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Fotos: Brigitte Schmid

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Berichte von Gemeinschaftsfahrten in die Türkei




273. Gemeinschaftsfahrt Türkei - zwischen Orient und Okzident





273. DCC Gemeinschaftsfahrt „Türkei“

 


Vom 27. April bis 3. Juni 2010

 

Fahrtleitung:  Richard Barnett und Hannelore Garbers



25. April 2010

In diesem Jahr haben wir uns für die Fahrt durch die Türkei entschieden! Die Reiseleitung ist uns von mehreren vorhergehenden Reisen wohl bekannt. Wir freuen uns sehr auf diese Reise, bei der wir die Seiten der Türkei, die bei einer Flugpauschalreise so nicht zu sehen sind, kennen lernen wollen!
Die Anreise über den Fernpass, das Inntal und weiter über den Reschenpass, durch Südtirol bis zum Zielort Levico-Terme im Trentino verläuft problemlos bei herrlichstem Frühlingswetter. Es ist Sonntag, es sind keine LKWs unterwegs, die Apfelbaumplantagen zwischen Meran und Bozen sind ein rosa Blütenmeer und so ist schon die Anfahrt vergnüglich und entspannend (so ein Beifahrer hat es doch gut!).
Hannelore und Richard erwarten die Reiseteilnehmer schon auf dem Campingplatz und begrüssen uns herzlich. Einige Mitreisende sind auch schon eingetroffen und selbst ein kurzer Regenschauer am Abend trübt die gute Laune beim Zusammensitzen in der Camping-Pizzeria nicht. Erfahrungen und Erinnerungen werden ausgetauscht, der Anfang für ein Miteinander auf unserer Reise ist gemacht.

26. April 2010

Sonnenschein pur am Vormittag, ein bisschen Gewittergrollen am Nachmittag – heute erholen wir uns noch einmal bevor es morgen endlich losgeht!
Am Abend sind fast alle Teilnehmer eingetrudelt, viele kennen den einen oder anderen von einer früheren Gemeinschaftsfahrt und es herrscht „Gute Laune pur“!

 

 

 


1.Tag – Dienstag, den 27. April 2010

Nach ergiebigen Regenfällen in der Nacht lösen sich die Wolken im Laufe des Tages auf und die Sonne zeigt sich wieder. Mit einem Spaziergang in den Ort vertreiben wir uns die Zeit bis zum Nachmittag. Inzwischen sind auch die letzten Mitreisenden eingetroffen, Richard und Hannelore haben an Wohnwagen und Wohnmobilen die lilabraunen Punkte mit den Nummern geklebt und hübsche Wimpel verteilt. Bei uns wird er zu den anderen in die „Schlafzimmerfenster“ gehängt.

Pünktlich marschieren wir alle um 17.15 Uhr Richtung Campingplatz-Pizzeria und Richard begrüsst seine Reisegruppe nun auch offiziell. Er gibt einen kurzen Überblick über die nächsten 5 ½ Wochen, Glückskäfer aus Schokolade versüssen uns den Anfang. Hannelore verteilt „Muckenpatscher“ für eventuell zu erwartendes Viehzeug (oder zur Züchtigung der Ehegatten?) und Deutschlandfahnen für die Patrioten (oder Fussballfans – die WM ist ja auch bald?). Dann kommt der „spannende Moment“, auf den Kenner der Gemeinschaftsfahrten schon „den ganzen Tag hinfiebern“! Die Blätter mit der Gruppeneinteilung werden verteilt – wer fährt mit wem in welcher Gruppe?
Es ist wie immer gut gemischt – Nord und Süd, Ost und West, Wohnmobile und Gespanne. Wir sind in Gruppe 4 eingeteilt und fahren morgen als letzte, da müssen wir nicht so früh aufstehen.

Aber nun wird aufgetischt und wir lassen es uns schmecken – nach dem Vorspeisenteller gibt es Lasagne, Kalbsbraten mit Pilzsosse, grüne Bohnen und Bratkartoffeln. Und obwohl ich schon „pappsatt“ bin, kann ich bei dem Dessert nicht widerstehen – Tiramisu, hmm, lecker.
Anschliessend setzen wir uns mit unseren Gruppenmitgliedern zusammen. Wir sind uns schnell und problemlos einig, in welcher Reihenfolge wir morgen fahren wollen. Nun noch eine Nacht schlafen, dann geht es los!


2. Tag – Mittwoch, den 28. April 2010

Bei blauem Himmel und Sonnenschein verabschieden wir uns von Levico-Terme, das wunderschön in einem Talkessel liegt, umrahmt von Bergen – manche grün, manche felsig und die ganz hohen noch schneebedeckt. Auf der SS 47, die an vielen Stellen vierspurig ist, kommen wir flott voran. Durch ein enges Tal begleitet uns der Brenta-Fluss in Richtung Mittelmeer, die Berge sind bewaldet und leuchten frühlingshaft hellgrün. Schroffe Felswände unterbrechen das Grün, kleine Ortschaften mit weissen und orangegelben Häusern klammern sich an die Hänge. Als sich das Tal weitet, fahren wir noch ein kurzes Stück auf der Autobahn und dann ist Venedig schon erreicht.
Über einen langen Damm geht es zum Fährhafen und schon bald können wir auf das Schiff. Die Crew dirigiert uns rückwärts bis zu den geladenen LKWs, dort haben wir einen „Fensterplatz“ mit freiem Ausblick aus dem WoMo aufs Meer.
Um 14 Uhr legt die Fähre ab. Langsam zieht sie an Venedig vorbei. Wie die Kulisse in einem Theaterstück präsentiert sich die Stadt mit den vielen Kirchen und Palästen, den Kanälen und Brücken, dem Markusplatz und dem Dom.
Zwischen allem ist ein geschäftiges Treiben – Menschen, die in den Kaffeehäusern sitzen, die Sehenswürdigkeiten besichtigen oder sich in den Gondeln über die Kanäle fahren lassen.
Über das Wasser, das meergrün in der Sonne glitzert, flitzen Dutzende von Motorbooten hin und her. Und wir stehen auf dem obersten Schiffsdeck und bewundern dieses grandiose Schauspiel!
Nach einiger Zeit sind wir auf dem Meer, das herrlich glatt ist und eine schöne, schaukelfreie Überfahrt verspricht. Auf dem Oberdeck am Swimmingpool geniessen wir noch eine Zeitlang den Sonnenschein, schlecken ein Eis und unterhalten uns mit unseren Mitreisenden.


Für den Abend und die Nacht sind wir im WoMo, denn wir machen „Camping an Bord“. Nun haben wir zwar einen Platz mit schönem Ausblick erwischt, leider aber auch die lauteste Stelle direkt über dem Motorenraum. Auch das Gerüttel ist ziemlich unangenehm, ob man sich wohl daran gewöhnt?

 

 

3. Tag – Donnerstag, den 29. April 2010

In der Nacht hatte ich einen einzigen Alptraum: der Klabautermann stand mit einem Presslufthammer direkt neben meinem Bett und lachte auch noch dabei! Ich habe in meiner Verzweiflung ganz ernsthaft überlegt, ob schon einmal jemand über Bord gesprungen ist, der diesen Lärm nicht mehr ertragen konnte!
Endlich ist die Nacht überstanden und der Blick aus meinem „Schlafzimmerfenster“ entschädigt mich ein bisschen. Am Horizont treibt eine vergoldete Wolkenbank über einem leicht gekräuselten Meer. Auf jeder kleinen Welle erscheint ein Schaumkrönchen auf dem blaugrünen Wasser.
Nach einem guten Frühstück sieht die Welt dann gleich noch viel besser aus und es ist auch nicht mehr weit bis zu unserem Zielhafen Igoumenitsa in Griechenland. Bald kommt Land in Sicht, wir überstehen ein kleines Gewitter über Albanien, entdecken die ersten Orte zwischen den Hügeln und sehen Korfu auf der anderen Seite. Dicht am Ufer entlang geht es weiter gen Süden, Sandbuchten wechseln sich mit sanften Hügeln ab, die sich in zarten Grünschattierungen in Staffeln bis zum Horizont erstrecken. Der Himmel ist nun wieder blau, so wie man sich das für den Urlaub wünscht!
Kurz vor 12.30 Uhr haben wir unser Ziel erreicht und in kürzester Zeit ist unsere Gruppe wieder an Land! Es geht sofort weiter! Auf der A 2 fahren wir durch eine bergige Landschaft. Die Vegetation ist üppig grün, am Strassenrand blüht gelber Ginster. Direkt an der Autobahn brütet ein Storch in einem Nest auf einem Telegrafenmast! Pinkfarbene Büsche und Bäume tupfen Farbe in das Grün, Olivenbäume und Zypressen lockern es auf.
Die neue Autobahnstrecke windet sich an den Hängen entlang, durch Tunnel und Brücken. Grosse Tafeln zeigen uns an, wie viel Milliarden hier in den letzten Jahren verbaut worden sind.
Im Hintergrund sind bald kahle Felsrücken zu sehen, die höchsten noch schneebedeckt. An der Abfahrt 8 sollen wir die Autobahn verlassen. Diese Ausfahrt heisst jetzt 7 b und Hans-Hermann, der unsere Gruppe führt, fährt weiter (unser heftiges Blinken und Hupen ignoriert er). Nun „dürfen“ wir die nagelneue Autobahnstrecke weitere 30 km „testen“ bis die nächste Ausfahrt kommt. Dort entscheiden wir uns, die Strecke wieder zurückzufahren und dann an der richtigen Stelle abzubiegen. Hans-Hermann und Eberhard wählen die andere Richtung, sie sind am Ende erst 1 Stunde nach uns auf dem Campingplatz. Carl-Eduard, der als letzter in unserer Gruppe mitfährt, ist gleich an der richtigen Ausfahrt abgefahren und hat sich diese „Extratour“ erspart.
In Serpentinen geht es bergauf und bergab, von einer Höhe kann man nach einiger Zeit auf die mächtigen, runden, kahlen Felsformationen blicken, auf denen die Meteoraklöster thronen. Dort unten in Kalambaka liegt der Campingplatz direkt unterhalb eines gewaltigen Felsens. Den steuern wir heute an.
Nach dieser 60 km langen Zusatzfahrt habe ich keine Lust mehr zum Kochen und so geht es noch vielen anderen Mitfahrern. Viele treffen sich zum Essen auf der Terrasse des Campingplatzrestaurants. Bei griechischem Salat und Wein, Fleisch vom Spiess und Joghurt mit Honig lassen wir den Tag ausklingen. Der Wirt veranstaltet noch eine kleine Lotterie und verlost einige Souvenirs, einen Strohhut, Bildbände und Ikonen. Glücksbringer kann man immer brauchen, also bekommt sie einen Ehrenplatz im WoMo.

 


4. Tag – Freitag, den 30. April 2010

Die Nacht war sternenklar und es ist ziemlich kühl geworden (10 Grad), aber die Sanitäranlage ist sehr gut und die Duschen spendieren genügend heisses Wasser (was später ganz oft nicht mehr der Fall sein wird – aber das wissen wir heute noch nicht!).Wir fahren um 9.15 Uhr als zweite Gruppe los und sehen am Ortsausgang Friedel, Pavel und Karl in ihren Fahrzeugen am Strassenrand stehen. Bei der nächsten Tankstelle wartet Richard. Was ist los? Ahmed hat die Abfahrt verpasst. Wir können berichten, dass er vor dem Campingplatz steht (Richtung Einfahrt). Hannelore rauft sich die Haare, telefonisch ist er nicht zu erreichen. Wir tanken, Ahmed ist immer noch nicht aufgetaucht. Richard schickt uns schon einmal voraus, Gruppe 3 ist verständlicherweise sauer.
Auf sehr kurviger, schmaler Strasse geht es bergauf und bergab. Da auch viele LKWs diese Strecke benutzen, kommen wir nur langsam voran. Von den Höhen hat man einen herrlichen Rundblick über das Land. Hinter sanften Hügeln sind hohe Schneeberge im Dunst zu erkennen. Wir kommen durch kleine Ortschaften mit weissen, quadratischen Häusern, direkt neben der Strasse stehen überall kleine Kirchlein im Puppenhausformat, die z. T. auch geschmückt sind. Eine Brücke führt über einen grünen Fluss, der sich durch ein enges Tal mit rund geschliffenen Felsen schlängelt. Nach 1 ½ Stunden haben wir die 60 km bis zur Autobahn geschafft!
Bei Vergina kommen wir durch eine grosse Tiefebene mit riesigen Obst- und Gemüseplantagen – Pfirsich, Wein, Spargel und auch Getreide wird hier angebaut. Kurz vor Thessaloniki sehen wir den ersten Parkplatz an dieser Autobahn. Er ist sehr voll und wir „quetschen“ uns gerade noch hinein. Als die nachfolgende Gruppe nach 20 Minuten einfährt, machen wir ihr schnell Platz. Was wir nicht ahnen konnten: danach gibt es in kurzen Abständen nochmals 5 oder 6 Parkplätze, die fast leer sind (ein kleiner Hinweis ist der Routenbeschreibung wäre ganz sinnvoll gewesen!).
Nachdem die Halbinsel Chalkidiki überquert ist, haben wir einen schönen Ausblick auf das Meer. Lange Sandbuchten warten auf den Sommer und die Badegäste, Ferienhäuser auf ihre Bewohner. Die Autobahn windet sich um die Berge herum, gibt immer wieder den Blick auf das Wasser und weisse Städtchen am Hang oder einen Marmorsteinbruch frei.
Es ist 16 Uhr und nach 400 gefahrenen Kilometern sollten wir jetzt eigentlich am Ziel in Alexandroupolis sein. Heute haben wir uns garantiert noch keinen einzigen Kilometer verfahren und sind noch nicht einmal in Xanthi, geschätzte 120 km vom Campingplatz in A. entfernt! Richard, wolltest Du uns mit den „unterschlagenen“ Kilometern bei Laune halten?
Zum Glück ist die A 2 gut ausgebaut und sehr wenig befahren. Auffallend sind hier die Verkehrsschilder, die fast alle beschmiert und kaum lesbar sind. Welche „ Raudis“ haben wohl daran „Spass“ gehabt? Endlich erreichen wir nach 8 ½ Stunden (incl. 2 Tankstopps und 3 Pausen) das heutige Ziel – ein Platz direkt am Meer. An den langen Sandstrand plätschern leise die Wellen, von unserem Stellplatz unter einem hohen Strohdach können wir einen wunderschönen, glutroten Sonnenuntergang bewundern und den Tag mit einem Glas Wein „vor der Haustür“ abschliessen.


5. Tag – Samstag, den 1. Mai 2010

Ein blassblauer Morgenhimmel ohne eine einzige Wolke, ein glatt gebügeltes Meer und eine empfindliche Kühle (11 Grad) begrüssen uns. Heute fahren wir als erste Gruppe, Richard vorneweg. Es sind nur noch ca. 50 km bis zur türkischen Grenze, unterwegs fehlt uns plötzlich unser letztes Fahrzeug – Hans-Hermann mit seinem Gespann. Nachdem wir in ca. 40 Minuten alle Grenzformalitäten erledigt haben und nun endlich in unserem Urlaubsland sind, ist H.-H. immer noch nicht da.
 Funkkontakt kann nicht hergestellt werden, er meldet sich nicht. Endlich ein Anruf – er ist mit einem Getriebeschaden auf der Autobahn kurz nach Alexandroupolis liegen geblieben. Der Schreck ist gross, aber auch die Erleichterung, dass das Malheur noch in Griechenland, in der EU, passiert ist. Bereits bei der Anreise hatte das Auto am Brenner gestreikt und musste in einer Werkstatt wieder flott gemacht werden. Es sollte sich noch einmal bei dieser Türkeireise „abarbeiten“, wozu es wohl keine Lust mehr hatte. Schon auf anderen Reisen hat es gekränkelt und seinem Besitzer zu verstehen gegeben, dass es müde und alterschwach ist. Sein Nachfolger steht schon in der Garage und wartet auf seinen Einsatz, vielleicht in Zukunft nicht mehr umsonst. Schade, nun verpasst ihr Beiden wahrscheinlich die eigentliche Reise.
Es geht weiter, die unmittelbare Gegend nach der Grenze sieht ziemlich vermüllt und verdreckt aus. Die Strassen sind in einem schlechten Zustand, Schlaglöcher und Spurrillen bremsen unsere flotte Fahrt. Bald können wir rechts das Meer sehen, die Farbe wechselt zwischen türkis und dunkelblau, davor Getreide- und Rapsfelder, im Hintergrund Hügelketten. Das Ufer wird von kleinen, pastellfarbenen Ferienhäuschen gesäumt. Vor Gelibolu erblicken wir endlich auf der linken Seite die Dardanellen. Unzählige Schiffe begleiten uns nun auf dem Wasser, auch ein U-Boot ist dabei. Die Hügel auf der anderen Seite der Meerenge gehören bereits zu Asien.
 Gegen 13 Uhr erreichen wir den Campingplatz beim Hotel Kum, der direkt am Meer liegt. Am Nachmittag mache ich mit Antje einen kleinen Spaziergang zum Strand. Für ein Fussbad ist die Temperatur des Wassers gerade noch annehmbar, d. h. es ist ziemlich kalt!
Am späten Nachmittag werden wir von unserem Bus mit Reiseleiter abgeholt. Sie werden uns ab heute während der ganzen Türkeireise begleiten. Wir fahren zur Südspitze der Halbinsel Gallipoli zum grossen Mahnmal. In den Schlachten des Ersten Weltkrieges sind hier fast 500.000 Tote zu beklagen gewesen und in einer Gedenkstätte mit etlichen Monumenten (Gräber, Rosenbüsche, Bäume, Gedenkmauern und Mahnmal) wird an sie erinnert.
Viele, viele Türken machen am Wochenende mit Bussen ihren Familienausflug hierher, die Picknickplätze quellen über mit Abfällen. Das „Kriegsmuseum“, in das uns unser Guide Altug führt, ist gar nicht nach meinem Geschmack. Ich bin ganz schnell wieder draussen. An einem Verkaufsstand werden Helma und ich von einer älteren Türkin angesprochen, die uns in einigermassen gutem Deutsch erzählt, dass sie 15 Jahre in Celle gearbeitet hat. Sie ist noch immer begeistert von dieser Zeit und würde gerne ihre Tochter besuchen, die dort wohnt. Aber da ihr Mann nicht verreisen will, kann sie es auch nicht. Sie erzählt uns von ihrem Leben hier und will uns gar nicht mehr gehen lassen!
Aber wir müssen weiter, schliesslich wartet das Abendessen auf uns!
Ein riesiges Büffet ist für uns und unseren Hunger im Hotelrestaurant aufgebaut. Es sieht nicht nur toll aus, sondern schmeckt auch so. Zuerst geniesse ich ein leckeres Süppchen, dann fülle ich meinen Teller mit den Vorspeisen (nur ein winziges Häppchen von jeder Köstlichkeit und schon ist er randvoll). Danach gibt es verschiedene warme Hauptgerichte und als krönenden Abschluss Unmengen verschiedenster Desserts, manche „türkisch“ übersüss, aber viele richtig lecker. Die Getränkeauswahl ist ebenfalls gross – Bier, Wein, Wasser, Cola – alles wird serviert.
Unser Reiseleiter Altug stellt sich und den Busfahrer offiziell vor, der Chef der Beiden verteilt kleine Geschenke und Richard nimmt eine kleine Gruppenkorrektur vor. Da Hans-Hermann endgültig nicht mehr an der weiteren Reise teilnehmen kann, wechseln Rolf und Renate aus Gruppe 2 zu uns.
Der Anfang in der Türkei lässt nichts zu wünschen übrig, auch die Sanitäranlagen des Platzes sind in Ordnung und zufrieden können wir in schönen Träumen versinken.


