galt die osteuropäische Sommerzeit. Kleinere Fähren brachten uns auf die kurische Nehrung mit Wald, Sand , Haff und Dünen. Schöne Natur begegnete uns, während wir vorbei an Juodkrante (Schwarzort) schließlich den Cppl. bei Nida erreichten. Beim ersten Spaziergang nach Nida, vorbei an vielen Menschen die dem Strand entgegenstrebten, war das Urlaubsgefühl perfekt. Sechs Tage blieben uns nun, die Region mit Bus, Schiff und zu Fuß zu erkunden. Beim ersten Busausflug mit dem netten Reiseleiter Alexander erlebten wir den russischen Teil der Nehrung, Königsberg und Cranz. Der Domchor von Königsberg gab ein beeindruckendes Ständchen und Alexander erzählte uns viel, auch persönliches, über Land und Leute. Königsberg selbst war für uns enttäuschend. Die Fahrt mit dem kleineren Ausflugsschiff durchs Haff in das Memeldelta mit einem Picknick bei Oma Minge wird jedoch wie so vieles in schöner Erinnerung bleiben. Dazu zählt auch der Ausflug über die Nehrung mit Manfreds fahrendem Fischerhaus. Einige Stichworte: Bernsteinmuseum Nida, Kurenfriedhof, Thomas Mann Haus auf dem Schwiegermutterberg, Komoransiedlung, Hexenberg in Juodkrante mit anschließender Kaffeepause und tollem Kuchen. Manfred werden wir gegen Ende der Reise noch mal treffen. Zu Klaipeda´s Besichtigung gehört die obligatorische Ännchen-Statue mit einer Trachtenmusikgruppe, die das Ännchen von Tharau Lied anstimmte. Ein Abstecher ins quirlige Palanga, der Urlaubshauptstadt von Litauen mit beeindruckendem Schloss (Bernsteinmuseum) und Schlosspark - wo sich etliche Hochzeitspaare fotografieren ließen - folgte. Ich denke, es werden sich einige Urlaubsandenken wie Kurenwimpel, Kleinigkeiten aus Bernstein, sowie ein Patchworkkissen aus Tallin unter dem Weihnachtsbaum wiederfinden. Erwähnt sei noch das feine Konzert in der Kirche beim Kurenfriedhof in Nida, wir haben es genossen, genauso wie die kleinen Wanderungen über die Dünen, durch den Wald zum Strand und ins schöne Nida. Eigentlich wollten wir gar nicht weiterfahren, hätten dann aber viel Eindruckvolles versäumt. Das nächste Etappenziel war Trakai. Die erste Gruppenfahrt war nicht ohne zeitliche Probleme, verlief ansonsten aber reibungslos, was in erster Linie der ausgezeichneten Vorbereitung und Ausarbeitung von Richard und Hannelore zu verdanken ist; man konnte der Streckenbeschreibung blind vertrauen. Nach einem kurzen Zwischenstopp (Kaffeetasse links im Wald) wurde unserer Gruppe bald klar, das es bis zur Stadtbesichtigung in Kaunas zeitlich knapp werden würde, daher konnte auch entlang des verträumten Memeltales kein Stopp mehr erfolgen. Die nachfolgende Gruppe konnte daher an der Stadtführung nicht teilnehmen. Die alte Hansestadt Kaunas, früher Grenzstadt zwischen Preußen und dem Zarenreich, wurde uns durch die Fremdenführerin näher gebracht. Übrigens, alle, die uns die Sehenswürdigkeiten des Baltikums zeigten, waren Lehrer/-innen und verdienten sich in den Schulferien etwas dazu. Ein Satz, der auf sämtliche baltischen Staaten zutrifft, hat sich uns eingeprägt: Wir wurden im Laufe der Geschichte immer wieder befreit! Erst jetzt trifft dies zu. Bald war Trakai erreicht, ein wichtiger Ort und ehemalige Hauptstadt des Königreiches von Polen und Litauen. Der Cppl. ist in die Seenlandschaft sehr schön eingebettet mit Blick auf die beeindruckende Burganlage, übrigens das am meisten fotografierte Motiv im Baltikum. Wir und eine Reisegruppe aus Holland bevölkerten den