6. Tag – Sonntag, den 2. Mai 2010

Heute Morgen müssen wir früh aus den Federn, um 8 Uhr fährt die ganze Gruppe in Kolonne Richtung Hafen Eceabat. Wieder begegnen uns unzählige Busse, die ihre Insassen zu dem grossen Mahnmal bringen.
Im Fährhafen herrscht reger Betrieb, doch wir bekommen alle einen Platz auf der Fähre. Sie schippert mit uns in einer halben Stunde über die Dardanellen und von Canakkale aus geht es gleich weiter bis Troja.
Troja – sehr viel ist nicht mehr zu sehen. Vor langer Zeit einmal ausgegraben, heute schon wieder ziemlich zugewachsen. Troja – sagen- und geschichtenumrankter Ort der Antike. Jetzt gehört er zum Weltkulturerbe.

Die „Holzhütte Schiemanns“ ist zwar nur ein Überbleibsel von Filmdreharbeiten des NDR, aber ein hübscher Blickfang. Schliemann war „Homerbesessen“ und legte zwischen 1870 und 1894 unter einem Hügel einen Teil von Troja frei. Er stiess dabei auf den Goldschatz des Priamos. Später legten Archäologen 46 verschiedene Siedlungen in 9 übereinander liegenden Schichten frei, die von 3.200 v. Chr. bis 400 n. Chr. existiert haben sollen.
Altug erzählt sehr ausführlich von all den Göttern und ihren Geschichten, dann machen wir einen Rundgang über das Gelände. Viele Schulklassen springen um uns herum, für sie ist das Wichtigste das grosse, hölzerne Pferd im Eingangsbereich.
Auch das wurde für Filmaufnahmen gebaut, eignet sich jetzt aber hervorragend zum Hineinklettern und ist mit Sicherheit das meistfotografierte Motiv!
Bevor wir weiterfahren, können wir uns noch in einem kleinen Restaurant stärken oder die ersten Souvenirs erstehen. Von der nahen Moschee ruft der Muezzin zum Gebet, aber wir nehmen wieder die Strasse unter die Räder!
Sie führt uns bergauf und bergab durch bewaldetes Hügelland, ein kleiner Fluss glitzert im Sonnenschein. Am Strassenrand treibt ein Ziegenhirte seine kleine Herde die Grasböschung entlang. Als wir wieder die Küste erreichen, zeigt sich das Meer türkisgrün und unser Blick fällt auf die griechische Insel Lesbos.
Nun geht es auf 6spuriger Strasse am Ufer entlang, durch Badeorte mit vielen Hotels und nicht mehr bewirtschafteten Campingplätzen. Der Strand ist schmal und kiesig, ein paar Kinder baden und an den Strandbuden wird eifrig gewerkelt, damit für die kommende Saison alles in Ordnung ist. Die Häuser in den Ortschaften sehen sauber und gepflegt aus und sind meistens mit schönen Gärten umgeben, in denen Rosen, blühende Büsche, Palmen, Pinien und Olivenbäume wachsen.

In Burhaniye erreichen wir den Campingplatz. Er liegt direkt am Strand. Hannelore registriert entsetzt, dass die im letzten Jahr noch so schön angelegte Promenade im Winter vom Sturm weggerissen worden ist, ebenso grosse Teile vom Strand. Das Restaurant ist noch nicht bewirtschaftet, zu unserer Fahrerbesprechung serviert der Wirt allerdings auf Wunsch Getränke. Auch die Sanitäranlagen sind nur „bedingt tauglich“. Türen lassen sich nicht schliessen und am nächsten Morgen ist das Duschwasser eiskalt.
Draussen ist es schon recht kühl und so rückt unsere kleine Gruppe am Abend im WoMo von Carl-Eduard und Antje ganz eng zusammen, um das nagelneue WoMo von Eberhard und Suse „zu begiessen“. Auch unseres macht seine erste grosse Reise und bekommt ein Schlückchen ab!

 


7. Tag – Montag, den 3. Mai 2010

Die ersten Kilometer sind heute sehr mühsam. Auf einer ca. 9 km langen Baustellenstrecke geht es nur im Schneckentempo vorwärts. Direkt vor uns fährt ein Sprengwagen, der die staubige Strasse bespritzt. Die Autos sehen danach alle aus, als wären sie durch eine Zementanlage gefahren. Die roten Streifen an unserem WoMo sind nicht mehr zu sehen.
Nach gut 2 Stunden haben wir Bergama erreicht. Dort stehen wir auf einem hübschen, kleinen Platz zwischen Olivenbäumen auf einer Wiese. Es gibt sogar einen Swimmingpool, leider z. Zt. noch ohne Wasser (so einen wasserlosen Pool sehen wir nicht das letzte Mal).
Altug hat uns vorgeschlagen, dass wir einen kleinen Ausflug ins Landesinnere zu einem typischen kleinen Dorf machen können, um uns das Leben dort anzuschauen. Zuvor geht es allerdings erst einmal in eine kleine Fabrik, die Onyxsteine verarbeitet. Der Besitzer führt uns vor, wie so ein Stein bearbeitet wird und danach „dürfen“ wir in die Verkaufsausstellung, der auch noch ein Schmuckverkauf angeschlossen ist. Wir schauen, bekommen einen Apfeltee serviert und einige wenige kaufen auch etwas ein. Die Verkäufer sind sehr nett und nicht aufdringlich und winken uns zum Abschied hinterher.

Nun geht es in die Berge, alles ist bewaldet mit riesigen Pinienbäumen. Kühe klettern im Wald und zwischen grossen, runden Felsen herum. Neben einer kleinen Fabrik liegen hohe Berge Pinienzapfen, aus denen werden die begehrten Kerne gewonnen.
Als wir im Dorf ankommen, begrüsst uns der „Dorfälteste“ (der Bürgermeister?) herzlich. Auf dem Weg zu seinem Haus sehen wir das Backhaus, das noch von allen Bewohnern genutzt wird. Seine Frau wartet schon im Hof vor dem Haus, umarmt alle Frauen und verteilt Wangenküsse. Auch hier liegen kleine Haufen mit Pinienzapfen, die von den Frauen entkernt werden.
Wir dürfen ins Innere des Hauses und stolz zeigt sie uns die Zimmer, die alle mit vielen Teppichen ausgelegt sind. In der Küche gibt es eine Gefriertruhe und im Wohnzimmer einen Fernseher. Die vielen Fotos an den Wänden zeigen ihre Tochter, die studiert und nicht mehr zuhause ist.
Auf dem Dorfplatz setzen wir uns an die Tische, die für uns bereitgestellt sind und probieren Thymian-, Apfel- oder Schwarztee und zum Schluss den Wein, der hier angebaut wird. An den anderen Tischen sitzen die Männer des Dorfes, spielen Karten, trinken Tee und palavern. Einige Frauen kehren von der Feldarbeit heim. Hier hat es sich noch nicht durchgesetzt, dass auch die Männer bei der Arbeit mithelfen.
Auf der Rückfahrt erzählt uns Altug ausführlich und anschaulich von den vielen Sitten und Bräuchen, die auf dem Land noch immer zum täglichen Leben gehören. Die Tradition verlangt z. B. bei der Braut-werbung und den nachfolgenden Hochzeits-zeremonien viele Dinge, die uns erstaunen und fast unglaublich erscheinen.
In Bergama .macht der Bus einen Zwischenstopp und wir haben die Möglichkeit, noch etwas beim Bäcker, Metzger oder im Gemüseladen einzukaufen. Den Rest des Tages nutze ich zum Relaxen, denn die Sonne scheint und es ist schön warm.


8. Tag – Dienstag, den 4. Mai 2010

Heute besichtigen wir als erstes Pergamon, das sich auf dem Burgberg oberhalb von Bergama erstreckt. Zurzeit müssen wir noch mit dem Bus hinauf fahren, aber am Fusse des Berges ist eine Bergbahn im Bau, die ab dem 19. Mai d. J. die Besucher hinaufbringen soll. Während wir im Bus sitzen, versucht Altug, uns jeden Tag ein neues türkisches Wort beizubringen. Er schreibt es an die Windschutzscheibe, damit wir immer wieder nachschauen können, wenn wir es vergessen haben. Einige wenige kann ich behalten!
Wir betreten das Ausgrabungsgelände und im Schatten eines Baumes beginnt Altug die Geschichte von Pergamon zu erzählen. Er weiss wieder ganz viel von den Göttern - wer mit wem, weshalb und wann, wieso und warum. Es ist ein Durcheinander von Zahlen und Geschehnissen, mir schwirrt der Kopf.
Im 3. JH. v. Chr. schenkte Lysimachos, Feldherr von Alexander dem Grossen, der Stadt 9.000 Talente. Damit wurde die Stadt prächtig ausgebaut und entwickelte sich zu einem Zentrum der Kunst, Religion und Medizin. Sie beherrschte weite Teile von Asien.
Im Athenatempel, von dem noch Reste der Säulen erhalten sind, entstand eine berühmte Bibliothek.
Hier wurden 200.000 Buchrollen aufbewahrt. Die Ägypter wurden eifersüchtig und lieferten kein Papyros mehr. Daraufhin wurde in Pergamon auf Tierhäuten geschrieben. Dies war die Geburtsstunde des Pergaments und somit auch des Buches!
Wir besichtigen das Theater, das für 10.000 Besucher gebaut wurde und die steilsten Sitzreihen aller Theater der Antike aufweist.

Von hier hat man einen herrlichen Blick in die Umgebung und kann auf den Plätzen ein wenig verschnaufen.Wir sehen die Reste vom Dionystempel, dort wurden die Gaben und Spenden gesammelt, die die Besucher für die Schauspieler mitbrachten, denn für ihre Vorführungen wurde kein Eintritt verlangt.

Anschliessend geht es steil hinauf zum Zeusaltar, aus seinen Fundamenten wächst eine Kiefer. Zum Schluss sehen wir uns noch das Prunkstück von Pergamon an, den Trajantempel. Seine korinthischen Marmorsäulen ragen hoch in den tiefblauen Himmel empor. Die wichtigsten Fundstücke kann man allerdings nicht hier, sondern im Pergamonmuseum in Berlin besichtigen (den berühmten Altar und vieles mehr).
Wir schlendern auf der antiken, gepflasterten Strasse wieder hinunter zum Ausgang. Stände mit allerlei Andenken oder frisch gepresstem Orangensaft werben um Käufer. Wir müssen jedoch weiter, der nächste Besichtigungspunkt wartet schon!

Unser Bus bringt uns nach Asklepion, einem Kurbad der Antike, in dem die Ärzte nur die Patienten behandelten, die noch allein die ca. 1,7 km lange Hauptstrasse zu Fuss bewältigen konnten.
Mit Schlafkuren, Diäten und Thermalwasser versuchten sie dann zu heilen. In dem zweistöckigen Therapiezentrum sind noch die Badewannen zu sehen, auch durch Teile der Hallen, Tempel und Badehäuser führt uns Altug. Abwechslung fanden die Patienten bei Aufführungen im Theater, das wieder restauriert ist und heute noch zu Veranstaltungen genutzt wird.
An einem Brunnen fliesst das heilende Wässerchen auch heute noch. Ich kann nicht widerstehen und muss einen Schluck probieren. Es ist kühl, schmeckt gut und erfrischt.
Von der Hitze zermürbt erreichen wir den Ausgang. Es bleibt noch Freizeit, um den obligatorischen Andenkenhändlern etwas abzukaufen (ein hübsches Lesezeichen aus Pergament ist nicht schwer und passt in meine Tasche) oder einen Tee zu trinken, dann plumpsen wir auf die Sitze in unserem klimatisierten Bus.
Auf der Rückfahrt zum Campingplatz fahren wir wieder durch Bergama. Vor den Läden und den Hauswänden hängen und liegen viele bunte Kunstwerke. Die Teppiche sind ein Markenzeichen der Stadt. Sie gehören mit 12 geknüpften Knoten pro Quadratzentimeter zu den interessantesten der Türkei und haben durchaus ihren Preis!
Am Abend, nach einem ganz „faulen Nachmittag“ gehen wir zum gemeinsamen Abendessen ins Platzrestaurant. Es ist ein kleines Büfett hergerichtet, das aber längst nicht so appetitlich aussieht, wie das vorherige im Hotel Kum. Alle Gerichte schwimmen in irgendeiner Sosse oder Brühe, aber ich habe Hunger und greife zu.


9. Tag – Mittwoch, den 5. Mai 2010

„Montezumas Rache“ (oder wie der hier zuständige Gott heissen mag) folgt unverzüglich – in der Nacht oder am Morgen ereilt sie Etliche von uns! Auch mich erwischt es heftig, leider kann ich in meinen Schränken keinen schwarzen Tee finden und so gehe ich bei meinen lieben Mitreisenden „hausieren und betteln“. Ich schlucke noch die entsprechenden Tabletten, dann kann die Reise weiter gehen!
Das schöne Wetter hält an, der Himmel hat sich mit einigen Schleierwölkchen geschmückt. Bis Selcuk verläuft die Fahrt prima, dann verpassen wir eine Abfahrt und machen eine „Mini-Wallfahrt“ zu „Virgin Marys House“ hoch oben auf dem Berg. Über Serpentine geht es immer höher, eine Wende-möglichkeit gibt es erst auf dem Parkplatz vor dem Kloster.
Der zweite Anlauf zum Campingplatz klappt, wir kommen nur etwas verspätet an. Der Platz liegt an einem wunderschönen Sandstrand, der von Palmen umsäumt ist. Die sanitären Anlagen sind sehr ordentlich und es gibt eine Waschmaschine, die ich nach dem Malheur der letzten Nacht auch gleich benutze.
Am Nachmittag treffen wir uns an einer gemeinsamen Kaffeetafel. Tische und Stühle und das Getränk bringt jeder mit, den Kuchen spendieren Hannelore und Richard. Leider kann ich alles nicht so recht geniessen, ich knabbere an Salzstangen und trinke Cola.
Meine Wäsche flattert lustig im Wind und ist zum Glück bis zum Abend trocken!


10. Tag – Donnerstag, den 6. Mai 2010

Da auch heute noch viele mit Montezumas Rache kämpfen, verlegt Richard die Besichtigung von Ephesus und das gemeinsame Abendessen auf morgen.
Altug bietet den einigermassen Gesunden an, mit dem Bus nach Selcuk zum Einkaufen zu fahren. Da ich mich schon wieder ganz gut fühle, möchte ich „die Nahrungssuche“ nicht versäumen. Wir machen eine kleine Rundfahrt durch das hübsche, saubere Städtchen und Altug zeigt uns die Einkaufsläden und die Fussgängerzone in der Innenstadt. Dort brüten auf den Resten des alten Aquädukts mehr als ein Dutzend Störche. Über allem thront die alte Festung. Mit voll gepackten „echten“ Türkenkoffern warten wir auf den Bus, der uns zurückbringt.
Am Nachmittag wage ich mich ins Meer. Es ist gar nicht mehr so kühl und ganz flach. Erst nach 70 Metern wird mehr als die Beine nass! Danach genehmige ich mir ein Sonnenbad auf einer von mehreren Liegen, die im Sand stehen. Etwas unfreundlich werde ich von einem Mann verscheucht, der behauptet, gerade diese gemietet zu haben.
Am Abend sind die meisten Kranken wieder einigermassen okay. Es ist angenehm warm und so sitzt unsere Gruppe 4 bei Eberhard „im Grünen“ zusammen, auf den versprochenen Sekt müssen wir aber verzichten! Suse hat die Flasche ins Gefrierfach gelegt und das hat sie „zum Auslaufen“ gebracht.


11. Tag – Freitag, den 7. Mai 2010

Ephesus ist das Highlight der antiken Ausgrabungsstätten!

Auf der Fahrt dorthin machen wir einen Abstecher zum Artemistempel, von dem leider nur noch eine einzige Säule in einem sumpfigen Teich stehen geblieben ist. Er war einmal 125 m lang und 55 m breit, stand auf einem 3 m hohen Sockel und 127 Marmorsäulen trugen das Dach. Und er war eines der sieben Weltwunder!
Danach geht es endlich nach „Efes“. Ursprünglich war sie eine Hafenstadt und erlebte ihre Blütezeit unter den Römern. Es wohnten ca. 120 – 130.000 Menschen hier, zahlreiche Touristen besuchten die Stadt. Sie war „die“ Metropole Asiens, die alles bis dahin bekannte überstrahlte. Als der Hafen 600 n. Chr. versandete, erlosch ihr Licht. Über eine breite Prachtstrasse betreten wir die Reste der Stadt. Wir bewundern die Hanghäuser, den Marktplatz (die Agora), die Celsius-Bibliothek, den Hadrianstempel, das berühmte Hadrianstor, die Gemeinschaftslatrine (Dutzende Löcher, dicht an dicht, luden zum gemütlichen „Zusammenhocken“ ein), 
aber auch das Freudenhaus, zu dem es sogar einen Wegweiser gab, der in eine Steinplatte des Fussweges eingemeisselt war! Das grosse Theater bot 24.000 Zuschauern Platz. Wir bekommen eine wirklich „erschöpfende“ Führung von Altug – er weiss so unglaublich viel zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten zu erzählen, dass es in meinem Kopf summt wie in einem Bienenhaus. Solange wir Altug zuhören, ist alles spannend und interessant, aber kurz danach sind alle Einzelheiten schon wieder „verschüttet“ Die Sonne brennt heiss vom Himmel, wir nutzen jeden kleinen Schattenplatz.
Gut drei Stunden dauert die Besichtigung, dann haben wir endlich wieder die Möglichkeit, die Gesundheitskabinen (Altugs Umschreibung für Toiletten) aufzusuchen. Auch für ein Erfrischungsgetränk reicht die Zeit noch aus. Ein Fotograf hat unterwegs Fotos von uns geknipst. Obwohl ich so etwas sonst kaum einmal kaufe, nehme ich ihm diesmal ein Bild ab, da es mir wirklich gut gefällt.
Unser Besichtigungspensum für heute ist noch nicht ausgeschöpft, der Bus bringt uns in den ca. 20 km entfernten Badeort Kusadasi. Einst als Ersatz für den versandeten Hafen von Ephesos gebaut, hat er sich in den letzten 20 Jahren von einem kleinen Fischerort zu einem Touristenzentrum mit riesigen Wohnsiedlungen und Hotels mit 30.000 Betten entwickelt. Im Hafen gibt es einen Anleger für Kreuzfahrtschiffe und in der Stadt viele Einkaufsstrassen mit Läden und Restaurants.
Der einstündige Bummel ist ebenfalls „erschöpfend“, überall werden wir angesprochen, alle „lieben“ Deutschland und alle wollen uns irgendetwas verkaufen. Dieser Eindruck von einem riesigen Rummelplatz reicht mir, hier werde ich nie Urlaub machen!
Die Stille des Campingplatzes ist wohltuend. Es weht ein frischer Wind und eine hübsche Brandung lockt einige sofort ins Wasser.
Heute essen wir wieder gemeinsam im Restaurant. Die Tische sind schön gedeckt, mehrere Teller mit lecker aussehenden Vorspeisen warten darauf, von uns verspeist zu werden. Ich habe von meinem Platz aus einen schönen Blick durch das grosse Fenster auf den Palmenstrand und das Meer, in dem die Sonne versinkt.
Zuerst werden wir mit einem Cocktail aus Rotwein, Whisky und Früchten begrüsst. Als Hauptgericht gibt es gekochtes Huhn mit Gemüse, Reis und Pommes. Nach Traumschiffart wird zum Dessert das Licht gelöscht. Die Ober bringen Platten mit Obst, auf denen Lichter in halben Orangen auf Gläsern das Spektakel beleuchten. Das ist doch einmal eine hübsche Idee!
Das Essen war lecker und ich bin zuversichtlich, dass es uns diesmal nicht wieder unentwegt in die Gesundheitskabinen treibt.

 

12. Tag – Samstag, den 8. Mai 2010

Das Wetter ist wieder so, wie wir es möchten: leicht dunstiger, blauer Himmel und Sonnenschein! Für unsere Gruppe entfällt heute die Suche nach dem richtigen Weg, wir fahren einfach hinter Richard her.
 Die 3- oder 4spurige Strasse verläuft durch weite Ebenen, in denen grosse Plantagen angelegt sind. Hier wachsen Olivenbäume, Weinstöcke, Pfirsich-, Orangen-, Zitronen- und Feigenbäume und auf den Feldern Erdbeeren oder Melonen. Die Luft ist erfüllt von dem betörenden Duft der Orangenbäume.
In den Ortschaften sind die Häuser von Gemüsegärten umgeben, der Mittelstreifen ist mit blühenden Rosen- und Oleanderbüschen und Palmen bepflanzt. Vor den Läden und Werkstätten sitzen die Männer in Gruppen beisammen, schauen und reden und trinken Tee. Am Strassenrand bieten Frauen an kleinen Verkaufsständen die Produkte aus den Gärten und Feldern an - Honig, Nüsse und Obst.
Kurz vor Denizli können wir in der Ferne schon unser heutiges Ziel sehen – das „weisse Baumwollschloss“ Pamukkale!
Der Campingplatz, den wir heute anfahren, liegt nur wenige Kilometer davon entfernt. Wir stehen auf einer Wiese unter Olivenbäumen, Federvieh läuft herum, 2 kleine Hundewelpen sind in einem kleinen Verschlag eingesperrt, grosse Hunde knurren uns an. Die Sanitäranlagen sind miserabel, das Wasser läuft in einem dünnen Strahl leicht angewärmt aus dem Duschkopf an der Decke, die Türen sind nicht verschliessbar. In den Toiletten läuft das Wasser gar nicht oder an Stellen, aus denen es eigentlich nicht kommen sollte. Bald steht alles unter Wasser. Aber es gibt ein Becken mit Thermalwasser und ein Schwimmbecken ohne Wasser. Altug hat seine Frau, Kinder und Mutter hierher eingeladen, denn morgen ist Muttertag Sie wohnen in kleinen Ferienappartements und nutzen fast als einzige das „Kurangebot“ im Thermalbecken.
Am Nachmittag fahren wir mit dem Bus nach Pamukkale. Als erstes führt Altug uns durch die Nekropole von Hierapolis.
Unzählige Grabhäuser (es sollen mehr als Tausend sein, viele sind noch gar nicht ausgegraben) säumen den Weg. Die vielen Sarkophage und Mausoleen lassen uns das Ausmass der grössten Totenstadt Asiens erahnen. Wir stolpern bei sengender Hitze zwischen den Resten hindurch und erreichen durch ein grosses Eingangstor die Prachtstrasse von Hierapolis.

Rechts und links sind früher die Kaufläden gewesen, auch die „Gesundheitskabine“ der Antike, die Latrine, ist noch zu erkennen. Die Reste einer grossen Brunnenanlage, Säulen auf beiden Seiten der Strasse, Mauerreste und Skulpturen sind noch erhalten. In der Ferne liegt das Theater auf einem Hügel, es soll für 15.000 Zuschauer Platz geboten haben. Weil es so heiss ist, verzichten wir auf den Aufstieg und gehen lieber zu den Kalksinterterrassen hinüber, die Pamukkale so bekannt gemacht haben.
Da oberhalb der Terrassen etliche Hotels zuviel Thermalwasser entnommen haben, ist in der Vergangenheit immer weniger Wasser über die Kaskaden gelaufen und sie wurden braun und unansehnlich. Konsequent wurden alle Hotels abgerissen und inzwischen strahlt alles schon wieder schön weiss. Erhalten geblieben ist allein ein altes Thermalbad. Dort kann man auch heute noch für zusätzlich 23 TL im warmen Thermalwasser über antike Säulenfragmente schwimmen.
Vor einigen Jahren durfte man selbst auf den weissen Terrassen noch plantschen, jetzt ist das Betreten streng verboten, das Gelände wird von Aufsehern überwacht.
Allein an einer Stelle ist ein Weg bergab freigegeben und hier darf jeder das Wasser „ausprobieren“. Das muss ich natürlich auch, also Schuhe ausziehen und hinein ins Vergnügen! Wo die Kalkablagerungen etwas dicker sind, ist es ziemlich rutschig. Einige Becken kann man durchwaten und es ist angenehm, sich so ein bisschen abzukühlen.
Der Blick von oben über den 5 km breiten und 100 m hohen Abhang mit den vielen weissen, kalküberkrusteten Becken ist wunderschön (ich war schon einmal vor ca. 5 Jahren hier, seitdem haben sie sich wieder ordentlich regeneriert).

 

 

13. Tag – Sonntag, den 9. Mai 2010

In der Frühe überraschen Hannelore und Richard alle Mütter mit einer Schachtel Pralinen und einer Glückwunschkarte! Hm, das sind doch tatsächlich meine Lieblingspralinen. Die werden wohl ganz schnell gegessen sein! Donnergrollen, graue Wolken und ein paar Regentropfen passen gar nicht zu unserem „Ehrentag“.
Für den heutigen Ausflug packen wir deshalb alles ein, was vielleicht gebraucht werden könnte: Sonnenhut und Creme, Regenjacke und Schirm, Wasserflaschen und Äpfel. So gut ausgerüstet betreten wir in der Nähe von Denizli die Ausgrabungsstätten von Laudizäa. 1978 wurde damit begonnen, die römische Siedlung freizulegen. Das Gelände liegt inmitten wogender Felder, ist riesig und ausser unserer Gruppe ist niemand zur Besichtigung da. Es ist sehr interessant zu sehen, wie die Säulenfragmente und Steine aus der Erde geholt werden müssen. Aufgereiht liegen die einzelnen Stücke nebeneinander und warten darauf, wieder zusammengesetzt zu werden. Da Sonntag ist, sind keine Archäologen bei der Arbeit.
Aber riesige Kräne und Bagger lassen ahnen, dass hier viele Leute beschäftigt sind. Die Aufsicht, ein junger Mann, spricht uns an und es stellt sich heraus, dass er in Deutschland geboren und erst seit kurzem wieder in der Türkei lebt. 

Weiter geht es nach Aphrodisias, das mitten im Taurusgebirge liegt. Traktoren, die kleine „Eisenbahnwagen“ angehängt haben, fahren uns vom Parkplatz bis zum Eingang des Geländes.
Während Laudizäa einst textiles Zentrum war, lebten in Aphrodisias hauptsächlich Bildhauer. Im Museum und auf dem riesigen Gelände sehen wir unzählige, prächtige Skulpturen und Sarkophage mit eingemeisselten Bildergeschichten, imposante Reste von Tempeln, das ehemalige Rathaus, Theater und das grösste und am besten erhaltene Stadion der Antike.
Mitten im Gelände überrascht uns ein kleiner Regenschauer. Jacken, Schirme und Regencapes kommen zum Einsatz. Zwischen Steinen und Säulen entdecken wir drei grosse Pflanzen mit riesigen Blättern und grossen Blüten, die fürchterlich stinken. Altug nennt sie „Schlangenwurz“. So etwas habe ich noch nie gesehen und gerochen!
Nach einem Rundgang durch das kleine Museum, in dem noch mehr wunderschöne Statuen zu sehen sind, fahren wir mit dem „Bähnle“ zurück und anschliessend mit dem Bus zu einem hübschen, kleinen Restaurant mitten im Wald. Der Hunger ist inzwischen gross und der Wirt serviert uns in kürzester Zeit ein Menu. Die gefüllten Fladenbrote sind besonders lecker, auch die gegrillte Forelle oder den Fleischspiess mit gemischtem Salat haben wir uns nach so viel Kultur redlich verdient!
Am frühen Abend haben sich meine müden Füsse schon wieder so gut erholt, dass ich mit Gisela noch einen kleinen Einkaufsbummel ins Zentrum des kleinen Ortes beim Campingplatz unternehmen kann. Beladen mit „den Schätzen des Orients“ (u. a. einem Kartoffelschäler und einer Tüte Milch), einem grossen Frottierbadetuch mit Schmetterling sowie einem Armband mit türkischen Augen für meine 5jährige Enkelin, sind wir bei Einbruch der Dunkelheit zurück. Unsere Männer haben in dieser Zeit lobenswerterweise die Hausarbeit erledigt!

14. Tag – Montag, den 10. Mai 2010

Heute fahren wir nach Dalyan zu den Felsengräbern und den Meeresschildkröten! Da wir mal wieder die letzte Gruppe sind, geht es erst um 9.30 Uhr los. Die 3- bis 4spurige Strasse wird an vielen Baustellen weiter ausgebaut und verbreitert. Wir fahren bergauf auf 1.000 m Höhe und dann wieder ins Tal. Danach das Ganze noch einmal und noch einmal bis wir in Dalyan am Fluss auf einem ganz kleinen, schmalen Campingplatz ankommen.
Hannelore weist alle Fahrzeuge generalstabsmässig ein. Jedes Plätzchen muss richtig ausgenutzt werden, damit alle einen Platz bekommen. Der Campingplatz hat einen eigenen Bootsanleger im Fluss. Dort werden wir um 16 Uhr von einem Ausflugsboot abgeholt. Gegenüber, auf der anderen Seite des Flusses, sind in einigen Metern Höhe im 4. JH. v. Chr. viele Gräber in die Felswand gehauen worden.
Man kann die Tempeleingänge nur noch vom Wasser aus anschauen, an Land führt kein Weg mehr hin.
Nach kurzer Fahrt legt der Bootsführer an einer Anlegestelle an und wir nehmen den Aufstieg zu den Ausgrabungen von Kaunos in Angriff. Die Sonne scheint immer noch vom wolkenlosen Himmel und es ist glühend heiss. Altug meint es heute gut mit uns. Nach einem kurzen Rundgang durch das Theater und die Stadtreste mit dem Badehaus wandern wir wieder hinunter und fahren mit dem Boot weiter.
Durch Wasserstrassen, die durch Schilfgebiete führen, geht es weiter Richtung Meer.
Am Schilfrand liegen einige Fischerboote, an einem „docken“ wir längsseits an. Der Fischer versucht mithilfe von Krebsen, die er an einem Angelhaken aufgespiesst hat und über Bord wirft, die grossen Meeresschildkröten (Caretta-Caretta) anzulocken. Tatsächlich taucht nach einiger Zeit und einigen Fehlversuchen ein Tier auf, das bestimmt einen Durchmesser von 80 cm hat! Sie versucht, den Leckerbissen zu schnappen und kommt noch zweimal an die Wasseroberfläche. Danach verschwindet sie wieder im tiefen Wasser. Alle sind begeistert, dass wir wenigstens eine sehen konnten! Es geht noch ein kleines Stück weiter mit unserem Schiffchen bis zum Strand von Dalyan, der nur mit dem Boot zu erreichen ist. Hier vergraben die Schildkröten ihre Eier im breiten, weissen Sandstrand und die Badegäste dürfen sich nicht in den Sand legen.
Sie müssen sich Liegen mit Bastschirmchen mieten, um die Gelege auf keinen Fall zu stören. Es weht ein warmer Wind, eine wunderschöne Brandung wirft ihre Wellen an den Strand und ich würde am liebsten alles ausziehen und mich hineinstürzen! Leider haben wir nur 20 Minuten zum Verweilen, dann bringt uns das Boot über verschlungene Kanäle zurück zum Campingplatz.
Am Abend möchten wir in einem Restaurant am Fluss essen. Der Wirt lässt uns mit seinem Boot abholen und schippert in der Dämmerung am Ufer entlang, um uns die Stadt am Abend zu zeigen. Alle Häuser und Restaurants sind beleuchtet, die Felsengräber schimmern golden im Abendlicht. Der Himmel hat sich in alle Pastellfarben verfärbt und das Wasser ist glatt gebügelt und dunkelgrün.

Nach der kleinen Rundfahrt legen wir am Steg des hübschen Restaurants an und nehmen an einem hübsch gedeckten Tisch auf einer Terrasse direkt am Wasser Platz.
Die Sterne funkeln am Himmel, ein warmes Lüftchen weht vom Fluss her, die Luft fühlt sich wie Seide an! Das Essen ist lecker, aber Renate und Fritz haben viel zu viel bestellt, ein Grillpäckchen nach dem anderen wird ihnen auf die Teller geladen. Der Blick zu den inzwischen beleuchteten Felsengräbern hinüber und die Atmosphäre an diesem Abend sind unvergesslich schön.
Viel zu früh bringt uns das Boot in völliger Dunkelheit zurück zum Platz. Das war ein wunderbarer Abschluss dieses anstrengenden Tages!