Platz. Besichtigt wurde Trakai mit Burg und natürlich die nahe gelegene Hauptstadt Vilnius, die den Anfang der Hauptstädte machte. Wir erfuhren viele Dinge, kulturell und geschichtlich, von allen Orten zu dehnen wir kamen auf unserer fast 5-wöchigen Reise. Trakai verbinde ich mit dem Besuch eines Cafes und herrlichen, selbst hergestellten Schokoladenerzeugnisse. Weiter ging´s zum geographischen Mittelpunkt Europas beim Dorf Purnuskes, nördlich von Vilnius. Bald erreichten wir den Berg der Kreuze, über und über mit Kruzifixen übersät: Mahnmal für Freiheit der gläubigen Menschen. Wir ließen Litauen beim stillgelegten Grenzübergang hinter uns bis sich bald das gewaltige Schloss Rundale (Lettland) mit schöner Gartenanlage vor uns erhob. Hier übernachteten wir ein einziges Mal auf einem Parkplatz vor dem Schlossgelände bei einem noch betriebenen alten Ziehbrunnen. Die Straßen waren alle gut ausgebaut, nur bei den teilweise zweispurigen Autobahnen begegneten uns Radfahrer, Straßenverkäufer, und zu den Bushaltestellen am Straßenrand liefen die Menschen quer über die Fahrbahn. Erwähnenswert sei noch die abenteuerliche Linksabbiegeregelung. Die Menschen, die wir trafen, waren alle sehr freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit. Uns (nicht nur mir) sind die hübschen baltischen Frauen aufgefallen, was auch auf St. Petersburg zutrifft. Der nächste Halt war ein Campingplatz im Gauja-Nationalpark, ein Paradies für Wanderer und Kanufahrer, direkt am Fluß Gauja gelegen, dem schönsten Fluss Lettlands, in er Nähe von Cesis. Cesis konnten wir in der Kürze der Zeit leider nicht sehen. Der Cppl. beeindruckte durch 2 Trockenklohäuschen und zwei saubere Duschen, eben Natur pur. Bei der Abfahrt gab es zwei kleine Zwischenfälle, Rolf musste auf der sandigen Piste vom Cppl. hoch zu Straße angeschoben werden und Günter vergaß eine Stütze hochzukurbeln, bei der Weiterfahrt entging Rolf nur knapp einem Unfall, zum Glück wurde nur das Stützrad beschädigt. Bald ist Estland erreicht mit Zwischenstopp beim Schloss Sangaste, das auch in England stehen könnte, mit schönem Park und Aussicht von oben. Vor Tartu gelangten wir zum Camping Waide Motell bei Elva. Es regnete das erste Mal auf unserer Reise. Wir besichtigten Tartu, das geistige Zentrum Estlands und alte Universitätsstadt, eine saubere Stadt mit beeindruckender Domkirchenruine. Die Abfahrt gestaltete sich für mich nicht so einfach, da ich auf der durchnässten Wiese angeschoben werden musste. Überhaupt war es eine tolle, hilfsbereite Gemeinschaft und meine Skepsis als Gemeinschaftsfahrerneuling war sofort verflogen. Der Peipus-See wurde erreicht und das Städtchen Mustvee. Hier trifft man auf die Nachfahren der altorthodoxen Gläubigen. Eine alte, deutschsprechende Frau, berichtet uns in der Kirche über ihre Religion und ihre Erlebnisse. Sie wird uns in Erinnerung bleiben, wie auch die nette Frau, die einen Korb mit Äpfeln unter uns verteilte. Auf dem Weg nach Toila hatten wir noch Zeit, das russisch-orthodoxe Nonnenkloster bei Kuremäe, eine beeindruckende Anlage mit Zwiebeltürmen und zackigen Mauern, zu besichtigen. Die Klintküste mit dem Kurort Toila ist erreicht. Toila erinnert uns an einen schönen Abend im Hotelrestaurant mit herrlichem Lammgericht, einem Spaziergang durch den Park Oru, vorbei an Konzertmuschel, Grundmauern des Sommersitzes des Staatspräsidenten, zum Hafen und zurück über den Soldatenfriedhof, und Einkauf im Tante Emma