 

15. Tag – Dienstag, den 11. Mai 2010

Die Strasse zurück auf die D 400, die wir heute nehmen, ist wesentlich kürzer, breiter und hat keine tiefen Schlaglöcher wie das Strässchen gestern. Auf der Küstenstrasse geht es wieder hinauf und hinab, aber es bieten sich viele schöne Ausblicke auf das türkisfarbene Meer. In einer Ebene grüsst in der Ferne ein schneebedeckter 3.000er!
Wir überholen kleine, langsame Motorroller, auf denen die Frau im Damensitz mitfährt. Obwohl auch in der Türkei Helmpflicht besteht, hat der Fahrer selten einen aufgesetzt, für die Frau reicht deshalb auch das Kopftuch. Hierzu fällt mir der Witz von österreichischen Motorradfahrern ein, die einen Helmtest veranstalten: Sie steigen auf einen hohen Kirchturm und werfen nacheinander einen Helm und eine Pudelmütze hinunter. Gespannt rennen sie die Treppen hinunter, um sich das Ergebnis anzuschauen. Und wer hat diesen Versuch besser überstanden? Der Helm ist kaputt, während es der Pudelmütze nichts gemacht hat. Fazit: Pudelmützen (oder Kopftücher) sind der bessere Schutz!
Ab und zu sehen wir am Strassenrand oder schon auf der Strasse eine Schildkröte. Wie viele bezahlen diesen Leichtsinn wohl mit dem Leben?
Auf kleinen LKWs wird alles Mögliche transportiert. Schafe auf dem Weg zur Weide, Kisten mit Obst oder Gemüse, meterhoch auf der Ladefläche gestapelt, oder auch Menschen, auf dem Weg nach irgendwohin.
Bei Kinik kommen wir durch das Hauptgebiet für Gemüseanbau. Das ganze Tal ist mit „Plastikhauben“ zugedeckt, in endlosen Reihen wachsen Tomaten unter den Folien. Es ist sehr heiss, bei unserer Mittagspause zeigt das Thermometer 35 Grad (während ich dies schreibe, ist es aber hier in Reutlingen noch heisser – 37 Grad am 9. Juli 2010!).
Dann windet sich die Strasse oberhalb des Meeres am Hang entlang, kleine Inselchen sind ins tiefblaue Meer eingestreut. In kleinen Traumbuchten geniessen einige Paddler und Badegäste den goldgelben Strand und das Wasser.
Wir erreichen den Campingplatz von Kas. Da uns bereits um 14 Uhr der Bus zu einem Ausflug nach Myra abholt, schnappen wir schnell unsere „Ausrüstung“ – d. s. Hut, Sonnencreme, Wasserflaschen, Äpfel, Sonnenbrille, Foto und Kamera. Das geht ruckzuck, wir haben inzwischen ja Routine!
Nach einer 45minütigen Fahrt erreichen wir Myra, dem ehemaligen Bischofssitz des heiligen St. Nikolaus. Nikolaus wirkte hier im 3. JH. n. Chr. und war der Schutzpatron der Kinder und Seeleute. Über seinem Grabmal wurde im 8. JH. n. Chr. eine Kirche errichtet, die „Noel Baba Kilisesi“.  

Es sind noch einige Wandmalereien, Fussbodenmosaiken und der leere Sarkophag zu sehen. Seine Gebeine hat man nach Bari gebracht.
Es geht weiter zu einem Theater aus römischer Zeit und zu den Hausgräbern der Lykier, die in die
Felsen gehauen sind.
Das Theater ist recht gut erhalten, es wurde niemals restauriert sondern einfach nur ausgegraben. Wir klettern auf die oberen Ränge und haben einen schönen Rundblick über Myra.
Der dritte Teil unseres Ausfluges führt uns zum Hafen. Dort steigen wir auf ein Boot. Durch 4 Glaskästen kann man ins Meer schauen. Die Mannschaft bietet als erstes Getränke zu ziemlich überteuerten Preisen an. Die Fahrt geht zwischen Inselchen hindurch, das Meer ist wunderschön tiefblau, die Sonne scheint und endlich können wir heute einmal richtig entspannen.
Plötzlich wird diese Idylle abrupt unterbrochen – ein Patrouilleboot der Coast Guard erscheint vor unserem Bug und signalisiert dem Kapitän beizudrehen. Hektik entsteht, der Barkeeper lässt alle Alkoholflaschen im Schrank verschwinden. Beamte vom Küstenboot springen an Bord, lassen sich eine Signallampe vorführen und kontrollieren die Papiere. Es ist wohl alles in Ordnung, nach einiger Zeit dürfen wir weiterfahren, auch die Spirituosen kommen wieder auf die Theke.
Am Ufer der Insel Kekova sehen wir schliesslich am Hang die Reste der versunkenen Stadt, die im 2 JH. v. Chr. bei einem Erdbeben im Meer verschwunden ist. Hausmauern und Zisternen, Treppen, die zum Meer führen und die Reste der Hafenanlage im Wasser sind zu erkennen. Durch die Glaskisten sieht man auf dem Meeresboden einige Scherben von „antiken“ Amphoren (haha, die liegen hier 2000 Jahre lang zur Schau), aber die Reste der byzantinischen Kirche sind nirgends zu entdecken! Wo sind die steinernen Sarkophage, die in der Bucht von Kekova im seichten Wasser zu sehen sein sollen? Da werden wir aber heute ganz schön auf den Arm genommen!
So geniesse ich einfach die Bootstour, Sonne, Wind und Wasser.
In einem kleinen Ort gehen wir an Land. Der Bus bringt uns über das Taurusgebirge zum Campingplatz zurück. Unterwegs fahren wir durch eine sehr hübsche Landschaft. Die Hänge sind „übersäht“ mit zahlreichen kleinen Felsgebilden aus Kalkstein, dazwischen wachsen kugelige Büsche mit kleinen gelben Blüten. Es sieht aus, als ob ein Gartenarchitekt einen riesengrossen Steingarten angelegt hat.
Dieser Tag war ganz schön anstrengend! Zurück auf dem Campingplatz rette ich noch einer Schildkröte das Leben, bevor sie überfahren wird und nach dem Abendessen falle ich zufrieden in mein Bett!


16. Tag – Mittwoch, den 12. Mai 2010

Unser Ziel ist heute Antalya. Bei Myra fallen mir wieder die riesigen Gewächshäuser auf, die die ganze Gegend beherrschen.
Schildkröten laufen auch hier über die Strasse, aber da ganz wenig Verkehr herrscht, können wir gut ausweichen. Aus einer grossen Ziegenherde haben sich einige Tiere auf die Strasse verirrt und zwingen uns zum Anhalten. Der Hirte treibt sie zurück und erlaubt mir, ein Foto von ihm und den vielen Ziegen zu machen.

Zeugen der Vergangenheit begleiten uns auf unserer Fahrt. Mal ist es ein Steingrab auf dem Fussweg, mal stehen auf einer Anhöhe mehrere Sarkophage oder neben der Strasse grössere Reste von antiken Häusern oder Theatern. Nach der Stadt Myra fahren wir direkt am Meer entlang, uns begegnen Dutzende von Bussen, die die Touristen alle zum heiligen Nikolaus karren. Kleine typische Restaurants laden am Wegrand Gäste ein, die das Essen und den Blick aufs Meer geniessen sollen.
Die Ausblicke sind atemberaubend schön, die Strasse verläuft keine 100 m geradeaus, Kurve reiht sich an Kurve. Ich bin begeistert über die „Corniche“ der Türkei!

In Tekirova wartet schon der Bus auf uns, der uns nach Phaselis bringt. Die Besichtigung ist sehr angenehm, da die Reste der Stadt aus lykischer Zeit in einem dichten Kiefernwald liegen, der herrlichen Schatten spendet. Phaselis war eine kleine Stadt, aber sie hatte 3 Häfen und brachte es daher zu Ansehen und Wohlstand.
Gleich am Eingang ist ein ca. 400 m langes Stück des gut erhaltenen Aquädukts zu sehen. Wir spazieren über die 20 m breite Strasse, vorbei an 2 Marktplätzen, mehreren Bädern und den Resten einer byzantinischen Kirche. Über allem thront ein kleines Theater, zu dem ich hinaufsteige. Von den oberen Rängen kann ich auf die hohen Berge des Taurusgebirges blicken. Diese hübsche Kulisse hinter der Bühne erinnert mich ein bisschen an das Theater von Taormina auf Sizilien, bei dem der Ätna die Kulisse ist!
Am Ende der Strasse erreichen wir einen der Häfen, der sich in eine kleine Bucht schmiegt. Wir bummeln auf der gepflasterten Strasse zurück zum Bus.
Vom Parkplatz aus geht es noch einige Kilometer mit dem eigenen Fahrzeug bis zum Campingplatz Denizer bei Antalya. Dieser Platz ist der „Zweitbeste“ nach dem in Pamukkale! Die Anlage mag ja vor 30 Jahren ganz hübsch und auch funktional gewesen sein, heute gammelt alles vor sich hin. Die Wasserspülung in den Toiletten funktioniert nicht, in den Duschen gibt es brühend heisses oder kaltes oder gar kein Wasser. Ich beschliesse, wieder einmal nur mein hauseigenes Bad zu benutzen.
Da bei den meisten die frischen Nahrungsmittel aufgefüllt werden müssen, bietet Altug eine Busfahrt zu einem Supermarkt an. Wir nehmen das Angebot dankend an und kaufen in einem schönen, riesengrossen Migrosmarkt in Antalya etliche Vorräte ein.
Auf dem Platz bietet sich für die Gruppe 4 noch ein abendliches Zusammensitzen an, da wir im Vergleich zu den anderen richtig viel „Freigelände“ haben. Bei einem Glas Wein geniessen wir den lauen Abend, aber schon um 20.30 Uhr wird es stockdunkel.

  

17. – Tag, Donnerstag, den 13. Mai 2010

Die kurze Strecke bis Kizilot (ca. 100 km) fahren wir hinter unserem Chef Richard. Lange Zeit geht es durch Antalya, viele Ampeln stoppen uns immer wieder. Es ist sehr viel Verkehr in der fast 1 Million grossen Stadt. Wir kommen am Flughafen vorbei, dort herrscht reger Betrieb. Nach knapp 2 Stunden und noch einem kleinen „Schlenker“ ganz kurz vor dem Ziel sind da.
Der kleine Platz direkt oberhalb des Meeres, versöhnt uns wieder mit dem miserablen der letzten Nacht. Er ist wunderschön bepflanzt, es grünt und blüht an den Terrassen, die Liegen laden zum Sonnen ein. 

Wir sind heute die ersten auf dem Platz und dürfen ganz vorn stehen. Unter uns ist der breite Sandstrand, die Wellen plätschern sanft ans Ufer, Suse bekommt „das Millionärsgefühl“! Über eine lange, weisse Treppe gelangt man hinunter. Also hinein in den Badeanzug und dann ins Wasser!
Es ist wundervoll warm, die Brandung erleichtert das Eintauchen noch mehr. Es ist himmlisch, sich von den Wellen schaukeln zu lassen, keine Qualle oder sonst ein Ungemach trübt den Genuss.
Hannelore sammelt im Sand Steine und wir legen als Gemeinschaftswerk ein schönes Relief. Nicht für die Ewigkeit, aber für diesen Tag im Jahre 2010.
Die Sanitäranlagen sind zwar nicht für so eine grosse Gruppe ausgelegt, aber wir dürfen 2 Bäder der Gästezimmer benutzen und so reicht es prima. Die Waschmaschine muss gleich mehrere Arbeitsschichten einlegen, denn so ein Gerät gab es schon seit längerem nicht mehr. Die Stühle und Tische des kleinen Restaurants stehen einladend unter einer bewachsenen Pergola und die Chefin, die aus der Schweiz stammt, kocht selbst.
Heute sind beinahe alle glücklich und zufrieden, lediglich Ursula und Pavel hadern ein wenig mit dem Schicksal und den Verkehrskontrollen. Bei einer kleinen „Aufholjagd“ nach einer roten Ampel, hat Pavel das Gaspedal ein bisschen zu sehr durchgedrückt, ist in eine Radarkontrolle geraten und muss an Ort und Stelle 100 TL berappen. Es wird zu verschmerzen sein (wenn ich an Schweden denke, sind das Peanuts!).

 

18. Tag – Freitag, den 14. Mai 2010

Gut gelaunt rollen wir im Bus die Strecke nach Antalya zurück, auf der wir gestern gekommen sind. Unterwegs halten wir an einem alten Friedhof und einer steinernen Bogenbrücke aus der Römerzeit. Auf den Grabsteinen sind wie auch bei uns Name, Geburts- und Sterbedaten eingraviert. Wenn die Verstorbenen vor der Zeitumstellung geboren und danach gestorben sind, sind sie kurioserweise rein rechnerisch meist über 600 Jahre alt geworden! 
Zu Fuss überqueren wir die Brücke. In der Mitte hat sie einen Knick nach links (damit die bösen Geister nicht hinübergelangen konnten).
Weiter geht die Fahrt bis Aspendos. Dort sehen wir uns das am besten erhaltene römische Theater des klassischen Altertums an.
Die Akustik soll fantastisch sein. Wenn man an einer bestimmten Stelle in der Mitte eine Münze fallen lässt, soll man es auf dem obersten Rang hören können! Ich kraxele bis ganz nach oben und Altug startet den Versuch. Leider ist der Lärmpegel der übrigen Besucher so gross, dass ich nichts hören kann und so muss ich diese Behauptung einfach glauben. Auch der Abstieg ist mühselig und ich mache deshalb eine Verschnaufpause in der Loge, die dem Adel vorbehalten war. Auf dem Marmorsessel sitzt sich gut, die Sicht auf die Bühne ist prächtig und für kurze Zeit fühle ich mich wie die „Königin von Saba“. Das Theater wird auch heute noch im Sommer für Ballett-, Opern- und sonstige Freiluftaufführungen genutzt. Sogar die Sendung mit Thomas Gottschalk „Wetten dass...“ fand hier schon mehrere Male statt.

Das Aquädukt der Stadt ist über längere Strecken gut erhalten, eine Besonderheit sind hier die Ecktürme, die für den Ausgleich des Wasserdrucks benötigt wurden.
Händlerinnen mit kleinen Verkaufsständen preisen ihre Waren an: Schmuck, Tücher oder frisch gepressten Orangensaft. Wenn man sich eine Tüte geben lässt, kann man in der angrenzenden Orangenplantage selbst auf die Leiter steigen und frische Früchte pflücken – 1 Kilo, d. s. 7 Stück, kosten 2 TL. Der Händler stellt mir die Leiter extra an einen Baum, an dem besonders viele schöne, grosse Orangen hängen.
Die Händlerinnen wollen unbedingt auch etwas verkaufen, stecken allen Frauen blitzschnell kleine Nadeln mit bunten Figürchen an das T-Shirt (für die Bambini!). Mir gefällt ein hübsches Armband mit schwarzen und blauen Steinen, dass ich mir dann auch für 8 TL kaufe.

Gegen Mittag kommen wir in Antalya im Busparkhaus oberhalb der Altstadt an. 1 ½ Stunden können wir uns dort umschauen. In den alten, schön restaurierten Häusern reiht sich ein Laden an den anderen, dazwischen verstecken sich kleine, lauschige Restaurants. Die Verkäufer preisen ihre Ware an, aber in einer netten Art und nicht aufdringlich.
Im Hafen liegen viele Ausflugsschiffe am Kai und alle „Kapitäne“ versuchen, uns zu einer Seefahrt „einzuladen“. Wir haben noch Zeit, uns in einem europäischen Cafe mit dem ersten guten Cappuchino in der Türkei und einem tollen Apfelkuchen zu stärken und machen von unserem Tisch aus so viel Reklame, dass sich nach und nach etliche Mitreisende einfinden, um den guten Apfelkuchen und Kaffee zu probieren.
Altug lässt den Bus jetzt zu einem Volksbazaar fahren und schickt uns für eine Stunde hinein, damit wir etwas kaufen. Nach einem kurzen Rundgang sind die Meisten „bedient“. Lästige Verkäufer („Leder braucht jeder!“) treiben uns für die restliche Zeit in ein Cafe, das dadurch ein gutes Geschäft macht. Nein Altug, so etwas brauchen wir wirklich nicht!
In Antalya sieht man zwischen den vielen gut aussehenden modernen Hochhäusern immer wieder kleine primitive Hütten aus Holz, Stein oder Blech. Diese „Übernachthäuser“ werden auf freien Grundstücken von den Zuwanderern aus dem armen Hinterland in einer Nacht erstellt und sie erwerben sich somit Bleiberecht. Die Politiker trauen sich nicht, eventuell versandte Räumungsbefehle zu vollstrecken, denn sie wollen ja wiedergewählt werden.

Perge ist unser nächstes Ziel an diesem Tag. Es vermittelt uns wieder einmal einen Eindruck vom Pomp und Glanz der Antike. Beeindruckende römische Bäder, Tore, Türme und ein riesiger, von Säulen umgebener Marktplatz mit vielen recht gut erhaltenen Ladengeschäften zeugen von einer reichen Stadt. Die 200 m lange Arkadenstrasse verläuft vom Eingangstor bis zur Akropolis.
Nach so vielen Besichtigungen wollen wir heute Abend im Restaurant des Campingplatzes noch das Bergfest feiern. Auf der überdachten Terrasse sind die Tische gedeckt, aber leider nicht für alle 32 Reiseteilnehmer! Wie sich herausstellt, werden die letzten Acht an die beiden Tische, die auf den Rasen stehen, ausquartiert. Hier sitzen wir nun zwar noch in der wärmenden Sonne und haben einen schönen Blick auf Meer und Strand, bekommen aber sonst herzlich wenig von dem Bergfest mit. So im Abseits bekommen wir weder ein Wort von Richards Rede (sofern er eine gehalten hat) noch von Eberhards Vortrag mit. Das Essen (gem. Salat, gefüllte Auberginen mit Reis und danach kleine zuckersüsse Blätterteigteilchen) ist auch nicht jedermanns Sache.
 Nachdem es kalt und dunkel geworden ist, kommt Hannelore und will uns „herüberholen“, aber nun mögen wir „Ausgesetzte“ auch nicht mehr. Lieber Richard, kümmere dich vor dem nächsten Bergfest doch bitte um eine bessere Sitzordnung. Es wäre leicht möglich gewesen, etwas zusammenzurücken und die 2 Tische bei den übrigen unterzubringen! Dieses Bergfest war nicht sehr gemeinschaftlich und hinterlässt bei 8 Leuten einen faden Geschmack!


19. Tag – Samstag, den 15. Mai 2010

Ruhetag, d. h. Kräfte sammeln für den Rest der Reise.
Der Himmel ist bedeckt, es weht ein kühler Wind und so nehme ich die Gelegenheit wahr, Wäsche zu waschen und zu trocknen. Andere pflegen ihr Auto oder den Wohnwagen.
Schon gegen Mittag scheint wieder die Sonne und es wird 26 Grad warm. Nun lockt das wunderbare Meer zum Bade. Das glasklare, türkisgrüne Wasser ist herrlich, der Sand ganz warm und Kieselsteinstreifen verführen zum Steine sammeln. Hannelore schleppt eine ganze Menge zum Wohnwagen, die sie ihrem Bruder mitbringen will. Ich beschränke mich auf ein einziges Exemplar, es sieht aus wie ein mit einem weissen Faden verschnürtes Paket.
Am Abend sitzen wir an unserem „Terrassenrand“ zusammen und lassen die schönen Strand- und Meertage Revue passieren. Wasser und Horizont hüllen sich in Dunstnebel, die Nacht ist dunkel und sternenklar, aber der Mond fehlt. Den habe ich eigentlich bisher noch in keiner Nacht gesehen seitdem wir in der Türkei sind! Nur immer die Sichel auf den roten Fahnen und Flaggen!


20. Tag – Sonntag, den 16. Mai 2010

Eine längere Fahrt (330 km) Richtung Konya liegt vor uns. Wir erreichen im mächtigen Taurusgebirge eine Passhöhe von 1.825 m.
Dicke Felsbrocken liegen übereinander an den Hängen, dazwischen wachsen niedrige Büsche und kleine Kiefern. Ein kühler Wind bläst kräftig als wir die Serpentinen des Passes wieder hinunterfahren. In einer Kurve liegt ein total zertrümmerter grosser LKW im Strassengraben, die zersplitterten Kisten mit Tomaten überall dazwischen. War er zu schnell oder haben die Bremsen versagt? In der Türkei müssen die Autos zwar auch zum TÜV, aber es ist (lt. Altug) nur wichtig, dass die Hupe und das Licht funktionieren, die Scheiben durchsichtig und die Steuern bezahlt sind! Die Bremsen und Reifen werden nicht kontrolliert, auch der sonstige Zustand des Fahrzeugs ist egal.
In den Ebenen zwischen den Bergketten ist es so diesig (oder staubig?), dass alles nur schemenhaft in einem diffusen Licht erscheint. Der Sturm bläst böig über wogende Getreidefelder und rüttelt am Auto. An kleinen Ständen am Strassenrand werden Honig und in kleinen Öfchen gekochte Maiskolben angeboten.
Auf einem schön angelegten, bewachten Stellplatz parken wir unsere Fahrzeuge in Konya. Hier ist es heiss (32 Grad) und stürmisch. Der Bus holt uns zur Besichtigung des Mevlana Klosters ab. Da Sonntag ist, reisen auch viele Türken mit Bussen an, um die ehemalige Moschee zu besichtigen.
Aus der Moschee, die im 12 JH. in der Seldschukenhauptstadt gebaut wurde, entstand der „Orden der tanzenden Derwische“. Atatürk verbot 1925 den Orden und die Moschee wurde zum Museum umgestaltet. Trotzdem müssen alle Besucher bedeckte Schultern und Knie haben, die Männer lange Hosen und die Frauen Kopftücher tragen. Leihkopftücher liegen bereit und für die Schuhe bekommen wir Plastiktüten in Fussform. Dann dürfen wir eintreten und sehen in der schön ausgestatteten Moschee u. a. viele Koranbücher mit Goldschnitt und bunter Bebilderung. Die Hauptsache sind jedoch die Grabstätten, die dicht belagert sind von den Einheimischen.
Bei der anschliessenden kleinen Besichtigungstour durch die Millionenstadt Konya sehen wir viele öffentliche Parks, dort lagern unter jedem Baum Familien und machen Picknick.
Weiter geht es auf einer 40 km langen, schnurgeraden Strasse nach Sultanhany. Sie ist eigentlich 4spurig, da aber an 2 Fahrspuren gebaut wird, haben wir auf der ganzen langen eintönigen Strecke Gegenverkehr. Es ist sehr ermüdend und für die Beifahrer einschläfernd. Auch die Gegend ist unspektakulär, rechts und links nur flaches Land und in der Ferne ist wegen dem Staub nichts erkennbar.
Auf dem Campingplatz in Sultanhany ist viel Platz und wir stehen auf grüner Wiese unter schattigen Bäumen. Es sind genügend saubere Toiletten und Duschen vorhanden, die wir natürlich auch benutzen dürfen (zu Beginn wird mir der Zutritt verwehrt und ich muss zu dem kleinen Häuschen am Eingangstor). Am Abend ist ein gemeinsames Essen vorbereitet und wir werden von den Besitzern des Platzes sehr herzlich empfangen.
Auf der Veranda werden Raki und Oliven herumgereicht und dazu macht ein Mann auf einem lautenähnlichen Instrument dezente Musik. Das Essen findet in den Innenräumen statt, es ist sehr eng und sehr gemütlich. Nach einem gemischten Salat und einer türkischen Linsensuppe gibt es ein scharfes Gemüsefleisch. Dazu werden Kichererbsen und Reis serviert und als Nachtisch wieder eine türkische Gebäckspezialität. Mir sind die Teilchen immer viel zu süss, aber vielen schmecken sie gut. Die ganze Besitzerfamilie bemüht sich sehr um uns und alles ist appetitlich und schmackhaft.

 

 

 

21. Tag – Montag, den 17. Mai 2010

Unser Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück, zu dem wir die Tassen mitbringen müssen. Vor dem Restaurant sind in einem Halbkreis Stühle aufgestellt, davor stehen 2 Tische. An einem Samowar bereitet uns ein junger Mann in die mitgebrachten Tassen Tee oder Nescafe.
Zwei Türkinnen backen ohne Pause aus kleinen Teigkugeln Fladenbrot und bestreichen es nach Wunsch mit Käse oder Honig. Wir stehen Schlange und warten geduldig, bis ein Fladenbrot für uns fertig ist und auf dem Teller landet. Mit etwas Glück findet sich ein leerer Stuhl und das ungewöhnliche Frühstück kann beginnen.
Vor uns auf dem Rasen hat die Familie zahlreiche Teppiche aus eigener Herstellung ausgelegt, die wir uns nach dem Essen anschauen und natürlich auch kaufen sollen. Es sind wirklich schöne Stücke dabei, auch Seidenteppiche mit vielen Knoten pro Quadratzentimeter. Die Preisvorstellung für solch einen kleinen Läufer: 1.100 Euro. Sultanhany ist in der Türkei als Hauptproduzent von hochwertigen Teppichen bekannt, auch werden hier kostbare Teppiche aus aller Welt restauriert. Alle bewundern die schönen Sachen, aber zu einem Kauf kann sich niemand entschliessen.
Zu der Besichtigung des grossen Han (eine ehemalige Karawanenstation) werden wir von Pferdewagen abgeholt. Wir sitzen ringsherum auf den Pritschenanhängern auf Decken und lassen die Beine baumeln.
Pferdchen ziehen die Wagen durch den Ort. Die bäuerlichen Anwesen sind mit Lehmmauern eingefriedet, auch die Dächer sind teilweise aus Lehm. Auf den Höfen trocknet die Teppichwolle in der Sonne. In fast jedem Haus wird Wolle mit Naturfarben gefärbt und später zu Teppichen verarbeitet.
Am Han angekommen, mischen wir uns unter die vielen Besuchergruppen. Ich sehe und höre Japaner, Italiener, Engländer, Deutsche und Niederländer, die alle mit Bussen hierher gebracht worden sind. Altug erzählt wieder seine Geschichten aus 1001 Nacht und wir lassen das mächtige Bauwerk auf uns wirken. Ich stelle mir die Kaufleute in der Seldschukenzeit schmausend und trinkend und lärmend an langen Holztischen vor, die Tiere wiehern und blöken, Rauchschwaden wabern durch die Luft, es duftet nach allen Gewürzen des Orients ...
In den kleinen Souvenirläden gegenüber vom Han stöbere ich zwei bunte, gewebte Umhängetäschchen auf, die viele Reissverschlüsse haben. Das ist genau das Richtige für meine beiden Zwillingsenkelinnen, die Reissverschlüsse lieben und die Taschen vielleicht für den künftigen Besuch im Vorkindergarten benutzen können.
Die „Streitwagen“ bringen uns zum Campingplatz zurück und unsere Karawane zieht weiter gen Nevsehir. Nachdem wir die staubtrockene Ebene bei Aksaray hinter uns gelassen haben, wird es wieder hügelig. Auch der starke Staubsturm von gestern hat nachgelassen und so sind die schneebedeckten Bergketten rechts und die baumlosen Hügel links zu sehen. Davor dehnen sich Äcker und Felder fast endlos aus.

Gegen 13.30 Uhr sind wir am Ziel – auf dem Camping Kaya in Kappadokien. Das ist der beste Platz, auf dem wir bisher in der Türkei übernachtet haben.
Wir haben einen hübschen Stellplatz erwischt, direkt an der Mauer, die den Platz terrassenartig umschliesst. Von hier aus hat man einen herrlichen Ausblick über die fantastische Tufflandschaft.
Vor unserem WoMo ist eine kleine Weinlaube, in die wir Tisch und Stühle stellen.
Wir können uns an der herrlichen Landschaft nicht satt sehen - Feenkamine, Höhlenwohnungen, Terrassen in verschiedenen Farbtönen – es sieht aus wie ein riesiges Postkartenbild.
Als Auftakt für die vier Tage, die wir hier verbringen werden, trifft sich die ganze Truppe am Nachmittag an einer langen Kaffeetafel und vernichtet den restlichen Kuchen, den Hannelore und Richard dabeihaben. Das Thermometer zeigt zwar 25 Grad an, aber der Wind kühlt doch kräftig.
Trotzdem geniessen wir am Abend den tollen Panoramablick von unserer Weinlaube aus. Es gibt einen spektakulären Sonnenuntergang und in der tiefschwarzen Nacht blinken heute am Himmel nicht nur tausend Sterne sondern mittendrin hängt auch ein richtiger „türkischer Mond“!


22. Tag – Dienstag, den 18. Mai 2010

Heute früh gegen 6 Uhr steigen viele bunte Heissluftballons auf, das Ereignis haben wir leider verschlafen. Aber wir sind morgen ja auch noch hier und ich möchte doch mit einem mitfahren! Das ist immerhin mein Geburtstagsgeschenk, das ich von meinen Kindern im letzten Monat bekommen habe.
Heute erhalten wir erst einmal per Bus einen Eindruck von dieser überwältigend schönen Landschaft. Entstanden ist sie nach Vulkanausbrüchen des Eriyes Dagi und des Hasan Dagi, zwei über 3.000 m hohen Vulkanen. Bei Ausbrüchen wurde die ganze Gegend vor Millionen von Jahren mit Asche, Lava, Tuff und Schlamm überzogen. Wind, Regen, Hitze und Kälte haben aus diesem porösen Material die Täler geschaffen und bizarre Gebilde geformt. Dabei sind all diese Schluchten, Kegel, Feenkamine und anderen skurrile Felsformationen entstanden.
Vor über 4.000 Jahren begannen die ersten Menschen Höhlen in das weiche Gestein zu graben und sie als Wohnungen zu nutzen. Die Christen fingen im 2. JH. an, sich unterirdische Städte zu errichten. Im 7. JH. wurden sie dann als Zufluchtsort von Tausenden verfolgter Christen genutz als muslimische Araber ins Byzantinische Reich einfielen. Manche dieser Städte beherbergten bis zu 20.000 Menschen, es entstanden über tausend Höhlenkirchen und etliche Klöster. 1985 ist Kappadokien von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden.
Unser erster Fotostopp ist in Ortahisar, wo wir uns die Felsenwohnungen anschauen. Die vielen Höhlen im Ort werden auch heute noch genutzt, z. B. als Keller oder Lagerräume. Die Temperatur ist hier gleich bleibend kühl und es gibt ein Belüftungssystem. Eine Lagerhalle für Südfrüchte dürfen wir besichtigen.

 Das nächste Ziel ist Ürgüp. Dort bewundern wir die grandiose Landschaft. An jeder Ecke bietet sich ein neuer toller Ausblick.
Entzückt von so viel Schönheit fotografieren wir alle wie die Weltmeister. Der Bus hält an den besonders schönen Stellen und überall gibt es wieder etwas Neues zu sehen.

Zur Mittagszeit machen wir eine Pause bei den Feenkaminen und der Klostersiedlung von Zelve. In einem Cafe sitzen wir echt türkisch auf niedrigen Polsterbänken an einem langen Tisch und bestellen Fladenbrot mit Käse und Spinat. Das ist richtig lecker, der türkische Kaffee dazu schmeckt mir aber nicht. 

Jetzt geht es nach Avanos, einer kleinen Stadt mit einem Fluss. Sie ist das Zentrum für die Herstellung von Tonvasen und –krügen.
Wir spazieren auf einer langen Hängebrücke, die ausnahmsweise einmal nicht antik sondern erst 15 Jahre alt ist, über den roten Fluss und fahren dann weiter nach Göreme.
Dort schauen wir von oben in ein weites Tal und auf den Ort. Wieder begeistern uns die unglaublichsten Felsgebilde und Höhlenwohnungen.  

Den Abschluss unseres heutigen Besichtigungs-programms bildet der Besuch in einem Nationalpark, in dem 364 Höhlenkirchen, ein Frauenkloster und ein Männerkloster zu sehen sind.
In einige der Kirchen gehen wir hinein (z. B in die Apfel- und die Schlangenkirche), byzantinische Fresken aus dem 11. JH. verzieren die Decken und Wände mit Darstellungen von Propheten, Heiligen und Szenen aus dem Leben Christi. Wir bummeln weiter und sehen noch in viele „Löcher“ hinein. Mal war es früher ein Lagerraum, mal die Küche oder der Essraum eines Klosters, in dem noch der lange Steintisch mit den Steinbänken steht.

Der Himmel verdunkelt sich mit einer schwarzen Wolkenwand und ein Staubsturm treibt uns recht schnell zum Bus. Es regnet dann doch nicht und bald ist der Spuk vorbei.
Für heute Abend ist ein Essen mit Folklorevorführungen bestellt. Wir fahren in ein Felsenrestaurant, dort ist es feucht und kühl. Als erstes wird uns eine Tomatensuppe serviert und danach kommen viele kleine Teller mit diversen Vorspeisen auf den Tisch. Als dritten Gang bekommen wir jetzt erst einmal den Tanz der Derwische zu sehen.

Drei weiss gekleidete Gestalten schlurfen gemessenen Schrittes hin und her und im Kreis herum, danach verharren sie lange vor einem Schaffell. Sie betrachten es ausgiebig, dann beginnen sich 2 Derwische mit schräg gelegtem Kopf im Kreis zu drehen. Nicht besonders lange und nicht besonders schnell. Das Ganze wiederholt sich zweimal und dann schlurfen die Gestalten wieder hinaus.
Vielleicht war das ja echter als die Vorstellungen, die ich früher schon einmal gesehen habe. Die waren aber auf alle Fälle spektakulärer und mit vielen, sich unentwegt rasend schnell im Kreis drehenden Akteuren.
Nun lassen uns vier „Dorfmusikanten“ in den Genuss türkischer Weisen kommen, das Getöse ist sehr laut und so mancher hält sich die Ohren zu.
Die Folkloretänze einer Gruppe mit 8 Tänzern stimmt uns wieder versöhnlich. Sie führen Tänze aus verschiedenen Regionen vor und zum Schluss präsentieren sie noch eine Bauchtänzerin, die sehr hübsch ist und ihre Schau professionell abzieht. Sie holt sich Rudi und Ahmed und einige andere Besucher zum Mitmachen und alle kreisen nun mehr oder weniger gekonnt mit ihren Hüften und wackeln mit dem Bauch. Alle schlagen sich wacker, besonders Rudi hat den richtigen Schwung drauf. Die Bauchtänzer werden vom Publikum tüchtig angefeuert und zu Höchstleistungen angestachelt und alle haben ihren Spass.
Jetzt gibt es wieder etwas zu essen. Das Hauptgericht besteht aus gedünstetem Rindfleisch mit Reis und der Nachtisch aus Melonenscheiben und kleinen, grünen Früchten, die unheimlich sauer sind.
Die gefutterten Kalorien können danach wieder abgebaut werden, denn nun ist die Tanzfläche für jedermann freigegeben. Eine flotte Band spielt Discomusik und wer immer noch nicht müde genug ist, kann sich jetzt bis eine halbe Stunde vor Mitternacht die restliche Bettschwere holen.


23. Tag – Mittwoch, den 19. Mai 2010

In der Nacht regnet es ein bisschen und am Morgen ist die Luft wie rein gewaschen. Wir können bis weit zum Horizont schauen. Auf die Heissluftballone warten wir heute vergebens. Sie konnten nicht aufsteigen, da der Wind zu kräftig geblasen hat. Erst gegen 8.30 Uhr starten dann doch noch ein paar, einer kommt direkt auf den Campingplatz zu und überfliegt (richtig: überfährt) uns so niedrig, dass wir fast eine Tasse Kaffee vom Frühstückstisch hinaufreichen können!

Heute, am Ruhetag, kann und muss jeder den Tag selbst gestalten. Einige besuchen den Haman in Göreme und kommen begeistert und gut durchgeknetet zurück.
Ich mache erst ein bisschen Hausputz (der Staub der vergangenen Tage ist durch alle Ritzen gedrungen, sogar in die Schränke) und dann eine kleine Wanderung unterhalb des Campingplatzes.

An den Rebstöcken in den Weingärten arbeiten einige Bauern und ich kann schon nach einigen hundert Metern von oben in ein Tal hineinsehen, von dem viele kleine Schluchten abzweigen. In allen Pastellfarben leuchten die Felsgebilde, es sieht aus wie eine überdimensionale Ausstellung von Skulpturen.