Laden des Ortes, wo uns eine Frau in fließendem Deutsch bediente. Es folgte eine mehrtägige Busreise nach St. Petersburg mit Hotelunterkunft mit guter Verpflegung.. Wir besichtigten die einmalige Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten mit Bus, Schiff, und zu Fuß (U-Bahn). Die Schönheit und der Prunk von St. Petersburg ist schon fast erdrückend, erwähnt unter vielen anderen, ebenso beeindruckenden Bauten seien die Eremitage, die Auferstehungskirche, Newski Prospekt, Cafe Singer, Puschkin, etwas außerhalb mit Katharinenhof und Bernsteinzimmer. Höhepunkt war der Besuch des Nikolaipalastes mit eine Folklorevorführung und anschließendem Gala-Diner sowie die Rückfahrt durchs nächtliche St. Petersburg, ein Traum. Unsere nette Reiseführerin Nelli darf nicht unerwähnt bleiben. Weiter ging die Reise Richtung Tallin, vorbei an den Herrensitzen Sagadi und Palmse. In Palmse wurden wir bei einer Kaffeepause in Tracht bedient. Es gab viel Momente auf der Reise wo man gerne noch etwas länger verweilt hätte. Pirita Hafen, vor den Toren Tallins, bei der gleichnamigen Klosterruine bescherte uns das Panorama einer aus dem Meer aufgetauchten Stadt aus einer längst vergangenen Zeit. Das mittelalterliche Tallin mit Blick auf Kreuzfahrtschiffe und Meer war für uns der persönlich Höhepunkt, zu dem auch der Spaziergang unterhalb von Sängerwiese und -muschel über Schoß Peterhof zur Altstadt zählte und der Rückweg am Meer entlang. Auf der Fahrt zu unserem nächsten Etappenziel hatte Helmut in Tallin einen Unfall, der glimpflich ausging und die Gruppe konnte die Fahrt danach fortsetzen. Der totale Gegensatz zum quirligen. mit Menschen übersäten Tallin erwartete uns auf der Insel Saaremaa. Schon die Fahrt zur Fähre war Erholung pur und stimmte uns auf ein paar ruhige Tage ein. Eine Busrundfahrt brachte uns die Sehenswürdigkeiten näher, erklärt von einer netten, älteren, ehemaligen Lehrerin, die wir auch noch mal zu Hause besuchten. Sie wohnte in der Nähe des schönen Campingplatzes. Wir sahen die Klintküste, das Mühlenmuseum, die Kirche von Karja, das Meteoritenfeld von Kaali, und natürlich die Inselhauptstadt Kuressaare mit beeindruckender Burg. Wir genossen Einsamkeit und Stille. Ein schöner Grillabend und eine Andacht mit Christine beendete unseren Inselaufenthalt. Der gute Wodka von Saarema lag im Kühlschrank als wir zurück aufs Festland und Richtung Riga fuhren. Ein Zwischenstopp wurde in Pärnu eingelegt, wo wir am Strand einen herrlichen Sonnenuntergang erlebten. In Riga folgte die letzte Stadtrundfahrt mit Rundgang und einem Abstecher nach Jurmala, dem Badeort von Riga mit seinen prächtigen Villen. Auch Rigas Altstadt war sehenswert mit Johanniskirche, Gildeplatz, Dom, wieder aufgebauter Rathausfassade und Schwarzhäupterhaus sowie den schönen Jugendstilfassaden. Krönender Abschluss der Reise bildete ein Essen mit Folkloredarbietungen in einem Hotel mit Blick auf Daugava und Schloss mit Altstadt und einem Wiedersehen mit Manfred. Noch eine letzte Etappe bis Ventspils und ein nicht allzu komfortables Fährschiff brachte uns nach Rostock, wo sich nach der Verabschiedung die Wege der Reiseteilnehmer trennten. Wir besuchten noch die Buga und machten uns danach auf den Heimweg. Als Fazit bleibt anzumerken: Eine wunderbar organisierte Reise von Richard und Hannelore und eine Gemeinschaft, die harmonierte. Dank an Euch. Peter und Karla.
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