 

 

24. Tag – Donnerstag, den 20. Mai 2010

Heute morgen muss ich ganz früh aus den Federn. Ein Minibus holt mich und 11 Mitfahrer kurz nach 5 Uhr für die Ballonfahrt ab! Der Startplatz ist in Göreme und wir erledigen als erstes auf der Terrasse eines Restaurants das „Schriftliche“. Dabei können wir ein kleines Frühstück einnehmen, Tee und Kaffee und Gebäck stehen bereit. Es wimmelt nur so von Leuten, alle wollen heute hoch hinaus.
Der Pilot, mit dem wir in die Luft gehen werden, wartet schon beim Ballon auf uns. Der ist braun-beige gestreift und hat einen grossen Korb mit 5 Abteilungen. Ein Abteil ist für je 6 Passagiere vorgesehen und in der Mitte ist eines für den Piloten und seine Ausrüstung. Nun wird Heissluft in den Ballon geblasen und langsam richtet er sich auf. Als er schön gross und prall ist, dürfen wir in den Korb klettern. Jetzt werden die Halteseile gelöst und wir schweben nach oben!
Erst einmal knapp über dem Boden entlang - sind wir zu schwer, kommt er nicht hoch? Nein, nun gibt unser Pilot „Gas“ und wir steigen und steigen bis wir einen wunderbaren Rundblick über das ganze Gelände haben. Überall steigen noch mehr Ballons wie bunte Luftblasen aus den Tälern auf, viele sind schon in der  Luft und schweben unter oder über oder neben uns am Himmel. Wenn wir sie zählen würden, kämen wir bestimmt auf 40 bis 50!
Nachdem wir uns einmal um uns selbst gedreht haben und alles ausgiebig bewundern konnten, sinken wir in ein Tal. Es geht ganz knapp über die Felsformationen hinweg, so dass so manchem der Atem stockt. In der nächsten Schlucht geht es wieder bis fast an die Steilwand heran, dann gleiten wir empor und können dabei beinah an die Felsen fassen!

Für solche Manöver muss der Pilot die thermischen Verhältnisse sehr genau kennen, aber ich habe immer ein gutes Gefühl und nie Angst. So kann ich die imposanten Ein- und Ausblicke auf die verschieden farbigen Felsgebilde, Kegel, Türme, Felsenwohnungen oder bunten Blumenwiese und Weingärten, die zu Dutzenden zu sehen sind, richtig geniessen.

Nach knapp einer Stunde landen wir mit einem kleinen Hopser sanft auf einem Weg.
 Sofort springen fleissige Helfer, die uns mit einem Geländewagen gefolgt sind, heran und halten uns am Boden. Die Gasflaschen werden ausgetauscht und dann wird eine „Kabine“ nach der anderen geleert und gleich wieder mit neuen Ballonfahrern gefüllt.

 Auf einem kleinen Tisch sind Sektgläser aufgestellt. Wir werden nach „Formel-1-Art“ mit Sekt bespritzt und bekommen den Rest zum Trinken. Die Urkunde erhalten wir danach im Minibus, denn jetzt hat es angefangen zu regnen. Zum Glück haben wir unsere wunderschöne Fahrt schon absolviert!

Auf dem Campingplatz wartet Gerhard mit dem Frühstück auf mich. Ich kann ihm von meinem tollen Erlebnis erzählen und mich für die weiteren Programmpunkte dieses Tages stärken.

 Es gibt hier in der Gegend 36 bisher bekannte, unterirdische Städte und so fahren wir mit dem Bus um 9 Uhr zu der Besichtigung einer solchen in Derinkuyu, die erst 1963 zufällig entdeckt wurde. Während der Christenverfolgung war hier das Versteck von bis zu 10.000 Menschen! 8 Stockwerke sind übereinander in den weichen Fels gegraben worden und da steigen wir nun hinab. Es geht durch enge Gänge, in denen wir uns ducken müssen, über Stufen und steile Treppen. Unzählige Nebengänge zweigen rechts und links ab, es ist kühl und dunkel. Ein raffiniertes Frischluftsystem, das uns Altug mit dem Rauch seiner Zigarette eindrucksvoll vorführt, sorgt für die Belüftung. Die Gänge weiten sich immer wieder zu grossen oder kleinen Räumen, von denen wieder neue Gänge abzweigen. Über viele dutzend Stufen steigen wir auf einer „einspurigen“ ganz schmalen Treppe bis zum untersten Geschoss hinunter. Dort sind einige grosse Versammlungsräume und es ist das Ende dieses Traktes.

Jetzt kommt bei mir fast ein bisschen Panik auf! Wir können die Treppe lange Zeit nicht mehr hinaufgehen, da pausenlos Menschen von oben kommen! Nein, hier hätte ich auch vor vielen hundert Jahren nicht leben wollen. Nie hätte ich in der Dunkelheit meine Wohnung oder den Ausgang zum Tageslicht gefunden! Ich bin froh, dass das nur eine Besichtigung war und geniesse den Sonnenschein  im Freien jetzt um so mehr!


Altug ist der Ansicht, dass zu einer richtigen Türkeireise auch der Besuch einer Teppichmanufaktur gehört. Zuerst werden wir vom Besitzer, der mir merkwürdig bekannt vorkommt, durch sein kleines Museum geführt und er erzählt sehr anschaulich alles Wissenswerte über die hiesige Kunst des Teppichknüpfens. Anschliessend zeigt er uns seine kleinen Kostbarkeiten - Seidenteppiche mit dutzenden Knoten pro Quadratzentimeter, an denen nur sehr begabte Frauen mehrere Jahre arbeiten. Oft reisst nach vielen Monaten Arbeit auch der Kettfaden und die ganze Mühe war umsonst. Auch diese Geschichte kommt mir bekannt vor.
Danach wird ein Tässchen Tee oder Kaffee serviert und mehrere Angestellte breiten die ganze Palette zu verkaufender Teppiche auf dem Boden aus. Wie nebenbei bekommt nun jedes Paar seinen eigenen Berater, der geschickt eine Unterhaltung einfädelt. Es sind wirklich schöne Stücke dabei, aber wir erklären ihm gleich, dass wir keinen Teppich kaufen werden. Als wir vor 5 Jahren schon einmal in der Türkei waren, haben wir ein hochwertiges Stück erworben. Nun entwickelt sich ein durchaus nettes Gespräch, bei dem wir feststellen, dass das in der Filiale der Firma bei Pamukkale war. Dort hat der gleiche Inhaber die Verkaufsschau genauso abgezogen wie hier und deshalb kam mir von Anfang an alles so bekannt vor.
Die ganze Veranstaltung zieht sich nun schon über 3 Stunden hin. Richard liegt mit Altug im Clinch, der die Abfahrt immer wieder hinauszögert. In der Cafeteria bestellen wir uns einen Kaffee, um die Zeit bis zum Mittagessen zu überbrücken. Da die örtlichen Reiseführer bei Teppichverkäufen eine satte Provision bekommen (ich habe später in einer Fernsehsendung etwas von 20 % gehört), ist es für Altug natürlich wichtig, dass möglichst viele Teppiche gekauft werden, aber uns knurrt inzwischen der Magen.
Erst gegen 14.30 Uhr treffen wir in einem Felsenrestaurant ein und dann ist die dortige „Spezialität“, Fleisch und Gemüse aus dem Tontopf, auch noch ziemlich mittelmässig und fast fleischlos.

Im „Taubental“ bei Üchisar halten wir zu einem Fotostopp. Dort wohnen in den vielen Höhlen und ehemaligen Wohnungen jetzt Tausende von Tauben.
In Göreme machen wir noch einmal Station und blicken auf die Stadt. Oberhalb eines Steilhangs spazieren wir an einem lang gestreckten Tal entlang, immer wieder fällt der Blick auf die merkwürdigsten Felsgebilde. 


Die Souvenirhändler wollen in vielen kleinen Läden und Ständen die verschiedensten Artikel an den Mann oder die Frau bringen. Inzwischen habe ich schon Taschen und Armreife für meine Enkelkinder erstanden, bin selbst Besitzerin eines Rucksacks und kann Armband und Kette vorweisen. Ein Badetuch, ein Pashmina-Schal und türkische Süssigkeiten werden die Lieben zuhause erfreuen und mein Bedarf an Mitbringseln ist fast gedeckt.

 

 

25. Tag – Freitag, den 21. Mai 2010

Nach zwei bewölkten Tagen strahlt heute wieder die Sonne und die Heissluftballons bieten uns ein besonderes Schauspiel. Dicht vor oder sogar über dem Platz schweben sie vorbei, einige landen auch in Sichtnähe. Und in einem etwas weiter entfernten Tal haben einige Mitreisende einen Ballon in Flammen aufgehen sehen. So ganz ungefährlich ist die Sache wohl doch nicht!
Eberhard ist gestern bei einem Fotostopp schlimm gestürzt und hat sich eine tiefe Wunde am Bein zugezogen. Trotz der Schmerzen ist er aber auch heute gut gelaunt, hoffentlich kann er die 300 km bis Ankara fahren!
Wir verlassen diesen schönen Campingplatz (im Swimmingpool ist inzwischen auch Wasser eingelassen), um gen Nordwesten zu fahren. Am Strassenrand werden von den Bauern Kartoffeln angeboten, im Strassengraben lassen Frauen und Kinder ihre einzige Kuh das spärliche Gras oder die trockenen Kräuter abgrasen. Die Blumenpracht am Wegesrand ist trotz der Trockenheit erstaunlich bunt, die verschiedensten Arten blühen im leuchtenden Gold, feurig rot, kräftig blau oder rot, orange und pink. Dahinter dehnen sich die Felder aus.
Auf der Strasse ist sehr wenig PKW- aber sehr viel LKW-Verkehr und sie ist in einem schlechten Zustand. Nach etlichen Kilometern sehen wir auf der linken Seite den grossen Salzsee Tuz Gölü, der uns wie eine Fata Morgana erscheint. Am vorderen Rand ist ein breiter weisser Salzstreifen zu sehen, das andere Ufer scheint über zartblauem Dunst zu schweben. In zwei staatlichen Salinen werden jährlich 150.000 Tonnen Salz gewonnen. Wir fahren 70 km an diesem See entlang, immer wieder bieten Händler am Strassenrand von kleinen LKWs aus Nüsse an.
Zerfetzte LKW-Reifen liegen alle paar hundert Meter im Graben, auch die Reste von Unfällen (zerschlagene Flaschen, zersplitterte Kisten mit Gemüseresten) zieren Mittelstreifen oder den Rand. Einige wenige Kilometer ist die Strasse neu gemacht, dann geht das Gerüttel weiter. An einer Ampelkreuzung unterhalten 2 Musikanten die Autofahrer während der Rotphase mit Musik, sicher möchten sie etwas Geld bekommen.
Der Campingplatz bei Ankara liegt in Gölbasi hinter dem Hotel Ulasan an einem See. Der Stellplatz ist so klein, dass das Aufstellen wieder eine generalstabsmässige Planung erfordert. Wir haben Stromanschluss und können die 2 Toiletten und Duschen, die eigentlich zum grossen Schwimmbad gehören, benutzen. Ansonsten ist hinter dem Hotel die „Müllhalde“. Alles was nicht mehr benötigt wird, landet hinter dem kleinen Gebäude mit Turm, vor dem noch 3 Spülbecken (ohne Wasser) von besseren Zeiten zeugen. Selbst ein ganz alter Schäferhund ist hier hinten „entsorgt“! Das bedauernswerte Tier liegt an einer ganz kurzen Kette, die kaum in die klapprige, offene Hundehütte hineinreicht und bekommt Knochen und Essensreste vom Hotel. Er macht den Eindruck, als ob er taub und blind ist und rührt sich kaum.
Das Hotel selbst ist sehr schön und wir gehen am Abend zum Essen hinein. Wir sitzen in angenehmen, gepflegten Räumen mit hübsch gedeckten Tischen und blicken auf den See hinaus. Das Essen ist sehr gut und preiswert (ein Tellergericht mit gegrillter Hühnerbrust, dazu Reis und Pommes sowie Tomate und Paprika für 10 TL oder einen grossen Tomaten-Gurken-Paprikasalat für 4 TL), die Bedienung flink und freundlich und Livemusik gibt es auch noch gratis dazu!
In der Nacht werde ich vom Regengetrommel auf dem Dach geweckt, ein Gewitter lässt es blitzen und donnern.


26. Tag – Samstag, den 22. Mai 2010

Zur Stadtrundfahrt nach Ankara sitzen wir um 8.00 Uhr im Bus. Die 4,5 Millionenstadt hat einen Durchmesser von 40 km und präsentiert sich sauber, mit vielen Grünanlagen und zahlreichen Neubauvierteln mit 6 – bis 8-geschossigen Häusern, die z. T. noch unbewohnt und zu vermieten sind. Zuerst geht es in das „Museum der anatolischen Zivilisation“ und dieser Besuch ist wirklich ein Erlebnis! Es ist in einem Basar aus dem 15 JH. untergebracht und beherbergt Schätze aus der Zeit der ersten Zivilisation um 7.000 v. Chr. bis zum klassischen Altertum mit dem Schwerpunkt „Kultur der Hethiter“.  

Wir sehen wunderschöne, mit geo-metrischen Mustern verzierte Tierfiguren (z. B. den hethitischen Löwen oder die göttlichen Stiere), viele Statuen, Fruchtbar-keitsgöttinnen, Töpfer- und Kupferarbeiten und vieles, vieles mehr. In gläsernen Vitrinen oder auf Steinreliefs bewundere ich ehrfürchtig die Kostbarkeiten und bin sehr beeindruckt von der Vielfalt und Schönheit!
Der nächste Weg führt uns in die kleine Altstadt von Ankara. Sie liegt auf einem Hügel. Schöne, alte Holzhäuser säumen die schmalen Gassen und wir steigen hinauf zur Zitadelle. Wir sind jetzt auf 978 m Höhe und haben einen tollen Rundblick nicht nur auf das moderne Ankara, sondern auch auf die Slums auf einem Hügel gegenüber. Dicht an dicht „kleben“ die „Über-Nacht-Häuser“ am Hang.
Die Zitadelle diente in alten Zeiten als Fluchtburg, jetzt kann man sie besichtigen, nur leider heute nicht! Altug will uns dafür eine Moschee von innen zeigen, aber die beiden, bei denen er es versucht, sind leider heute auch geschlossen! Diese Führung ist keine Meisterleistung, das Mittagessen in einem alten, restaurierten 3-geschossigen Holzhaus in der Altstadt entschädigt uns für das Missgeschick.
Die beiden unteren Etagen sind museumsartig mit alten Möbeln und Zubehör ausgestattet, vom dritten Stock aus können wir durch eine verglaste Veranda auf die Stadt sehen. Alles ist liebevoll mit alten Erinnerungsstücken dekoriert und das Essen ist gut und reichlich.
Während wir hier gemütlich sitzen, beginnt es draussen heftig zu regnen. Als wir auf dem Weg zum Bus sind, macht der Regen eine kurze Pause, um uns dann aber beim Besuch des Atatürk-Museums voll zu erwischen. Begleitet von Blitz und Donner laufen wir bei einem Wolkenbruch den langen Weg vom Eingang zum Monument hinauf. Das riesige Mausoleum ist 1953 errichtet. Der Ehrenhof wird von Säulengängen eingerahmt, am Ende steht die haushohe Ehrenhalle. Dies ist eine Pilgerstätte für alle nationalbewussten Türken! Die Eingänge werden von Soldatenattrappen  „bewacht“, die man lt. Altug auch fotografieren darf. Aber er meint, das ist doch etwas „kitschelig“.
Wir sind ganz durchgeweicht vom Regen als wir durch das Museum geschleust werden. Es ist voll gestopft mit persönlichen Dingen von Atatürk, seinem Fuhrpark und seinen Möbeln. In vielen Sälen sind nachgebaute Kriegsszenen zu sehen, Schlachtenbilder hängen an den Wänden. Vor der verschlossenen Tür, hinter der der Sarkophag mit dem verstorbenen Staatsgründer steht, weinen einige Türkinnen bitterlich.
Vielleicht hätte Altug nun noch einen Besuch in der Kocatepe Moschee (der grössten in der Türkei und nach dem Vorbild der blauen Moschee in Istanbul errichtet) einschieben können (die war bestimmt heute nicht geschlossen). Danach hätten wir in dem grossen Supermarkt, der im UG sein soll, einkaufen können, denn die Kühlschränke sind schon wieder ziemlich leer. Auf unseren Wunsch nach Nahrungsbeschaffung wird aber doch eingegangen und der Bus hält auf dem Weg zurück zum Campingplatz an einem Supermarkt.


27. Tag – Sonntag, den 23. Mai 2010

Es hat die ganze Nacht geregnet, aber am Morgen ist es trocken und sehr kühl (11 Grad). 540 Kilometer bis nach Istanbul sind heute zu bewältigen.
Rings um Ankara sind riesige Satellitenstädte entstanden. Neue Hochhäuser stehen einzeln inmitten von Wiesen und Feldern, dazwischen grosse Siedlungen mit hübschen Einfamilien- oder Reihenhäusern, immer ein Dutzend oder mehr vom gleichen Typ oder ganze Viertel mit bis zu 16-stöckigen Hochhäusern. Auf der Standspur der Autobahn parken alle paar hundert Meter Bewässerungswagen und einige Männer giessen fleissig die gepflanzten Bäumchen obwohl es regnet. Job ist eben Job!
Wir kommen in die Berge und fahren durch die Wolken, die tief in den Tälern hängen. Es regnet inzwischen ohne Pause als wir die Passhöhe erreichen. Nun sind wir auf 1.580 m Höhe, die Hänge sind dicht mit Tannen bewachsen. Nach einem Tunnel bei Bolu „fällt uns wirklich der Himmel auf den Kopf“, es schüttet wie aus Kübeln. Der Scheibenwischer schafft es kaum, neben der Autobahn stürzen sich die Wassermassen auf einem Weg ins Tal.
Als wir ca. 90 km vor Istanbul sind, erblicken wir auf der linken Seite das Marmarameer. Es schimmert tiefgrün und wird von vielen Schiffen befahren. Ab und zu kommt jetzt die Sonne durch, der Verkehr nimmt stark zu. Die Autobahn verläuft am Rande von Istanbul und über die Bosporusbrücke verlassen wir Asien. Hier heisst es: „Willkommen in Europa“.
Ca. 40 km nach Istanbul biegen wir von der Autobahn ab, der Campingplatz Istanbul Mocamp liegt ziemlich in der Einöde. Auch hier hat es wohl stark geregnet, denn die Wiesen sind ganz nass und aufgeweicht. Beim Einparken rutschen unsere schweren Autos und hinterlassen hässliche Spuren.


28. Tag – Montag, den 24. Mai 2010

Zur Stadtbesichtigung bringt uns der Bus zurück nach Istanbul, wir benötigen 1 ½ Stunden für die Strecke. Es geht am neuen Atatürk-Flughafen vorbei und weiter auf der Uferstrasse am Marmarameer entlang. Links der Strasse stehen schöne grosse Wohnanlagen und auf der anderen Seite zwischen Strasse und Meer sind gepflegte Parks angelegt. Parallel zur Strasse verläuft die alte Stadtmauer, die früher um ganz Istanbul herumgebaut war und die Eisenbahnlinie, auf der der Orientexpress verkehrt. Wir biegen in die Altstadt ein und vor uns liegt die Blaue Moschee. Sie wurde 1609 von Sultan Ahmed erbaut, sechs Minarette vervollständigen ihr harmonisches Äusseres.
Bevor wir eintreten dürfen, müssen wir die Schuhe ausziehen und stecken sie in eine Plastiktüte. Im Inneren ist der ganze Boden mit einem roten, gemusterten Teppichboden ausgelegt. Ein grosser Teil ist für die Betenden abgeteilt und vereinzelt betreten Männer und Frauen diesen Raum, um zu beten und sich gen Mekka zu verneigen.
Die Wände sind geschmückt mit unzähligen, gemusterten Fayencen in allen möglichen Blautönen. Sie leuchten und schimmern im Licht, das durch die Fenster auf sie fällt. Im Osten sind sie noch wunderschön erhalten, an den übrigen Flächen in etwas einfacheren Varianten. Die Kuppeln (die mittlere ist 43 m hoch und hat einen Durchmesser von über 20 Metern) werden von 4 mächtigen „Elefantensäulen“ getragen, die einen Durchmesser von 5 m haben. Sie sind mit farben-prächtigen Gemälden verziert.
Im Aussenbereich vor der Moschee steht die berühmte Schlangensäule, an der die Köpfe fehlen. Zwei befinden sich in Museen und der dritte ist verschwunden.
Am anderen Ende des Platzes befindet sich ein grosser Brunnen, der Kaiser Wilhelm gewidmet ist. Der Strassenverkehr ist enorm (wir sind immerhin in einer 15-Millionen-Stadt, bei der die Rushhour 24 Stunden anhält). Strassenbahnen, Autos und Busse verstopfen permanent die Strassen.
Nun spazieren wir durch einen kleinen Park und über einen grossen Platz zum Topkapipalast, dem Sultansserail. Im Laufe der vergangenen 500 Jahre sind die Gebäude mehrmals von Bränden oder Erdbeben zerstört worden, wurden aber jedes Mal wieder aufgebaut. Er liegt in grosszügig angelegten Gärten direkt am „Goldenen Horn“. Bei herrlichem Sonnenschein besichtigen wir die einzelnen Teile. Kirchenteil und Haremsteil sind leider geschlossen, da sie restauriert werden. Vor der Schatzkammer staut sich eine ganz lange Menschenschlange, da will ich mich auch nicht anstellen (so viel Zeit haben wir auch gar nicht). Einige Wohnräume und die Bibliothek sind interessant und sehenswert.
In dem grossen SB-Restaurant mit herrlichem Blick auf den Bosporus ergattern wir noch einen Platz. Den müssen wir dann aber teuer bezahlen – ein Kaffee kostet 8 TL und ein Käsesandwich 14 TL! 


Geld kann man auch im Grossen Basar ausgeben! Durch einen der 17 Eingänge führt uns Altug hinein. Bis zu einem zentralen Punkt in der Mitte begleitet er uns noch und hier, beim Shark Cafe, wollen wir uns auch wieder treffen.

Nun geht es hinein ins Getümmel. Die unterschiedlichsten Läden bieten ihre Waren in Gassen und Gängen an. Es gibt bestimmt nichts, was es nicht gibt! Schmuck, Teppiche, Lederwaren, Textilien, Lampen, Keramik und Geschenkartikel werden von den Händlern in voll gestopften Lädchen angeboten. Die Händler stehen davor und preisen ihre Waren mehr oder weniger aufdringlich an.
Wer etwas kaufen möchte, muss natürlich feilschen. Die Preise sind so angesetzt, dass man höchstens 50 % davon bezahlen sollte. Gerd braucht eine Sonnenbrille und so schauen wir uns in drei Läden um. Als ihm eine gefällt, will der Verkäufer 30 Euro („echte Designerbrille, gute Qualität“!). Schliesslich kaufen wir sie für 10 Euro (mehr lässt er nicht nach, obwohl wir gehen). Ich finde noch einen Keramikteller, der mir gefällt und den ich für meine Nachbarin, die meine Blumen giesst, kaufe.
Der Basar ist in bunt bemalten Gewölben untergebracht und so riesengross, dass ich ganz schnell die Orientierung verliere. Alles sieht ähnlich aus und selbst mein lieber Mann, der sich meistens gut zurechtfindet, muss ein wenig nach dem Treffpunkt suchen!
Nun steht noch der Gewürzbasar auf dem Besichtigungsprogramm. Er ist viel kleiner, Nüsse, Gebäck, Trockenobst, Tee und natürlich Gewürze werden feilgeboten.
Inzwischen ist es 17 Uhr und es soll noch eine 1 ½ stündige Bootsfahrt auf dem Bosporus stattfinden.
 Bis wir danach wieder auf dem Campingplatz sind, haben wir einen 12-Stunden-Tag hinter uns. Richard macht den Vorschlag, die Bootstour auf Morgen zu verschieben. Altug reagiert ziemlich sauer, aber es wird abgestimmt und die Mehrheit ist für eine Verschiebung.
Das war heute ein sehr schöner, aber auch langer und anstrengender Tag und wir merken, dass wir zwar noch ganz schön belastbar, aber eben doch nicht mehr zwanzig sind!

 

 

29. Tag – Dienstag, den 25. Mai 2010

Nach einer heiss-kalten Dusche bin ich fit für einen weiteren Tag in Istanbul! Unser erstes Ziel ist die Hagia Sophia, die von aussen längst nicht so schön aussieht wir die Blaue Moschee, im Inneren aber mächtig und imposant ist. Die Eingangsschwellen sind im Laufe der Jahrhunderte von Millionen Füssen flach getreten!
Mit dem Bau wurde 532 begonnen und 5 Jahre später hat Kaiser Justinian sie als christliche Kirche geweiht. Es folgten wechselhafte Zeiten, in denen sie mehrfach abgebrannt ist, aber immer wieder aufgebaut wurde. Nach fast 1000 Jahren wurde aus der Kirche eine Moschee, sie erhielt eine Sultansloge, eine Kanzel für das Freitagsgebet und eine Extraabteilung für den Harem des Sultans im ersten Stock.
Über einen schrägen, gewendelten Aufgang liessen sich die Damen in Sänften hinauftragen. Wir müssen den Aufstieg zu Fuss bewältigen.
Eine 56 m hohe Kuppel, die einen Durchmesser von 31 m hat, krönt die Mitte. Für die vielen schönen Mosaiken sollen 4,5 t Gold verwandt worden sein!
Voller Ehrfurcht bestaune ich die Gemälde an den Wänden, es ist auch ein eindrucksvolles grosses Bild von der Jungfrau Maria dabei. Bei der Umwandlung in eine Moschee wurden die Wände zum Glück nur mit Gips bedeckt. Als Atatürk im Jahre 1934 aus der Moschee ein Museum machte, konnten sie alle vom Gips befreit und restauriert werden.

Im Erdgeschoss hat sich an der „schwitzenden Säule“ eine lange Menschenschlange gebildet. In der Säule ist ein Loch, dort hinein muss man seinen Daumen stecken und einmal ganz im Kreis herumdrehen. Ist er danach nass (die Wahrscheinlichkeit ist gross, da die Säule auf einer Zisterne steht) geht ein geheimer Wunsch in Erfüllung. Da ich z. Zt. nichts Wichtiges auf meiner Wunschliste habe, verzichte ich auf einen Versuch.
Es geht weiter zum Schiffsanleger neben der Galatabrücke. Dort steigen wir in ein Ausflugsboot, das mit uns eine Fahrt auf dem Bosporus macht. Unsere Gruppe ist ganz allein auf dem Schiff und jeder kann sich einen schönen Platz aussuchen. Die Tour beginnt auf der europäischen Seite. Oben auf einem Hügel steht der Galataturm, am Ufer reihen sich wunderschöne Paläste aneinander.
Die meisten werden als Luxushotels genutzt. Es geht unter der Europabrücke hindurch, danach sehen wir eine prächtige Yacht am Ufer liegen. Sie gehörte früher Atatürk.
In der Ferne überspannt die zweite Hängebrücke von Istanbul den Bosporus, die Erobererbrücke, über die wir vorgestern gekommen sind. Auf dem Bosporus herrscht ein reger Schiffsverkehr. Frachtschiffe fahren zum Schwarzen Meer, Fähren kreuzen von Asien nach Europa und Ausflugsschiffe mit Touristen an Bord wimmeln zwischendurch.
Auf der asiatischen Seite zeigt uns Altug das Haus, in dem er seine Kindheit verbracht hat und wir sehen noch einmal den Topkapipalast und verschiedene Moscheen vom Wasser aus. Nach einer Stunde ist die Rundfahrt zu ende und wir legen wieder am Steg an. Die Fahrt war so schön und entspannend und ich wäre gern noch länger und weiter gefahren!
Altug nimmt uns nun zu einem Besuch ins ehemalige Frauengefängnis mit, in dem sich jetzt eine Schmuckmanifaktur (aha!) niedergelassen hat (auch sie nimmt heute vielleicht noch manche Frauen gefangen). Da ich dringend die Gesundheitskabinen besuchen muss, gehe ich mit. Nach einem kurzen Rundgang fahren wir aber mit dem gläsernen Aufzug bis in den obersten Stock. Von dort kann man noch einmal einen schönen Blick auf Istanbul und das Meer werfen.
Im Anschluss fährt der Bus mit einem Drittel unserer Gruppe zum Campingplatz zurück. Am frühen Nachmittag ist noch nicht so viel Verkehr und so sind wir schon nach 1 Stunde Fahrt da. Den Rest des Nachmittags verbringen wir gemütlich bei einer gemeinsamen Kaffeetafel.
Alle übrigen „Istanbulbesichtiger“ werden später abgeholt.

 


30. Tag – Mittwoch, den 26. Mai 2010

Es geht weiter nach Edirne. Auf der Autobahn herrscht wenig Verkehr, die Sonne scheint und die Strasse ist gut. Die Landschaft ist unspektakulär, grosse Getreidefelder rechts und links.
Um 12 Uhr sind wir am Ziel, dem Campingplatz Ömür. Das Schwimmbad, von Hannelore angepriesen, ist noch ohne Wasser. Das Restaurant, in dem heute Abend unser gemeinsames Essen mit kleiner Folkloreveranstaltung stattfinden soll, ist auch noch nicht in Betrieb. Die Besitzerin des Platzes ist die unfreundlichste Person, die mir in der ganzen Türkei begegnet ist. Sie weist alle wie ein Feldherr auf die Stellplätze ein, Carl-Eduard und uns führt sie aus unerfindlichem Grund bis in die hinterste Ecke hinter dem Swimmingpool.
Als ich wenig später nach einem Toilettenbesuch die Direktroute zu unserem WoMo quer über die Terrasse und am Pool vorbei wähle, werde ich zurückgepfiffen! Sehr laut und sehr unfreundlich macht „der Zerberus“ mir klar, dass diese Teile gesperrt sind, da sie gerade „desinfiziert“ werden. Wer mich so „nett bittet“, bekommt von mir auch eine genau so nette Erwiderung. Die Sanitärräume haben schon lange keinen Putzlappen mehr gesehen!
Um 14 Uhr starten wir zu unserem letzten Busausflug mit Nihat, unserem immer freundlichen und hilfsbereiten Fahrer, der uns in den vergangenen 26 Tagen pünktlich und sicher gefahren hat.
Die Moschee von Edirne ist auch für Altug die letzte Sehenswürdigkeit, in die er uns führen wird.
Er hat in den fast 4 Wochen, die wir miteinander verbracht haben, versucht, uns sein enormes Wissen anschaulich zu vermitteln. Immer hat er ausführlich über die historischen Ereignisse berichtet und uns mit hunderten von Daten gefüttert. Er scheint sämtliche Gottheiten der Antike zu kennen. Manchmal waren wir müde und konnten nicht mehr stehen und in meinem Kopf purzelte oftmals alles durcheinander. Trotzdem war es sehr schön, wir haben unwahrscheinlich viel gesehen und erlebt und die Eindrücke sind gespeichert.
Hier schauen wir uns noch einmal die formvollendete Selimiye-Moschee an. Sie wurde im Jahre 1569 von einem berühmten Architekten erbaut und ist die grösste (?) Moschee der Türkei. Alles fügt sich harmonisch zusammen, aussen und auch innen. Eine riesige Kuppel krönt den Bau, acht gewaltige Einzelpfeiler tragen sie und noch mehrere kleinere Kuppeln. Direkt angebaut ist ein kleiner Basar, dort bekommt man wieder die üblichen Souvenirs.

Heute Abend findet das Abschiedsessen nicht auf dem Campingplatz sondern in einem hübschen Lokal am Fluss statt. Der Bus macht eine kleine Irrfahrt mit uns, erst nach Edirne hinein und dann wieder hinaus. Auf ganz schmalem Weg, durch Wiesen und Felder, am Fluss entlang und auf einer kleinen Brücke hinüber, kommen wir endlich mit Verspätung beim Restaurant an. Es liegt idyllisch am Ufer des Flusses, wir sitzen auf der Terrasse mit Blick auf eine alte, weisse Rundbogenbrücke aus osmanischer Zeit, über die die Anfahrt kürzer gewesen wäre. Aber sie ist für Busse und LKWs gesperrt.
 Kleine Kutschen mit rotem Baldachin und 2 Pferdchen davor bringen immer mehr Gäste in die vielen Restaurants, die sich an beiden Ufern wie in einer Perlenkette aneinander reihen.
Nihat und Altug können (oder wollen) nicht mehr mit uns essen, da wir so viel Zeit mit dem Umweg verloren haben. Sie müssen heute noch nach Izmir bzw. Istanbul. Richard hält eine kleine Dankesrede, alle verabschieden sich von den Beiden und nun fährt Nihat mit seinem Bus doch trotz Verbot über die historische Brücke.
Das Essen wird serviert und es ist fast wie zuhause – Braten mit Sosse, Erbsengemüse, Reis und Kartoffelpüree. Es ist noch ganz warm als die Sonne untergeht. Überall gehen die Lichter an und zaubern eine romantische Stimmung. Hier könnte ich noch länger sitzen und schauen und den Abend geniessen, aber wir werden von einem „fremden“ Bus abgeholt und fahren über die hübschen, alten Brücken zurück zum Campingplatz.


31. Tag – Donnerstag, den 27. Mai 2010

Endlich einmal richtig ausschlafen und dann die Seele baumeln lassen! Heute, am Ruhetag, dürfen wir ausruhen, können uns nur nicht im Swimmingpool abkühlen. „Das Wasser wird erst am 1. Juni eingelassen“ erklärt uns der „Zerberus“. Das Thermometer zeigt 28 Grad an, die Sonne scheint aus einem wolkenlosen Himmel und so beschliessen Heide und Karl sowie Ursula und Pavel am Vormittag, uns zu verlassen und schon nach Griechenland ans Meer vorauszufahren. Kein Kommentar!
Die kleine Gruppe Gespannfahrer entscheidet sich spontan, gemeinsam zu grillen. Und da Gerhard gerade bei ihnen sitzt und „Small-Talk“ macht, werden wir dazu eingeladen. Es wird ein sehr netter Abend. Hannelore hat Fleisch eingekauft und jeder bringt einen Salat mit.
Rudi brutzelt wie ein Weltmeister gekonnt an 3 Grillpfannen (ich erfahre soeben, dass er Koch ist!) und es schmeckt allen prima. Wie es bei einem 3-Gänge-Menue üblich ist, gibt es noch ein Dessert. Helma hat Schokoladenpudding mit Eierlikörsosse gezaubert, Rudi einen Erdbeerjoghurt und von wem sind die kleinen, süssen Gebäckteilchen? Die diversen Verdauungsschnäpsschen sind nun absolut notwendig und die Lammkeulchen, die übrig geblieben sind, müssen morgen in die „Pfanne gehauen“ werden...


32. Tag – Freitag, den 28. Mai 2010

Unsere heutige Etappe bringt uns zurück nach Griechenland. Es geht durch Edirne, über die zwei alten Bogenbrücken und den Fluss, eine kleine Strasse mit Kopfsteinpflaster entlang und schon nach wenigen Kilometern erreichen wir die Grenze. Obwohl wir im 15-Minuten-Takt abgefahren sind, treffen wir hier wieder alle aufeinander.
Vor uns wird erst einmal die Schranke geschlossen, die Grenzbeamten haben heute früh wohl so viel zu tun wie sonst an einem ganzen Tag. Schleppend geht es weiter, der eine Beamte arbeitet extrem langsam, der nächste ein bisschen schneller. Umso schneller werden wir bei der Einreise nach Griechenland abgefertigt. Der zweite Beamte, den ich aufsuchen muss, fragt, ob wir eine Gruppe seien und wie viel Fahrzeuge noch kommen. Nach meiner Antwort sagt er „okay“ und alle Formalitäten sind damit erledigt. An der Tankstelle, die hier direkt am Übergang ist, geben wir unseren „Pferdchen“ zu saufen und sparen bei der Tankfüllung doch glatt über 17 Euro gegenüber einer Füllung in der Türkei!
Bis wir auf die Autobahn einfahren können, müssen wir eine ziemlich schlechte Strasse mit vielen Baustellen bewältigen. Es herrscht wenig Verkehr, aber die schwüle, heisse Luft macht müde und wir legen noch einmal eine Rast ein.

Gegen 15 Uhr erreichen wir Kavala. Der Campingplatz liegt an einer kleinen Sandbucht, die von Felsen eingerahmt ist. Er ist gut ausgestattet – Sonnenschirme und Liegen am Strand, es gibt Sport- und Spielplätze, ein Schwimmbecken (ohne Wasser!) und eine Strandbar mit Blick auf das blaue Meer. Der muss allerdings teuer bezahlt werden – wir kaufen uns je 3 Kugeln Eis (also insgesamt 6 Kugeln) und glauben, nicht richtig zu hören, als das Mädchen 12 Euro dafür verlangt!  

Grosse Pappeln spenden auf dem ganzen Gelände Schatten, aber auch jede Menge wollige Blüten, die auf alles herabschneien und die Mückengitter der Dachfenster füllen. Rudi zaubert am Abend mit seinen „Kochgehilfen“ gegrillte Lammkeulenscheiben mit Knoblauchbrot, dazu gibt es die restlichen Salate von gestern. Mit diesem köstlichen Abendessen findet auch dieser Tag einen würdigen Abschluss!

  


33. Tag – Samstag, den 29. Mai 2010

Richard macht heute eine „Erkundungstour“ und schon ist die „Gruppendisziplin“ im Eimer! Ab 9 Uhr fährt jeder wann und wohin er will. Auf der Suche nach Nahrungsmitteln treffen sich die meisten im Nachbarort bei Lidl wieder! Die Einkaufswagen werden randvoll gefüllt, hier gibt es fast die gleichen Sachen wie zu hause! Nachdem alles gut verstaut ist, nehmen wir die nächste Autobahnauffahrt Richtung Thessaloniki.
Wieder fahren wir durch eine fruchtbare Landschaft mit Aprikosen- und Weinplantagen und vielen Olivenbäumen. Nach etlichen Kilometern „düst“ Ahmed an unserer Gruppe, die auch heute noch komplett ist, vorbei. Laut Funkdurchsage sind wir ihm zu langsam. Auf dem Campingplatz kommt  er aber trotzdem erst eine Stunde nach uns an. Er ist kurzfristig mal in die falsche Richtung gefahren.
Nachdem wir Thessaloniki auf der Umgehungsstrasse umrundet haben, grüsst in der Ferne der fast 3.000 m hohe, schneebedeckte Olympos. Den Göttern wird es da oben ziemlich kalt sein, während wir hier unten bei 33 Grad schwitzen.
Den Campingplatz in Kastraki unterhalb der Meteoraklöster kennen wir schon von der Hinfahrt. Er ist sehr schön, mit sauberen, neuen Sanitäranlagen, überdachten Grillplätzen und einem Schwimmbad, in dem auch Wasser ist! Das ist eine herrliche Erfrischung nach der langen Fahrt!

 


34. Tag – Sonntag, den 31. Mai 2010

Für heute ist ein Ruhetag eingeplant und wir nutzen die Freizeit, um die Meteoraklöster zu besichtigen. Mit drei Taxen werden einige von der Gruppe zu dem grössten und höchstgelegenen Kloster gebracht. Ein mächtiger Bau thront auf der Felsnadel und über viele Treppen und schmale Gänge, die in den Fels gehauen sind, gelangen wir hinein.
An der engsten Stelle begegnen mir einige Klosterbrüder mit umgehängten Kameras, die wohl auch nur zu Besuch hier sind. Der eine ist so unsagbar dick, dass wir nur mit Mühe aneinander vorbeikommen. Und hier trifft Helmas Ausspruch zu – es „riecht sehr nach Leberwurst“! Das Kloster besteht aus vielen, aneinander gebauten Teilen und beim Eintritt wird sehr darauf geachtet, dass die Frauen es nur mit langem Rock betreten (bunte Wickelröcke hängen zum Ausleihen an Haken) und die Männer lange Hosen tragen.

 
Der schönste Teil des ganzen Komplexes ist die Kirche. Auf vielen Pfeilern ruhen viele Kuppeln, alles ist mit farbenfrohen, bunten Bildern bemalt.

 Der gruseligste Teil ist das Gebeinhaus. Dutzende Totenschädel liegen fein säuberlich aufgereiht im Regal, die dazugehörenden Knochen darunter. Wunderschöne alte Ikonen und Bücher, kostbare Gewänder und goldene Utensilien, die für religiöse Zeremonien benutzt wurden, zeugen vom Reichtum des Klosters. Wir werfen einen Blick in die Klosterküche und die Vorratsräume und treten dann hinaus auf die zahlreichen Terrassen. Von jeder kann man in eine andere Richtung schauen und hat einen tollen Ausblick auf die vielen anderen Klöster in der Umgebung.
Agnes, Helmut, Rudi und wir beschliessen nach der Besichtigung nicht mit dem Taxi zurückzufahren, sondern uns noch das etwas tiefer gelegene Kloster anzusehen.
Also beginnen wir den Abstieg auf der Serpentinenstrasse. Es ist nicht weit und über eine Brücke betreten wir das etwas kleinere, aber auch sehenswerte Kloster.

Hier herrscht rege Bautätigkeit, ein grosses neues Gebäude entsteht. Nachdem wir in den alten Räumlichkeiten alle kleinen und grossen Kostbarkeiten angeschaut haben, stärken wir uns auf dem Vorplatz an einer Imbissbude mit einem leckeren, pastetenartigen Gebäck mit Käse- und Spinatfüllung.

Der Abstieg ins Tal nach Kalambaki führt uns auf der Fahrstrasse weiter in Serpentinen hinab. Es ist wenig Verkehr, aber wir halten doch Ausschau nach einem Weg, den wir von oben gesehen haben und der ein wenig Abkürzung verspricht. Weitere Klöster sind rechts und links der Strasse zu sehen, mehr oder weniger weit entfernt. Nach jeder Biegung gibt es einen neuen fantastischen Ausblick und bald finden wir auch den Feldweg, der die Strecke abkürzt.
Nach einiger Zeit wird aus dem Feldweg ein Trampelpfad, aber wir marschieren unverdrossen weiter. Inzwischen zerkratzen mir die Himbeerranken die nackten Beine und nach etlichen Metern endet auch dieser Pfad. Wir stehen vor einem umzäunten Weingarten und

einer Schlucht. Agnes und Helmut wollen nicht aufgeben und versuchen an einigen Stellen, das Dickicht zur Schlucht zu
bezwingen.  Es geht nirgends weiter, also zurück und bergauf über Stock und Stein. Zum Glück ist der Himmel inzwischen bedeckt und es ist nicht ganz so heiss.
Endlich sind wir wieder auf der Strasse und schon nach der nächsten Kurve zweigt der richtige Feldweg ab! Schon bald sind wir bei den ersten Häusern von Kastraki. In die erste Taverne kehren wir ein und lassen uns im Schatten auf die Stühle plumpsen. Das kühle Bier ist ein Hochgenuss und zischt durch unsere ausgedörrten Kehlen. Die letzten 500 m bis zum Campingplatz sind nun ein Kinderspiel.
Ein erfrischendes Bad im Swimmingpool belohnt meine müden Füsse, die die Wanderung nur mit Hilfe von 2 Pflastern überstanden haben, die Agnes glücklicherweise in der Tasche hatte. Für Agnes endet das geplante Bad im Pool allerdings schlimm. Sie rutscht im Fusswaschbecken aus und fällt ganz unglücklich auf Knie und Knöchel.
Zum Abendessen gehen wir in ein kleines, hübsches Lokal im Ort. Nach dem Essen hat sie so starke Schmerzen, dass sie sich mit einem Taxi zum Campingplatz bringen lassen muss.


35. Tag – Montag, den 31. Mai 2010

Wir nehmen das letzte Stück Griechenland „unter die Räder“, zuerst auf schmaler, kurvenreicher Strasse bergauf und bergab und dann, nach 60 Kilometern, auf der kaum befahrenen Autobahn. Diese neue, mit sehr vielen Milliarden Euro aus EU-Mitteln gebaute Strasse führt uns durch unzählige Tunnel und über riesige Brücken durch die Berge. Kurz vor Igoumenitsa öffnet sich das Tal und gibt einen schönen Blick auf das Meer frei.
Wenig später haben wir unser heutiges Ziel, den Campingplatz Kalami Beach, erreicht. Er ist terrassenartig den Hang hinauf angelegt, in allen Rottönen ranken üppige Bougainvilien an Mauern und Häusern empor.
Eine kleine Kiesbucht lädt zum Baden im türkisblauen Meer ein.
Es ist sehr verlockend und die Kieselsteine stören mich nicht, denn ich habe ja Badeschuhe eingepackt und noch gar nicht benutzt. Damit kann ich zwar gut hineingehen, aber nicht schwimmen! Die Füsse treiben immer wieder an die Wasseroberfläche, es ist sehr mühsam. Aber das Wasser ist herrlich warm, ich plansche ein bisschen und geniesse dabei den Blick in die Postkartenumgebung.
Etwas später erfahren wir von Richard, dass die morgige Abfahrt der Fähre von 9 Uhr auf 15 Uhr verschoben wurde, da der Fahrplan durch einen Streik des Personals durcheinander geraten ist. Wenn weiter gestreikt wird, hängen wir einfach noch ein paar Urlaubstage dran...!


36. Tag – Dienstag, den 1. Juni 2010

Die Temperatur ist von gestern 28 Grad auf mickrige 19 Grad abgestürzt und der Himmel hängt voller dunkler Wolken. Bis zum Mittag gibt es aber schon wieder blaue Lücken, durch die sich die ersten Sonnenstrahlen drängen. Ab 13 Uhr starten alle Richtung Fähre, in mehr oder weniger grossen Abständen.
Der Hafen ist schnell erreicht, nun heisst es warten. Von der Fähre ist um 15 Uhr weit und breit noch nichts zu sehen.
Petrus gibt inzwischen wieder sein Bestes, es ist herrliches Urlaubswetter und der Abschied wird uns schwer gemacht. Gegen 15.45 Uhr legt die Fähre an, nun geht alles recht schnell.
Wir dürfen an Bord fahren und eine halbe Stunde später legt sie schon wieder ab. Noch ein letzter Blick auf das wunderschöne Panorama und schon sind wir auf dem Meer.
Leider sind wir von der Crew auf fast den gleichen, miesen Platz über dem Maschinenraum eingewiesen worden wie auf der Hinfahrt. Diesmal haben wir aber noch nicht einmal einen Ausblick, denn davor steht ein LKW. Es rüttelt und schüttelt, beim Essen klappert das Geschirr, es klirrt das Besteck und der Motorenlärm verhindert Gespräche.
Etliche Camper sind mit Hunden an Bord, die dürfen ihr Bein heben und die Räder anpinkeln! Auf dem schmalen Pfad zwischen den Wagen begegnet mir eine Frau mit Hund. Er bleibt sitzen, um sein grosses Geschäft zu machen. Ich bin fassungslos und spreche die Frau an. Ihre Antwort: “Ja irgendwo muss er ja hinmachen!“ Sie packt die Riesenwurst dann allerdings in eine Plastiktüte und ich höre, wie sie zu dem Riesenhund sagt: „Gut gemacht Schatzi, jetzt musst du nur noch Pipi machen!“ Etliche Herrchen und Frauchen gehen mit ihren Schätzchen auch „Gassi“ zwischen die LKWs, die direkt hinter uns geparkt sind. Am nächsten Morgen sind überall stinkende Pfützen zu sehen!
Ja, so richtig toll ist es nicht auf dem Camperdeck. An der frischen Luft auf dem Sonnendeck des Schiffes sitzt man wesentlich angenehmer.
Dort am Swimmingpool (mit Wasser gefüllt!) geniessen wir den Sonnenschein und lassen die schöne „Landschaftskulisse“ wie in einem Film an uns vorbei ziehen. Mit hohem Tempo pflügt das Schiff die ersten 2 ½ Stunden durch die Wellenberge, auf der rechten Seite das Festland und auf der linken die verschiedenen Inseln. Dann geht die Sonne unter und wir kehren in unsere „Folterkammer“ Wohnmobil zurück.

  


37. Tag – Mittwoch, den 2. Juni 2010


Trotz Lärm und Gerüttel habe ich, mit Ohropax versehen, ganz gut geschlafen. Es ist gar nicht mehr so weit bis Venedig, der Kapitän hat sein Bestes gegeben und für die Überfahrt 3 Stunden weniger gebraucht als bei der Hinreise. Die Einfahrt in die Lagune von Venedig geniesse ich vom obersten Deck aus. Es ist Mittagszeit und unzählige Boote mit Fischern oder Ausflüglern, kleine Fähren und private Flitzer kreuzen wild durcheinander. Unser dicker „Pott“ bahnt sich majestätisch und laut tutend seinen Weg. Die Sonne scheint, die Menschen winken uns gut gelaunt zu, auf einem Fischerboot macht ein muskulöser Fischer einen Striptease für uns und stellt sich in Pose!
Langsam geht es an ganz Venedig vorbei. Auf den Plätzen und Brücken wimmelt es von Menschen, die meisten Gondeln dümpeln arbeitslos an ihren Anlegestellen. Der Blick von hoch oben hinunter auf die quirlige Stadt ist einfach grandios!
Nachdem wir angelegt haben, dauert es gut 45 Minuten, bis wir von Bord können. Irgendetwas klemmt an der Rampe, auf der zwei lange LKWs stehen, die voll beladen mit PKWs sind.
Dann geht es auf der A 4 und der A 23 weiter Richtung Österreich. An der Zahlstelle in Tarvisio bekommen wir als Rausgeld eine Handvoll Münzen. Ich zähle nach, es fehlen 50 Cent. Uns ist das schon mehrmals passiert (und einigen Mitreisenden ebenfalls), der Kassierer wird am Abend ein schönes Trinkgeld beisammen haben, denn wer kehrt schon um und reklamiert?!
Das schöne Wetter haben wir nun endgültig in Italien zurückgelassen.
 Als wir am Ossiacher See ankommen ist der Himmel bedeckt, es tröpfelt und die Temperatur ist auf 17 Grad gesunken. Die Wettervorhersage ist auch sehr ernüchternd – für Salzburg und das Inntal werden enorme Regenmengen vorhergesagt.
Heute Abend um 20 Uhr treffen wir uns zu der letzten gemeinsamen Veranstaltung auf dieser Reise – einem Abendessen mit „Musik“. Richard lässt in einer kleinen Ansprache die vergangenen 37 Tage Revue passieren. Leider geht die Rede fast in dem Lärm unter, den eine Gruppe Belgier an den Nachbartischen veranstaltet. Gerhard hat es übernommen, sich im Namen der meisten Mitreisenden herzlich bei Hannelore und Richard für die schöne Reise zu bedanken und überreicht ihnen einen Umschlag, dessen Inhalt dieses Dankeschön bekräftigen soll.
Heide hat eine ganz tolle, gereimte Zusammenfassung dieser Fahrt gemacht, die sie uns vorträgt. Alle schönen Aspekte, Erlebnisse und Begebenheiten werden humorvoll und chronologisch wiedergegeben, es wird aber auch der Finger auf manchen wunden Punkt gelegt. Der Vortrag spiegelt gekonnt die Ereignisse der vergangenen Tage wieder und trifft so den Nagel auf den Kopf!
Ich denke, wir haben alle wahnsinnig viel gesehen und erlebt, manche Vorurteile abgebaut und eine Herzlichkeit der Bevölkerung erfahren, die es bei uns gar nicht mehr gibt.
Die z. T. miserablen sanitären Beschaffenheiten mancher Campingplätze werden heute unter „erledigt“ abgelegt. In unserer Erinnerung bleiben das fast immer schöne Wetter, die tollen Strände mit dem wunderbaren, klaren, blauen Meer, die vielen, vielen „alten Steine“ mit ihren Geschichten, grandiose Landschaften in Pamukkale und Kapadokien, ein sehr gescheiter, liebenswürdiger und bestimmender Reiseleiter und ein netter, hervorragender Busfahrer haften.
Es hat zum Glück keine grösseren „Unfälle“ gegeben (die Stürze sind fast wieder verheilt und der Dauerbesuch in den Gesundheitskabinen ist überstanden). Auch an den Fahrzeugen gab es keine grösseren Schäden (der Totalausfall von Hans-Herrmanns und Ediths Auto war ein wenig vorhersehbar!) und ich hoffe, dass alle gut nach Hause gekommen sind und diese Reise, wie ich, in guter Erinnerung behalten. Mit etwas Abstand gesehen verschwinden etwaige Unannehmlichkeiten und die schönen Dinge strahlen umso heller!
In meinen aufgeschriebenen Erinnerungen - die ich allen zum Lesen geben möchte, die sie lesen wollen - spiegeln sich meine ganz persönlichen Empfindungen, Gedanken und Erlebnisse wider, die ich vor, während und nach dieser Reise hatte. Jeder hat natürlich andere Dinge erlebt und gesehen, kann sie vielleicht einfügen und den Reisebericht damit komplettieren.
Ich wünsche allen viel Spass beim Schmökern, weiterhin eine gute Zeit und noch viele, schöne, unfallfreie Reisen mit oder ohne den DCC!


Viele liebe Grüsse aus dem schönen Reutlingen von

Brigitte und Gerhard